Mitläufer und Demonstranten

Im modernen Propagandasprech sind Gut und Böse klar verteilt: Geht’s gegen Atomkraft, „Rechts“, „Rassismus“ oder Bahnhofsneubauten, wird demonstriert; was sich der schönen bunten Multikulti-Öko-Welt entgegenstellt, ist dagegen ein „Aufmarsch“, und wer da mittut, ist kein Demonstrant, sondern ein „Mitläufer“.

Selbst das „Bürger“-Sein soll verwirkt haben, wer auf der falschen Seite steht, wenn es nach denen geht, die das widersinnige Begriffspaar „selbsternannte Bürgerinitiative“ erfunden haben – liebe Leute, merkt euch: Eine Bürgerinitiative ist immer „selbsternannt“, denn bräuchte sie die vorherige Genehmigung oder Ernennung durch eine Obrigkeit, wäre sie keine Initiative von Bürgern mehr, und sei ihre Zahl auch noch so klein.

Wenn das mal nicht nach hinten losgeht

Die denunziatorische Wortwahl hat natürlich Methode: „Mitläufer“ assoziiert sofort den kleinen Opportunisten, der im NS-Regime die Klappe gehalten, der Staatsideologie Reverenz erwiesen und Karriere gemacht hat; und „Aufmärsche“ sind auch nix Demokratisches, das kennt man ja von den Diktatoren, die das Volk mit mehr oder minder sanftem Zwang zum Jubeln bestellen. Haha, feixt es in den Redaktionsstuben und Organisationsbüros der staatlich bezuschußten Zivilcouragierten, da haben wir denen aber ganz elegant und hinterrücks ein bißchen braunen Dreck angeklebt.

Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Das Demonstrationsrecht ist in freiheitlicher Tradition immer noch, übrigens auch im Sinne des Grundgesetzes, ein Freiheitsrecht der Bürger gegenüber den Mächtigen. Wenn Politiker „demonstrieren“, stinkt etwas. Echter Demonstrant ist, wer aus eigenem Antrieb gegen staatliche und halbstaatliche Obrigkeiten aufsteht. Der darf auch „Wir sind das Volk!“ rufen, selbst wenn zu den Staatsdemos der Obrigkeiten regelmäßig mehr Teilnehmer mobilisiert werden. War übrigens am 7. Oktober 1989 bei Erich Honeckers letzter Parade zum 40. Gründungstag der „DDR“ auch so.

Handgelder für Teilnehmer und abgeordnete Schulklassen

Vielleicht liest sich das noch ein Vierteljahrhundert später ja mal so: Zunehmend irritiert von anhaltenden Demonstrationen gegen Medienmanipulationen, Bevormundung und Islamisierung, ließ die politisch-mediale Klasse der Spätbundesrepublik über verdeckt staatsfinanzierte Vorfeldorganisationen in immer rascherer Folge Aufmärsche organisieren, um die Bürgerproteste einzudämmen. Wohlwollend geduldete paramilitärische Schlägertruppen wurden durch mediale Verharmlosung und heimliche Zuwendungen ermuntert, die Protestierer auch handgreiflich einzuschüchtern.

Von Staatsgeld abhängige Vereine, Parteien, Kultur- und Bildungseinrichtungen und selbst öffentliche Amtsträger mobilisierten in sogenannten „breiten Bündnissen“ für die Aufmärsche. Verschiedentlich sollen sogar Handgelder gezahlt worden sein. Auftritte mittelmäßiger, aber im Medienbetrieb fest verankerter Staatskünstler gaben den Politikeransprachen ein attraktiveres Umfeld. Es sind Fälle bekannt, daß ganze Schulklassen zum Schwenken von Winkelementen mit vorbereiteten Parolen abgeordnet wurden.

Aber natürlich, viele marschieren auch mit, weil sie die unaufhörlich auf sie einrieselnden einfachen Parolen von „Buntheit“ und „Weltoffenheit“ ehrlich glauben. Oder glauben, daran zu glauben. Soll man die dann „Mitläufer“ nennen?

 

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