Über die Militanz der Antimilitaristen

Hin und wieder müssen wir mit einigem Kopfschütteln in den Nachrichten lesen, daß ein paar Antimilitaristen Bundeswehr-Fahrzeuge angezündet haben. Reichlich Geschichtchen dazu findet der interessierte Leser im Maulheldenportal linksunten.indymedia.org: „Der Krieg beginnt hier – auch in Deiner Stadt“, heißt es dort. Es geht um einen Auftritt der Big Band der Bundeswehr. In Oldenburg. „Antimilitarist_innen haben Protest gegen dieses zynische Schauspiel angekündigt“, heißt es weiter, „auch in Deiner Stadt tritt die Bundeswehr an Schulen, Unis, Jobcentern auf Messen und Stadtfesten auf.“

Und dann verlinkt die Autorin auf ein Schreiben der Bundesregierung, in dem alle öffentlichen Auftritte der Bundeswehr bekannt gegeben werden. Dieses Schreiben ist die offizielle Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei, die genau diese Informationen eingefordert hat. Als Oppositionspartei hat die Linke das Recht dazu, und die Bundesregierung muß korrekte Informationen abliefern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und einen indirekten Aufruf zur Gewalt vermutet.

Mehr als einfache Brandanschläge oder bestenfalls Farbangriffe und Beschimpfungen kommt bei solchen Aufrufen jedoch nicht heraus. Eine Schande ist das! Denn, das muß ich Ihnen jetzt gestehen, ich bin auch ein gewaltbereiter Antimilitarist. Wirklich wahr! Jedenfalls im Geiste. Und als solcher richte ich mich an meine antimilitaristischen Kameraden von der Indymedia-Front:

Den Krieg gegen den Krieg gewinnen

„Meine lieben Freunde,

unser Krieg gegen den Krieg wird der letzte aller Kriege sein, unser Sieg ist gewiß, unser Triumph wird ewigen Frieden zur Folge haben. Doch, werte Kameraden, dieser Krieg wird nicht in einer Generation zu gewinnen sein. Denn Kriegs- und Friedensindustrie sind schwer zu entwirren, und wir müssen unseren Kampf ohne den Gewinn realpolitischer Macht führen, das traurige Kriegstreiberschicksal ehemaliger Friedensaktivisten im Räderwerk der Macht wird uns eine immerwährende Lehre sein.

Euer Kampf ist tapfer, doch es reicht nicht aus, Soldaten mit Farbbeuteln zu attackieren oder Fahrzeuge der Bundeswehr anzuzünden. Diese nahe liegende, aber falsche Taktik, wird uns nur in der öffentlichen Meinung diskreditieren, den Repressionsdruck erhöhen und unseren Feinden die Sympathien bringen, die eigentlich uns, den Kriegern gegen den Krieg gebühren würden – denn nur wir sind gerecht.

Farbbeutel und Brandsätze führen also nicht zum Endsieg des Friedens, und weil jeder, der nicht für uns kämpft, gegen uns kämpft, bleibt auch die tapferste Kleinkriminalität das, was sie ist – kleinkriminell. Also haltet ein, Kameraden, hört meine Botschaft!

Kein Stein darf auf dem anderen bleiben

Wenn wir den Krieg gegen den Krieg wirklich gewinnen und moralisch einwandfrei bleiben möchten, hier in Deutschland, dann haben wir nur eine Möglichkeit: Wir müssen ihn total führen, kein Stein darf auf dem anderen bleiben und wir müssen dafür sorgen, daß sich nach der Vernichtung aller Staatlichkeit keine neue mehr etablieren kann, auch keine fremde, denn Staatlichkeit wird Krieg zur Folge haben.

Wer nicht zum totalen Widerstand bereit, aber trotzdem gewalttätig ist, kann keiner von uns sein, denn wir wollen keine wirkungslosen Schwätzer. Wer nicht zum totalen Widerstand bereit ist, hat nur eine Chance für ein aufrechtes Leben: Er sollte einen Beruf erlernen, vielleicht eine Familie gründen, seinen Freundeskreis pflegen und regelmäßig in die Kirche gehen. Lokalpolitik wäre auch noch in Ordnung. Damit verhindert er zwar keinen Krieg, aber im Weg steht er uns auch nicht.

Mit erhobener Faust

Euer Martin“

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