Joachim Kuhs

 

Mit Y-Tours auf Abenteuer-Urlaub

Seit einigen Tagen rollt eine niedrige, aber doch spürbare Welle der Empörung über die Nachwuchsarbeit der Bundeswehr durch das Binnengewässer der deutschen Presse. Ein dicker Stein ist mal wieder ins Wasser geplumpst und der heißt „Bundeswehr Adventure Camps“. Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren können sich für einen Abenteuer-Urlaub in den Alpen oder auf Sardinien bewerben, per Los werden dann ein paar Glückliche ausgewählt, die auf Kosten der Armee klettern, schwimmen und sonstige Abenteuerchen erleben dürfen.

Die Nachwuchswerber stellen sich die Sprache der Jugend ungefähr so vor: „Eine coole Berghütte der Bundeswehr ist extra und exklusiv für Euch reserviert – das klingt nach Party!“ Oder so: „Aber keine Angst, auch der Spaß kommt nicht zu kurz: zum Beispiel bei der coolen Beach-Party.“

Baden, Tauziehen und Buffets

Selbstverständlich empören sich die üblichen Verdächtigen, darunter auch die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger, sie sitzt im Verteidigungsausschuß des Bundestages, ihre Schwerpunkte liegen bei der „Friedens- und Sicherheitspolitik“. Sie hält diese Werbung für „völlig unangebracht“, auf ihrer Facebook-Seite meint sie: „Es kann nicht sein, daß die Bundeswehr in ihrer Nachwuchswerbung so tut, als ginge es um einen Abenteuer-Urlaub!“

Sie hat nicht ganz unrecht. Auf den Bildern, die unter anderen auf der Facebook-Seite der Aktion und sogar bei Bravo.de zu finden sind, sehen wir gut trainierte Jungs und Mädchen in Badebekleidung, die Spaß beim Tauziehen haben und sich an köstlichen Buffets gütlich tun. Das bekommt einen bitteren Beigeschmack, wenn man sich parallel die sandigen Bilder aus den Einsätzen anschaut und Nachrichten über posttraumatische Belastungsstörungen liest.

Den falschen Köder ausgelegt

Freilich tut die Bundeswehr nicht so, als ob ihre Auslandseinsätze der reinste „Fun“ sind, und die Jugendoffiziere der Bundeswehr leisten überwiegende seriöse Arbeit. Es ist zudem gut und richtig, daß sie schon in Schulen über den Dienst in der Armee aufklären. Die Verantwortlichen für die Nachwuchsgewinnung sollten sich trotzdem überlegen, welchen Ernst oder Unernst des Dienens sie den potentiellen Rekruten vermitteln.

Die Streitkräfte brauchen eine hohe Bewerberquote, damit sie gute Soldaten für sich gewinnen kann. Wer sie jedoch mit „Fun“ und Abenteuer ködert, darf sich nicht darüber wundern, wenn die Rekruten schon nach einigen Wochen Grundausbildung feststellen, daß die Bundeswehr nicht nur Spaß ist, sondern auch jede Menge Frustration zu bieten hat.

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