Der letzte Verleger

Herbert Fleissner wurde am 2. Juni 1928 in Eger/Sudetenland geboren. Er ist der letzte verbliebene Verleger jenes alten Schlages, der seit Jahren vom gesichtslosen Verlagsmanager verdrängt wird. Er ist auch der letzte Patriarch unter den Verlegern: Zwei seiner vier Kinder tragen herausragende Verantwortung in der Verlagsgruppe Langen Müller Herbig. Fleissners Verlagsgruppe ist zudem der letzte konservative unter den ansonsten im Zweifel ausschließlich linksliberal orientierten großen Buchverlagen. Die Buchverlagsgruppe Langen Müller Herbig umfaßt 16 namhafte Verlage und deckt ein breitgefächertes inhaltliches Spektrum ab. Von Romanen über Biografien, Gesundheitsratgeber, zeitgeschichtliche Sachbücher, Wirtschaftstitel bis hin zu Reise-Bildbänden und Kochbüchern ist alles vertreten. Die einzelnen Verlage kooperieren miteinander, vertreten jedoch alle ihr eigenständiges, individuelles Programm. Profiliert hat sich Fleissner immer auch durch politische und zeitgeschichtliche Titel, mit denen er sich bisweilen fanatische Angriffe von der Linken, aber auch die kalte Schulter des Feuilleton-Establishments einhandelte. Das hat ihn jedoch nie aus der Ruhe gebracht, denn seine Devise war stets: „Nichts ist so verkaufsfördernd wie ein ordentlicher Verriß!“ Dieter Stein Zwei Augen Ich wage die kühne These, daß die deutsche Demokratie in der intellektuellen Sphäre auf zwei Augen steht, auf den Augen von Herben Fleissner. Ohne ihn und seine Verlage hätte eine wichtige Strömung des Denkens und Empfindens keine weithin vernehmbare Stimme, nämlich die „rechte“ Strömung, die sich deutlich von der „Suhrkamp-Kultur“ unterscheidet. Aber daß die „Suhrkamp-Kultur“ und alles, was mit ihr zusammenhängt, nicht alleinherrschend sei, müßte eine essentielle Forderung all jener „linken Leute“, sein, die sich über die These von den „zwei Augen“ entrüsten oder mit spöttischem Schweigen darauf antworten werden. Eine Demokratie, in der es im intellektuellen Bereich nur Linke und im politischen Felde bloß zwei kaum verschiedene Volksparteien gäbe, wäre keine „freiheitliche“, sondern bestenfalls seine “ amputierte“, die zu einem neuartigen Totalitarismus tendieren würde. Ohne Herbert Fleissner und seine Verlage gäbe es für linke Leute keine Veranlassung, wieder und wieder aufrichtig empört oder ehrlich besorgt zu sein. Intellektuelle Gegensätze, öffentlich ausgetragene Differenzen sind jedoch die Lebensluft der Demokratie, welche alle Verabsolutierungen zurückweisen muß. Ohne eine Rechte, deren Stimme weithin hörbar ist, fehlte es auch jenen Linken an Orientierung, die sich gemäß großen Beispielen der Vergangenheit und ebenso der Gegenwart „nach rechts“ entwickeln. Ohne eine selbstbewußte Rechte könnte bloß noch ein besonders fragwürdiger Geisteszustand sich artikulieren, nämlich der Linkskonformismus. Und nur dem streitbaren Linken kann die überraschende Erfahrung zuteil werden, daß er unter den Autoren dieses rechten Verlegers gar nicht wenige erkennt, vor denen er den Hut ziehen muß: Willy Brandt, Nahum Goldmann, Rolf Hochhuth und andere. So sollten alle Intellektuellen, rechte und linke, für einen Augenblick den Streit ruhen lassen und demjenigen Mann ihre Glückwünsche aussprechen, ohne den die deutsche Demokratie nicht wäre, was sie im Augenblick noch ist – ein Miteinander von einigermaßen gleichstarken Gegnern, die sich bekämpfen, ohne einander vernichten zu wollen. Alle sollten, bevor sie die Degen wieder aus der Scheide ziehen, jenen „zwei Augen“ von Herzen wünschen, daß sie noch mindestens ein Jahrzehnt hindurch die große Szene überblicken und jener unentbehrlichen Strömung die Unterstützung geben können, deren sie und damit die „freiheitliche Demokratie“ in Deutschland bedarf. Ernst Nolte Von Prof. Dr. Ernst Nolte erschien zuletzt im Herbig Verlag „Der kausale Nexus – Revision und Revisionismus in der Geschichtswissenschaft“ (2002) Liebe zum Vaterland Zu Ihrem 75. Geburtstag meinen herzlichen Glückwunsch! Sie haben stets in führender Position mitgewirkt, daß Vaterlandsliebe und Treue zu Deutschland weiterhin großgeschrieben werden. Damit sind Sie gegen den Strom des Zeitgeistes geschwommen, der weiterhin droht, unsere nationale Substanz wegzuspülen. Hierzu bedarf es Mut und Rückgrat. Beides haben Sie bewiesen. Persönlich bin ich stolz darauf, in Ihrem Verlag mein Buch verlegt zu haben. Viele meiner Gedanken haben ein positives Echo gehabt und wurden von Politikern und Publizisten übernommen. So haben wir etwas Gemeinsames, auf das wir zurückblicken können. Vielleicht ergeben sich für die Zukunft weitere Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Es würde mich freuen. Ferdinand Fürst von Bismarck Von Ferdinand Fürst von Bismarck erschien zuletzt im Verlag Langen Müller die Autobiographie „‚Setzen wir Deutschland in den Sattel'“ (1998) Fernau läßt grüßen Ein Autor kann sich nicht besseres wünschen als einen Verleger, der außer seinem verlegerischen Können zusätzlich eine nur noch selten anzutreffende Qualität besitzt: Furchtlosigkeit, der nicht gleich vor dem erhobenen Zeigefinger der political correctness erstarrt, der nicht gleich zittert, wenn ein Literaturpapst indigniert die Braue hebt, der keine feuchten Hände bekommt, wenn der Zeitgeist wieder mal meint, empört sein zu müssen. Mein Mann, Joachim Fernau, der selbst ein mutiger Mann war, hatte das Glück, nach allerlei Enttäuschungen den mutigen Verleger zu finden, den er brauchte. In den mehr als zwanzig Jahren der Zusammenarbeit habe ich Dr. Fleissner bei all den Angriffen und Attacken, die ihm oder seinem Autor oder beiden galten, nie ängstlich erlebt. Mit einer Ausnahme: Das war 1971, zur „Cäsar läßt grüßen“-Zeit, als ich ihn in Florenz an seinem Hotel abholte und ihn im Cinquecento durch die Stadt zu uns nach Hause chauffierte. Aber auch diese Mutprobe, diesen Härtetest, hat er bestanden, denn unterwegs ausgestiegen ist er nicht. Nun wird er fünfundsiebzig. Was soll ich ihm wünschen? Wünsche gehen leider nicht immer in Erfüllung. Befehle sind da wirkungsvoller. Ich leihe mir einen von Karl Valentin gut formulierten aus: „Du bleibst da, und zwar sofort!“ Gabriele Fernau Von Gabriele Fernau erschien zuletzt im Herbig Verlag „Geschichten von Herr und Hund – Meine vierbeinigen Memoiren“ (1999) Was uns stärker macht Heute via JF – hoffentlich bald per-sönlich – alles Gute zum 75. Geburtstag. Motto: Was uns nicht umwirft, macht uns noch stärker. Herzlichst Ihr Peter Gauweiler Von Dr. Peter Gauweiler erschien zuletzt gemeinsam mit Christoph Stölzl im Verlag Langen Müller „Bayerische Profile“ (1995) Die Kraft des Alters Von Seneca, dem wir einige bemer-kenswerte Einsichten über das Alter verdanken, gibt es die hübsche Sentenz „Schwerer erwirken die Menschen von sich selbst den Ruhestand als vom Gesetz“. Sie dürfte auf wenige so zutreffen wie auf Herbert Fleissner. In einer Zeit, die nur verschämt von Senioren, von der dritten Lebenszeit etc. zu sprechen weiß, die Aktivität und Selbstverwirklichung auch jenseits des Rentenbezugs preist und gleichzeitig alles tut, um alle irgendwie jung zu erhalten, wirkt er ganz unbehelligt von derlei Erwägungen und leitet ein Unternehmen mit Umsicht und Tatkraft, die unter den Jüngeren ihresgleichen sucht. Es gibt dabei ohne Zweifel verschiedene Antriebsenergien, auch solche, die dem Außenstehenden verborgen bleiben, aber eine dürfte doch die politische Sorge sein. Sorge nicht verstanden im Sinne des Pessimismus, zu dem das Alter jedenfalls in früheren Zeiten geneigt haben soll, sondern im Sinne des Verantwortungsgefühls für das Schicksal des Vaterlands, der Patria. Ein Begriff, den wir auch den Römern verdanken, und von einem ihrer bedeutenden politischen Denker, Cicero, ist der Aphorismus überliefert: „Die Staaten werden stets von jungen Leuten ruiniert; gerettet und wieder aufgebaut aber von den Alten.“ Karlheinz Weißmann Von Dr. Karlheinz Weißmann erschien zuletzt im Herbig Verlag „Die preußische Dimension“ (2001) Tüchtig und integer Gerne und dankbar reihe ich mich ein in die Schar der Gratulanten zu Ihrem 75. Geburtstag. Seit Jahrzehnten kenne ich Sie, lieber Herr Fleissner, und schätze Sie als einen ungemein tüchtigen Unternehmer, einen mutigen und integren Mitbürger. Gäbe es mehr von Ihrer Unerschrockenheit, so könnte es sein, daß eines Tages Zivilcourage sogar in Mode käme. Bei dieser Gelegenheit ein Geständnis: Anläßlich der Entgegennahme des Franz Josef Strauß-Preises 2003 äußerte Roman Herzog: „Wir alle wissen, daß Franz Josef Strauß kein einfacher Zeitgenosse war. Wir wissen, wie umstritten er mitunter war. Aber wir wissen auch, daß er oft nur umstritten war, weil er klarer gesehen hat als andere, weil er Dinge früher gesehen hat als andere und weil er sie deutlicher ausgesprochen hat als andere – in einer Gesellschaft, in der doch viel weichgekocht wird.“ Als ich das hörte, dachte ich unwillkürlich, diese treffenden Worte könnten auch auf Sie, lieber Herr Fleissner, gemünzt sein. Bleiben Sie uns noch lange erhalten. Wir brauchen Sie. Konrad Löw Von Prof. Dr. Konrad Löw erschien zuletzt im Verlag Langen Müller „Der Mythos Marx und seine Macher – Wie aus Geschichten Geschichte wird“ (2001) Mut zum Riskanten Es gibt immer weniger Verleger in Deutschland. Erst recht sind intellektuell, politisch und wirtschaftlich unabhängige Verleger eine rare und geradezu vom Aussterben bedrohte Spezies. Sie, Herr Dr. Fleissner, haben unübersehbar Zeichen und Maßstäbe gesetzt für ein Programm, das bei aller betriebswirtschaftlichen Absicherung immer auch den Mut zum politisch Neuen und Riskanten hatte – etwa mit Autoren, die wie ich selbst aus der undogmatischen demokratischen Linken kommen. Mit dem Glückwunsch zu Ihrem Fünfundsiebzigsten verbinde ich daher meinen ganz persönlichen Dank für Ihr Lebenswerk. Es ist ein Leuchtturm inmitten der trüben Fluten eines geistlosen und freiheitsfeindlichen Ultraliberalismus. Bleiben Sie uns, was Sie sind. Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und noch viele Jahre, in denen Sie jenseits der Tageszwänge Anstöße geben können für die Verlage der Verlagsgruppe, aber auch für die gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes. Rolf Stolz Von Rolf Stolz erschien zuletzt im Herbig Verlag „Deutschland, deine Zuwanderer – Fakten und Analysen“ (2002) Urgestein Er ist Verleger mit sicherem Instinkt, aber auch prinzipientreuer Idealist und Bürger mit Zivilcourage, kurzum jemand, auf den das Modewort „Urgestein“ gut paßt. Fleissners Aufstieg vom bettelarmen Vertriebenen zu einem der größten deutschen Verleger war die Frucht der genannten Tugenden und eines Fleißes, den man auch Arbeitswut nennen könnte. Allerdings fehlte es auch nie an ideologisch motivierten Angriffen. Während sich Altkommunisten in allen möglichen Medien bis hin zur FAZ ungeniert tummeln und Gregor Gysi sogar um Medienstar aufstieg, wurde Fleissner wegen einiger konservativer Autoren wüst beschimpft. Zum Thema Ullstein resümierte der Focus (Nr.36/1996): „Die politische Gegenseite, allzeit bereit, den Anfängen zu wehren, begleitete dieser Entwicklung mit Zeter- und Mordio-Rufen. Ullstein streue ‚die Hervorbringungen alter und neuer Nazis unters Volk‘, klagte die Zeit und forderte ‚Stoppt Fleißner jetzt!‘; der Spiegel entdeckte eine ‚perfide Mischung aus bürgerlichem Gehabe und reaktionärem Gefuchtel‘; in der leicht tumben Wahrnehmung der Süddeutschen Zeitung wurde gar ‚braune Jauche‘ daraus.“ Noch im Jahr 1996 wurden zwölf unliebsame Ullstein-Mitarbeiter gefeuert, eine Reihe rechtsliberaler Autoren kaltgestellt und Tausende ihrer Bücher eingestampft. Fleissners Kommentar zu diesen totalitär anmutenden Säuberungspraktiken: „Eine moderne Form der Bücherverbrennung.“ Originellerweise war bei kaum einem deutschen Verleger so viel Liberalität in Form eines breit gefächerten Autorenspektrums vertreten wie bei Fleissner. Von Willy Brandt, Rolf Hochhuth und Karl Kraus reichte dieses Spektrum über Erfolgsautoren wie Gerhard Konzelmann und Joachim Fernau, über Paradiesvögel wie Franz Schönhuber und Klaus Rainer Röhl (Gatte von Ulrike Meinhof) bis hin zu Nahum Goldmann, Simon Wiesenthal und Ephraim Kishon. Befragt nach seinem Engagement für Vertriebene und Verfolgte ( Fleißner ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft), erklärte der Verleger in einem Interview mit der JUNGEN FREIHEIT (Nr.41/1994): „Das ist eine moralische Pflicht, die ich empfinde.“ Nicht dem Zeitgeist solle man opportunistisch nachlaufen, sondern seinen Grundsätzen treu bleiben. Das lohne sich letztlich sogar wirtschaftlich: „Wer dient, wird auch verdienen.“ Ohne Persönlichkeiten mit dem Idealismus und der Standfestigkeit eines Dr. Fleissner würde nicht nur unsere Publizistik, sondern auch unsere Demokratie langsam aber sicher verkümmern. Heinz Nawratil Von Dr. Heinz Nawratil erschien zuletzt im Universitas Verlag „Der Kult mit der Schuld – Geschichte im Unterbewußtsein“ (2002) Kritische Distanz Herbert Fleissner hat den Mut, sich auch in der heutigen Zeit zum Konservatismus zu bekennen. Bei ihm ist konservatives Denken in einer von dialektischen Strukturen gezeichneten Welt eine notwendige Weise des Denkens zwischen Revolution und Reaktion, Freiheit und Ordnung, Individuum und Staat. Und weil er nicht an das Paradies auf Erden glaubt, ist Herbert Fleissner mißtrauisch gegenüber perfekten Programmen, die von einer absoluten Wahrheit ausgehen. Aus dieser Haltung heraus rührt sicher auch die kritische Distanz, die er sich gegenüber seiner eigenen Person bewahrt hat und die ihn unabhängig macht und gefeit hat gegen Utopien und Heilslehren jedweder Art. Joachim Schäfer Von Joachim Schäfer erschien zuletzt im Universitas Verlag „Keine Experimente – Europäische Fallstricke. Stimme der Mehrheit“ (2000) Verleger aus Überzeugung Sie sind rar geworden, die Verleger, deren Überzeugung sich mit einem Programm verbindet. Die nicht der Beliebigkeit des Business erliegen. Die mit Mut und Standfestigkeit, unbeirrt vom aufgeregten Zeitgeist, den für richtig erkannten Werten eine Heimat bewahren. Dafür steht ein Name: Dr. Herbert Fleissner. Unangepaßt trotzt er dem Schweigegebot, das die Gouvernanten der Politischen Korrektheit über dieses Land verhängten, verschafft er auch jenen Gedanken öffentliches Gehör, die nicht auf den gutmenschlichen Debattenkanon eingestimmt sind. Darum verbindet sich mit dem Glückwunsch auch Dank. Ohne die Verlegerpersönlichkeit Herbert Fleissners wäre die Verlustliste der Meinungsfreiheit in Deutschland noch umfassender, als es heute bereits der Fall ist. Klaus J. Groth Von Klaus J. Groth erschien zuletzt im Langen Müller Verlag „Glück ist machbar – Die Praxis des positiven Denkens“ (2000) Er ist ein Altösterreicher Herbert Fleissner begreift Politik und Publizistik als die Kunst des Möglichen Die Republik Österreich kokettiert zwar gerne mit dem Erbe des alten, des eigentlichen Österreich, ist sich aber leider Gottes nicht immer bewußt, wie sehr dieses Österreich geprägt war durch die Sudetendeutschen und wie viel es ihnen dankt. Nun ist Eger, die Geburtsstadt Herbert Fleissners, mit ihrer Barbarossa-Burg, der Krone Böhmen im Mittelalter nur verpfändet – und bis heute nicht ausgelöst worden. Wir wollen es uns dennoch zur Ehre anrechnen, Fleissner in diesem Sinne als einen Alt-Österreicher zu vereinnahmen. Fleissner war knapp siebzehn Jahre, als nach Kriegsende die Vertreibung aus der alten Heimat erfolgte, bald darauf der Eiserne Vorhang wenige Meilen westlich seiner Vaterstadt niederging. Die Verbindung mit Österreich blieb erhalten: Fleissner studiert in Innsbruck (er wird später auch ein Anwesen erwerben in einem weiteren Stück „Alt-Österreich“, nämlich Südtirol), und er arbeitet mit dem letzten Überlebenden des altösterreichischen Reichsrats zusammen, Rudolf Lodgman von Auen, dem Sprecher der sudetendeutschen Landsmannschaft. Sein lebenslanges Engagement für seine Landsleute findet mit der Adalbert-Stifter-Medaille, 1994 schließlich mit dem großen Kulturpreis in Nürnberg seine verdiente Würdigung. Fleissner, der seit 1952 in München lebt, gründet bald danach seinen ersten Verlag, verschafft sich mit Amalthea auch ein Standbein in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, mit Herbig in Berlin. Seine Langen-Müller-Gruppe vereint Autoren wie z.B. Ephraim Kishon und Joachim Fernau, die ganz verschiedener Herkunft sind, jedoch eines gemeinsam haben: Sie stellen dem linken Zeitgeist der „Achtundsechziger“, die damals gerade in Mode kommen, nicht blinde Wut und sture Rechthaberei entgegen, sondern feine Ironie und überlegene Gelassenheit. Dasselbe Augenmaß kennzeichnet Fleissner: Er übernimmt 1984 auch die Leitung der Buchverlage der Springer-Gruppe (Ullstein/Propyläen), die unter seiner Leitung erfolgreich ist, weil eben nicht einseitig. Was danach kommt, ist eine Realsatire auf das angeblich so rationale Wirtschaftsleben. Weil Springers Erben nicht sein Format, seine Konzernmanager nicht seine Courage haben, nimmt die neue Führung alle möglichen Verluste in Kauf, um dem Verdacht politisch inkorrekter Partnerschaften (wie z.B. mit Cheflektor Rainer Zitelmann) zu entgehen. Das Theater um Weißmanns Geschichte des Dritten Reiches („Der Weg in den Abgrund“), ein Bestseller auf dem Historienmarkt, den Propyläen einstampfen läßt, dem Autor viel Geld zahlen muß und den Fleissner dann aufs neue anderswo herausbringt, ist ein Histörchen um die Historie, das allein schon geeignet ist, homerisches Gelächter hervorzurufen, sollte in deutschen Landen je vom shareholder value die Rede sein. Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens, heißt es bei Schiller. Auch Fleissner handelt nach der Devise: Der Klügere gibt nach. 1996 wird die Partnerschaft mit Springer aufgelöst. Fleissners Gruppe bleibt eigenständig, mit Verlagen, die ein breites inhaltliches Spektrum abdecken, aber stets auch dem nonkonformistischen historisch-politischen Buch seine Chance einräumen. In Wien, wo auch zwei seiner Söhne tätig sind, treffen einander in Fleissners Empfangsräumen Staatsoberhäupter, die es waren und die es sein sollten: Kurt Waldheim und Otto von Habsburg, ein weiterer Alt-Österreicher mit Wohnsitz in Bayern, zählen zu den Autoren. Fleissner als Alter Herr der Innsbrucker Burschenschaft Suevia ist im Establishment der bürgerlichen Seite gut verankert. Sein Rat wird gehört – manchmal auch erst zu spät, wie es uns allen passiert. Sein Zugang, die Dinge ohne falsches Pathos und Selbstmitleid, aber auch ohne vorauseilenden Gehorsam und falsche Demutsgesten anzugehen, zwischen der Trau-mich-nicht-Stimmung der einen und der Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Geifer der anderen den goldenen Mittelweg zu finden, Politik und Publizistik als die Kunst des Möglichen zu begreifen, ist im nationalen und konservativen Lager leider viel zu selten anzutreffen. In diesem Sinne, zu unser aller Nutz und Frommen, nicht zuletzt auch zur Erbauung und zum Amusement: Ad multos annos! Lothar Höbelt Von Prof. Dr. Lothar Höbelt erschien zuletzt im Universitas Verlag die „Republik im Wandel – Die große Koalition und der Aufstieg der Haider-FPÖ“ (1998)

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