Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

„Political Correctness ist super“

Es ist schon ganz schön schlimm, wenn der WHM (weißer, heterosexueller Mann) das N-Wort (Neger) benutzt, etwas als „schwul“ bezeichnet und seinen weiblichen Mitbürger_innen nebenbei auch noch dümmliche Komplimente über ihre Oberweite macht, oder?

Nicht? Das sehen andere anders. „Die Wahrheit ist: Political Correctness ist super, weil sie dazu führt, daß weniger Leute diskriminiert werden. Das führt zu einem besseren und angenehmeren Zusammenleben für alle und macht die Welt zu einem besseren Ort. So einfach ist das. Darum ist jeder, der das N-Wort verteidigt, rassistisch. So einfach ist das. Jeder, der ‘schwul’ als Schimpfwort benutzt, ist homophob. So einfach ist das.“

Und, auch damit nicht einverstanden? Na dann kann es nur bedeuten, daß Sie vermutlich selbst ein WHM sind, der einfach nur zu dumm ist, eine solch erleuchtete Sprache wirklich zu verstehen. Oder vielleicht sind Sie einfach nur ein schlechter Mensch. Ja, pauschal gesehen ein „Arsch“, wie solche Leute in diesem Beitrag auf dem linken Internetportal Kleinerdrei genannt werden: „Jeder, der sich gegen Political Correctness stellt und darauf beharrt, ist für mich erstmal ein Arsch – bis zum Beweis des Gegenteils. Weil nur Ärsche nicht an einem friedlicherem Zusammenleben interessiert sind.“

Manche Menschen wollen ganz bewußt „Ärsche“ sein

Ja, genau, da hat der Autor dieses großartigen Artikels, „Daniel“, recht: Wer nicht in das System des gegenseitigen, politisch korrekten „Arschkriechens“ paßt, der muß dann wohl selbst ein „Arsch“ sein.

Nun, im Gegensatz zu „Daniel“, der „derzeit in Paris lebt und vergleichende Literaturwissenschaft studiert” und „nebenbei vor allem Lyrik schreibt”, wollen manche Menschen ganz bewußt „Ärsche“ sein. Nicht weil sie unbedingt intolerante Menschenhasser sind, sondern weil sie diese Art der Korrektur in einer gleichgeschalteten PC-Gesellschaft als ihre Aufgabe ansehen.

Es mag für viele heute unverständlich sein, daß man durchaus einen Menschen akzeptieren, sein Handeln aber gleichzeitig verurteilen und kritisieren kann. Was in der Erziehung und für den Einzelnen gilt, gilt natürlich auch in Bezug auf Gruppen. Und da gibt es manche, die Dank der vielfältigen PC-Karten nie für ihr Verhalten zur Verantwortung gezogen werden.

Selbsternannte Erzieher der Nation

Solche selbsternannten Erzieher der Nation, wie „Daniel“, propagieren natürlich genau diese Kunst: Sie lehren, wie man am besten seinen Willen durchbekommt und wie man sich alles erlauben kann, ohne dafür auch nur die geringsten Konsequenzen tragen zu müssen.

Und zu dieser Methode gehört eben auch das Verdrehen der Tatsachen: In seinem Artikel malt „Daniel“ das Bild des bockigen Kindes auf (sprich des weißen, heterosexuellen Mannes) und wie sich dieser angeblich verhält, wenn er sich nicht mehr der „diskriminierenden“ Sprache bedienen darf: „Dann wirft sich der WHM an der Kasse des Sprachsupermarktes auf den Boden und brüllt, weil er sich das N-Wort nicht mitnehmen oder ‚schwul’ nicht als Schimpfwort benutzen darf. Und sie schimpfen auf all die, die sie dafür zur Rechenschaft ziehen.“

Und als erzieherische Lösung bietet er schließlich an: „Den lassen wir erst einmal schreien, bis er sich beruhigt hat – danach erklären wir ihm, warum manche Wörter einfach schlecht für ihn sind. Ich bin mir sicher, daß er es dann verstehen wird.“

Schön und gut, doch das erste Prinzip der Erziehung lautet, tue was Du sagst, und sage was Du tust. Keiner glaubt einem Heuchler, der andere belehren will, nicht so rumzubocken, der aber selbst beleidigt losheult, nur weil ihm die Wirklichkeit nicht politisch korrekt genug ist.

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