Joachim Kuhs

 

Aus der Flut nichts gelernt

Nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 und dem ausgebliebenen Atomausstieg fragten sich Umweltschützer: „Wie viele Katastrophen braucht der Mensch?“ Ein Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser an Mulde und Elbe macht Greenpeace auch bei Behörden ein Kurzzeitgedächtnis aus: Obwohl die Umweltministerien des Bundes und von Sachsen und Sachsen-Anhalt auf die großflächigen Schadstoffbelastungen nach dem Elbehochwasser im August 2002 hingewiesen wurden, sehen Politiker dort kaum Handlungsbedarf. Kritische Daten wurden von ihnen lange wie Geheimnisse gehütet. Betroffene Landwirte und Bodeneigentümer wurden bislang nicht oder nur unzureichend informiert. Was das heißt, führt Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace, vor Augen: „Bodenschutz-Grenzwerte werden großflächig überschritten. In den Au-Wiesen der Elbe hat das Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig Quecksilber in einer Größenordnung gefunden, die um das 60fache über dem Grenzwert der Bundesbodenschutzverordnung liegt. Es muß daher davon ausgegangen werden, daß die Schwermetalle und Gifte in die Körper von weidenden Rindern und Schafen gelangt sind. Durch deren Fleisch gelangen sie dann auch auf die Teller der Menschen.“ Greenpeace fordert Sofortprogramme: „Neben dem umgehenden Informieren der Bauern und Grundstücksbesitzer muß die Beweidung belasteter Au-Wiesen unverzüglich gestoppt werden.“ Nutzungseinschränkungen für den Anbau von Feldfrüchten seien gegebenenfalls auszusprechen. Wieder einmal muß der Staat an seine Pflicht erinnert werden, Gesundheitsvorsorge zu betreiben – Nachsorge wird teuer. Und die nächste Jahrhundertflut kommt bestimmt.

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