Das Gefallenen-Gedenken der Recondo Vets

Am 11. Mai hat der Motorradclub „Recondo Vets“ den fünften „Memorial Run“, ein Motorradkorso als inoffizielles Gefallenengedenken, in Berlin durchgeführt. Die „Recondo Vets“ bezeichnen sich als „Military Biker Club“, also eine Gruppe von Soldaten – hauptsächlich Veteranen. Mitveranstalter war der Bund Deutscher Veteranen (BDV), Motorradclubs von ehemaligen Soldaten aus den Niederlanden, Dänemark und Schweden haben das Gedenken begleitet. Die Fahrt ging vom stillgelegten Flughafen Tempelhof bis zum Ehrenmal der Bundeswehr vor dem Bendlerblock, dem Berliner Sitz des Bundesverteidigungsministeriums.

Das alles, während im Bundestag eine Arbeitsgruppe über einen angemessenen Ort für Gefallenendenkmale diskutiert und Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière laut darüber nachdenkt, ein Gefallenengedenken irgendwie noch am Tag der deutschen Einheit unterzubringen. Und während diese Debatten so vor sich hin plätschern, haben die „Recondo Vets“ bereits die fünfte Gedenkveranstaltung seit 2009 auf die Beine gestellt.

Den „Recondos“ gebührt dafür Dank und Anerkennung. Nicht nur für die Ehrung der Gefallenen, sondern auch für ihre Präsenz. Dafür, daß sie laut, deutlich und völlig friedlich auf die Existenz von traumatisierten, versehrten und gefallenen Soldaten im Jahre 2013 hinweisen.

Einen guten und wichtigen Dienst erwiesen

Dabei ist irrelevant, ob die Einsätze gut oder schlecht begründet, richtig oder falsch, von hoher oder niedriger Intensität waren. Entscheidend ist, daß sie in ihrer Eigenschaft als deutsche Soldaten in der Bundeswehr gedient haben – ihnen haben die Motorradfahrer einen guten und wichtigen Dienst erwiesen.

Das haben sie als Motorradclub getan, inklusive ihrer „Kutten“, Sonnenbrillen und „Räuberzivil“ (einer Mischung aus ziviler Bekleidung und Uniformteilen). Das muß nicht jedem gefallen. Allerdings hat Andreas Timmermann-Levanas, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Veteranen, in einer lesenswerten Leser-Diskussion des sicherheitspolitischen Blogs „Augen Geradeaus“ darauf hingewiesen, daß sie das Verteidigungsministerium, den Bundeswehr- und den Reservistenverband über die Veranstaltung informiert, jedoch keine Vertreter dieser Institutionen persönlich eingeladen haben. „Unsere Zielsetzung war eine Motorradgedenkfahrt, kein Neujahrsempfang oder Parlamentarischer Abend“, schreibt Timmermann-Levanas.

Es war damit nicht ihr Anspruch, ein staatlich organisiertes Gedenken zu ersetzen, die Aktion des Motorradclubs an einem solchen zu messen, wäre also unfair. Ebenso unfair wäre es allerdings auch, den Offiziellen vom Ministerium, Bundeswehr und Verbänden vorzuwerfen, sich nicht an dieser Veranstaltung beteiligt zu haben. Man kann weder vom Verteidigungsminister, von Staatssekretären oder von hochrangigen Offizieren im Dienstanzug verlangen, sich bei den bewußt unbürgerlich auftretenden „Bikern“ einzureihen. Sie würden dort weder den Staat noch die Bundeswehr angemessen repräsentieren.

Der Umstand, daß die Bundesrepublik sich mit einem offiziellen und institutionalisierten Gedenken für die Gefallenen der Bundeswehr so schwer tut, ist allerdings ebenso unangemessen. Es bleibt zu hoffen, daß sich das bald ändert.

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