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Architektur im Wandel

Seit 1968 erscheint Arch+, die „Zeitschrift für Architektur und Städtebau“. Das Datum war gewiß keine Zufall, denn es ging der Redaktion von Anfang an nicht nur um eine neue Verbindung von Entwurf und Bauen und von Entwerfer und Nutzer, sondern vor allem um ein gesellschaftliches Konzept der Individualisierung, der Verheißung eines eigenen Lebens schlechthin. 35 Jahre später fordert die junge Generation von Architekten und Städteplanern wiederum einen „Neuen Pragmatismus“, der den alten theoretischen Ballast der Semiotik, der Kritischen Theorie, des französischen Strukturalismus usw. abwirft, um sich unbelasteter auf eine sich ständig ändernde Realität der metropolitanen Visionen einzulassen. Die vierteljährlich erscheinenden Hefte (mit einer Doppelnummer) konfrontieren ihre Leser mit Projekten und Fragen, die im Zeitalter der Medienarchitektur durchaus legitim sind: Kann man auf die kunterbunte Welt der Bilderräume die herkömmlichen architekturtheoretischen Kategorien überhaupt noch anwenden? Tritt Architektur nicht vielmehr heute in den Schatten und fungiert als Hintergrund für multimediale Figuren? Wird mit der neuen „Hyperstilisierung light“ nicht die allmähliche Verdrängung des Qualitativen betrieben? Müssen Architekten, wenn sie die neue Welt des springenden Universums mit seiner Dynamik darstellen wollen, neue Sprachen suchen oder bestehende Sprachen weiterentwickeln? Wird sich die Architektur in der Zukunft dematerialisieren und in ein Zeitalter nicht des Soliden treten, sondern unbestimmter, anpassungsfähiger Strukturen, die auf Veränderungen der Umwelt und der Bedürfnisse ihrer Benutzer reagieren? Arch+ berichtet jedoch auch über Ausstellungen, Tagungen, Wettbewerbe, Neuerscheinungen und darüber, was gerade in der Architektur- und Kunstszene in Shanghai, Graz und Rio los ist. Die Zeitschrift pflegt einen Austausch mit den Sozial- und Naturwissenschaften, mit Kunst, Philosophie und Ökonomie, von deren artfremden Impulsen die Architektur heute profitiert. In der Rubrik „Kritik“, einem Diskussionsforum in eigener Sache, werden (architektur)politische Themen und Fragen behandelt, das Ungenügen einer begriffslosen Praxis artikuliert, aber auch die Einbindung der Architekturdebatte in das urbanistische Problemfeld und die programmatische Herangehensweise an sich ändernde Bauaufgaben debattiert. Jede Ausgabe verfolgt ein eigenes Thema, das den Schwerpunkt des Heftes ausmacht, sei es „Architektur natürlich“, „Solare Architektur“, „Das vernetzte Haus“ oder „Kommende Transparenz“. In der aktuellen Ausgabe geht es um „das Arsenal der Architektur“, wozu Alexander Kluge in einem Gespräch mit der Redaktion auch die „moderne Kriegsführung“ zählt. Städte müßten heute aus der Logik des Krieges heraus nicht mehr unbedingt erobert werden, man könne sie auch „infrastrukturell kontrollieren“. Dagegen behauptet Herfried Münkler, daß die neuen Kriege den Unterschied zwischen Innen und Außen „einebnen“. Eine spannende Debatte. Adresse: Arch+ Verlag, Charlottenstr. 14, 52070 Aachen. Das Einzelheft kostet 14 Euro, das Jahresabo 49 Euro.

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