Ja und nein zum Klonen

Feige und opportunistisch ist diese Regierung durchgängig. Daher handelt Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nur konsequent, wenn sie auch biopolitisch nie richtig Flagge zeigt – weder so noch so. Es könnte ja sein, daß die Biotechnologie – trotz augenblicklicher Flaute auch dort – noch einmal richtig Arbeitsplätze schafft und damit auch Wählerstimmen. Und dagegen zählen ethische Argumente genausowenig wie ökologische oder kulturelle. Ansonsten ist Frau Bulmahn immer um das Wohl des Menschen bemüht und will die Lebensschützer auch nicht endgültig vergrätzen. So etwa ließe sich die theoretisch unausgereifte, aber sehr praktikable Haltung der rot-grünen Mitte zusammenfassen. Da faßt der Bundestag vor drei Monaten einen Beschluß gegen jede Form von Klonen beim Menschen. Und jetzt beruft Bulmahn rund 50 Wissenschaftler zu einer „Klonkonferenz“ nach Berlin, um noch einmal gründlich und fachmännisch zu beraten. Was ist in den drei Monaten passiert? In der Forschung ist das passiert, was man sich nach der himmelschreiend heuchlerischen Stammzell-Entscheidung schon denken konnte: Der Bonner Hirnforscher Oliver Brüstle und andere haben Blut geleckt und erklären nun, daß sie zwar endlich hätten beginnen können, aber ohne Klonen nicht weiterkämen. Und in der Wirtschaft ist passiert, daß jeder noch so kleine Strohhalm optisch zum Rettungsanker wird. Mit Hilfe neuer Experten – als ob vor der Bundestagsabstimmung keine gehört worden wären – soll also ein Hintertürchen wenigstens zum therapeutischen Klonen geöffnet werden. Es wiederholt sich das aus der Steuer- und Rentenpolitik bekannte planlose Hin und Her. Kaum hat der Bundeskanzler seinen Nationalen Ethikrat mit tendenziell fortschrittlichen Leuten besetzt, tritt das Konkurrenzgremium „Ethik und Recht der modernen Medizin“ mit gegenteiligen Vorstellungen auf. Sich nur nicht festlegen lassen. Und immer nach den Umfragen schielen. In einer Studie der Universität von Michigan, USA, ist bezüglich der Genforschung ein erschreckendes Defizit an Information festgestellt worden. Gen-Pisa zeigt, daß die Leute heute nicht mehr, sondern weniger wissen als vor zehn Jahren – offenbar weil sie durch die Berichterstattung verwirrt wurden und sogar das vergaßen, was man in der Schule über Chromosomen lernt. Sich auf eine orientierungslose Öffentlichkeit hin zu orientieren, verlangt dem Politiker schon ein Höchstmaß an Anpassungsvermögen ab. Gut, daß daran kein Mangel ist.

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