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Einwanderung
 

Integrationsbericht: Ausländer häufig arbeitslos und schlecht qualifiziert

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Maria Böhmer (zweite von links) auf einer Tagung: Zufriden mit der Integration Foto: boellstiftung/flickr Lizenz: https://bit.ly/cwyzYr

BERLIN. Ausländer sind in Deutschland mehr als doppelt so häufig arbeitslos wie Deutsche. Dies geht aus dem am Mittwoch vorgestellten „9. Bericht zur Lage der Ausländer“ in der Bundesrepublik hervor. Demnach waren 2011 durchschnittlich 16,9 Prozent der Einwanderer arbeitslos gemeldet. Bei deutschen Staatsangehörigen lag die Quote dagegen bei 7,2 Prozent.

Dennoch zeigte sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), über die Entwicklung erfreut. Insgesamt sei die Arbeitslosenquote unter den Ausländern gesunken. Dies sei ein Zeichen dafür, daß „Arbeitgeber verstärkt auf die Potenziale von Migranten setzen“. Sie forderte zudem, den Einwandereranteil bei Polizei, Feuerwehr und in der Verwaltung deutlich zu erhöhen. Diese könnten dort als „Brückenbauer“ wirken.

Steigende Einbürgerungszahlen

Auch bei den Bildungsabschlüssen erreichen Kinder von Ausländern im Vergleich zu gleichaltrigen Deutschen schlechtere Ergebnisse. Während fast 40 Prozent der Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit das Abitur erlangen konnten, lag dieser Anteil bei ausländischen Schülern bei etwa 17 Prozent. Deutlich überproportional vertreten sind Ausländer dagegen bei Hauptschulabgängern und Schulabbrechern.

Mit Blick auf die steigenden Einbürgerungszahlen (von 96.122 im Jahr 2009 auf 101.570) lobte Böhmer, es sei gut, daß „immer mehr Migranten voll und ganz Ja“ zu Deutschland sagten. Mit Nachdruck sprach sich die CDU-Politikerin dafür aus, die Einbürgerungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen. „Ich halte es für dringend notwendig, daß die Behörden die Willkommenskultur auch in der Praxis umsetzen.“

Islamverbände empört

Um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands künftig zu sichern, müsse es weiterhin eine qualifizierte Zuwanderung geben, forderte die Integrationsbeauftragte. Erforderlich sei ein gesellschaftlicher Wandel bei der Haltung gegenüber Einwanderern. Statt Abwehrhaltung sollten die Deutschen diese besser wertschätzen.

Bereits im Vorfeld hatten Muslime den Bericht heftig kritisiert. „Die Bezeichnung ‚Bericht zur Lage der Ausländer’ suggeriert, daß diese Menschen nicht Bürger Deutschlands sind“, empörte sich der Generalsekretär des Verbandes der Islamischen Kulturzentren, Seyfi Ögütlü, gegenüber der Rheinischen Post. Er bedauerte zudem die fehlende Einbindung islamischer Verbände bei der Formulierung des Berichts. (ho)

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