Joachim Kuhs

 

Der Wille zur Macht – Erster Teil

Die Geschichte wird von Kämpfen um Macht beherrscht. Von einem gewissen Standpunkt aus könnte man sogar sagen, Geschichte ist nichts anderes als ein Kampf um Macht. Jeder kämpft um etwas, über das er Macht erlangen will. Der eine kämpft um Haus mit Hof und hundert Morgen Land dazu. Die andere darum, in eben jenes Haus als Braut geführt zu werden. Und hat man erst einmal Macht über etwas erlangt, so braucht man stets etwas mehr an Macht, um diese auch zu sichern.

Irgendwann sind aber die meisten Menschen befriedigt. Sind zu den hundert Morgen Land weitere tausend und ist zu der Ehefrau noch eine Geliebte gekommen, so fängt das Leben langsam an, kompliziert und unübersichtlich zu werden. Sie beschränken sich daher auf einen bestimmten Bereich, in dessen Grenzen sie versuchen, ihr Leben zu führen. Es gibt aber Menschen, die nicht aufhören, die keine Grenzen akzeptieren können. Jeder Machtzuwachs ist nur ein Ansporn, noch mehr Macht zu gewinnen.

Politiker muß man erst werden

Diese Menschen nennt man Politiker. Nicht derjenige, der sich in den Gemeinderat wählen läßt, weil er sich über die Gebührenhöhe der Müllabfuhr ärgert, oder weil er eine Umgehungsstraße durchsetzen will. Auch nicht derjenige, der es leid ist, seinen Anti-Atomkraft-Protest nur bei irgendwelchen Sitzblockaden zum Ausdruck zu bringen. Das alles sind noch keine Politiker im hier beschriebenen Sinne. Denn solche Menschen werden auf ihrem Weg zu den Schaltstellen der Macht nicht weit kommen.

Politiker im hier beschriebenen Sinne müssen diejenigen erst werden. Der eine wird vielleicht feststellen, daß die Gebührenhöhe angemessen ist – zumindest für ihn, als er zur richtigen Zeit die Hand aufgehalten hat. Der andere, daß es um einiges besser ist, wenn sein Hintern auf einem Abgeordnetensessel mit entsprechenden Vergünstigungen ruht – und nicht auf dem kalten Asphalt. Dann erst sind sie Politiker im hier beschriebenen Sinne. Denn sie brauchen Macht. Und sie brauchen mehr Macht, um diese zu sichern.

Um an Macht zu gelangen, braucht ein Politiker ein Amt. Für dieses Amt braucht er jemanden, der ihn als Kandidaten aufstellt. Das ist für gewöhnlich ein anderer Politiker. Der will auch an Macht gelangen, der will auch ein Amt haben. So sind sie gezwungen, ihre Bedürfnisse miteinander abzustimmen. Wer bekommt welches Amt? Und wer bekommt welches andere Amt zur Belohnung? Die Organisationsform, in der dieses gegenseitige Abstimmen von Machtinteressen geschieht, nennt man eine Partei.

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