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Vettel und die Moral: Kaisers Royaler Wochenrückblick

Vettel und die Moral: Kaisers Royaler Wochenrückblick

Vettel und die Moral: Kaisers Royaler Wochenrückblick

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Vettel und die Moral
 

Kaisers Royaler Wochenrückblick

Sebastian Vettel, das lustige grüne Gewissen der Formel-1, hat seine Rennfahrer Karriere beendet. Angeblich aus Liebe zu seiner Familie. Vettel sagt, er wolle mehr Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern verbringen. Das klingt so schön und so gut. Wie alles, was der nette Mann aus dem trauten Heppenheim sagt. Der vierfache Weltmeister steht seinem deutschen Vorgänger Michael Schuhmacher noch in einigem nach. Nicht aber in der Selbstvermarktung. Der Formel-1-Pilot hat stets darauf geachtet, daß er gut ankommt – vor allem bei den Medien. Wo diese in der Regel politisch stehen, wußte der 35jährige immer genau.

So gab er sich auch trotz seines Berufes bei jeder sich bietenden Gelegenheit umweltfreundlich und klimabewußt. Er mußte sich bei dieser Heuchelei vermutlich nicht einmal sonderlich verstellen – wie viele Mitglieder seiner Generation, die zwar gerne alle Annehmlichkeiten der modernen Welt genießen, sich dabei aber über alle erheben, die diese Annehmlichkeiten für sie geschaffen haben. Was Langstrecken-Luisa für die „Fridas for Future“-Bubble auf Instagram ist, war der rasende Freund des Tempolimits für die Formel-1-Welt. Ob Vettel in Zukunft noch Zeit finden wird, sich neben Frau und Kindern auch noch um die Klimarettung zu kümmern, bleibt vorerst offen. Sicher ist aber: Er wird in jedem Fall weiterhin so tun.

Von Corona in den Kryptokommunismus

Erst kommt die Moral, dann kommt das Fressen. Mit diesem abgewandelten Brecht-Zitat läßt sich der gegenwärtige Zeitgeist im politischen und gesellschaftlichen Establishment wohl am treffendsten beschreiben. Vorausgesetzt, man ist sich bewußt, daß jene, die dieses Credo predigen, damit die eigene Moral und das Fressen der Anderen meinen. Der Baden-Württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat dieser Tage das Energiesparen von Strom und Brennstoffen zur ersten Bürgerpflicht erklärt.

Den von ihm verpflichteten Bürgern stellt er dafür ein „Energiesparbüchle“ in Aussicht, das er durch Bezirksschornsteinfegermeister, Sanitär-, Heizungs- und Klima-Betriebe verteilen lassen will. Dem grünen Kryptokommunisten kommt bei seinem autoritären Größenwahn sein schwäbischer Sprachschatz zugute. „Energiesparbüchle“ klingt natürlich viel netter als das rot-chinesische „Sozialkredit-System“. Der totalitäre Geist dahinter ist aber ein ganz ähnlicher.

Auch der Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößtem Immobilienkonzern LEG Immobilien, Lars von Lackum, erwartet daß der Plebs sich gefälligst einschränken möge. Der Manager fordert die Mieterinnen und Mieter in Deutschland zum Wärmeverzicht in ihren Wohnungen auf.

Das Volk scheint sich an solchen Anweisungen von oben inzwischen gewöhnt zu haben. Viele lechzen nach der erzieherischen Knute „zum eigenen Besten“ gar regelrecht. Eine Umfrage des Spiegels hat jüngst ergeben, daß sich eine Mehrheit der deutschen in der Energiekrise für ein vorübergehendes Tempolimit auf Autobahnen ausspricht. Diese Sehnsucht, nach einer Obrigkeit, die einem stets sagt, was man wann wie tun soll, kann man mit Fug und Recht als Corona-Effekt beschreiben. Wenngleich sie bei den meisten wohl nicht erst in den letzten rund zweieinhalb Jahren aufgekeimt sein dürfte, ist sie in dieser Zeit doch von den Mächtigen zumindest so gut bewässert worden, daß sie dadurch aufgeblüht ist wie selten zuvor.

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