Steinbrücks Handschrift

„Manchmal ist Kavallerie besser als Diplomatie.“ Mit solchen Sätzen will SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Wahlkampf punkten. Das Besondere dabei: Er tippt seine Aussagen nicht ein, sondern legt sie handschriftlich nieder – und läßt sie ausgerechnet auf Facebook veröffentlichen; in einem Medium also, in dem es eigentlich vorrangig ums Klicken und Tippen geht. In der Regel ist niemand so umständlich, daß er seine Notizzettel erst ablichtet und dann in Facebook stellt. Das fällt auf.

Nur ein netter Hingucker

„P.S. kurz notiert“ wirkt außerdem volksnah, echt und glaubwürdig. Handschriftliche Notizen als Wahlkampfmittel einzusetzen, könnte insofern zunächst als kluger Schachzug gelten. Zu fast allen Schriftstücken haben Steinbrücks Facebook-Leser über 1.000 Kommentare geschrieben, obwohl die Inhalte meist platt sind, etwa: „Wir brauchen das Bündnis der Starken mit den Schwachen, damit es uns allen gut geht.“ Umverteilungspolitik bleibt eben Umverteilungspolitik, auch wenn sie mit Tinte gefordert wird.

Die erste Mißlichkeit ist also, daß die SPD inhaltlich schwache Aussagen des Kanzlerkandidaten – etwa die falsche Voraussage, daß Borussia Dortmund bei Real Madrid ein Tor schießen wird – mit der Handschrift adeln will. Es geht also bloß um einen netten Hingucker, der letztlich die Erwartungen enttäuscht.

Egozentrisches Schriftbild

Es gibt jedoch noch ein weiteres Problem. Mit seiner Handschrift gibt Steinbrück mehr preis, als ihm möglicherweise lieb ist. Auf das Geschriebene setzte die Bild-Zeitung nämlich sogleich einen Graphologen an. Der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Graphologen, Dr. Helmut Ploog, schrieb in seinem Gutachten: „Seine Handschrift ist druckstark und nach links geneigt. Grundsätzlich ist er ein offener Mensch, direkt, eher weniger diplomatisch. Er versucht, den Eindruck von Stärke und Belastbarkeit zu vermitteln, was nicht immer voll gelingt.“

An anderer Stelle, an der es um die Schrift Wladimir Putins ging, hat sich Ploog deutlicher über die Bedeutung einer linksgeneigten Schrift geäußert: „Dinge, die in der Schrift nach links weisen, zeigen zum Ich. Typisch für Menschen, die egozentrisch und sehr auf den eigenen Vorteil bedacht sind.“ So kennen wir unseren Problem-Peer, der für seine Honorar-Millionen auch Bundestagssitzungen schwänzt. Wenn Steinbrück also sagt, „Wir brauchen mehr WIR, weniger ICH, deshalb möchte ich Bundeskanzler werden“, dann straft ihn seine eigene Handschrift Lügen.

 

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