Kampfgruppe Trittin

Die schneidige Uniform würde ihm vermutlich auch gut stehen, aber die trug sein Vater: Klaus Trittin, Erzeuger des Spitzenkandidaten der Grünen zur Bundestagswahl, war auch dabei in der Waffen-SS. Und zwar nicht „versehentlich“ oder „unwissentlich“ oder „von anderen wider Willen angemeldet“ wie die Grasse und andere ewige Mitläufer dieser Republik sich üblicherweise rausreden, sondern so richtig, hat der „Stern“ herausgefunden:

„Klaus Trittin hatte sich als 17-Jähriger 1941 freiwillig zur Waffen-SS gemeldet, Mitgliedsnummer 496535. Ein Jahr später trat er der NSDAP bei, Mitgliedsnummer 9563639.“ 1943 Verwundung, 1944 Lehrgang auf der SS-Junkerschule Braunschweig – laut Abgangszeugnis „noch etwas unsoldatisch“, aber „seine weltanschauliche Haltung ist gefestigt“. SS-Obersturmführer (entspricht dem Oberleutnant) Klaus Trittin kämpfte bis zur letzten Kriegsminute, seine Kampfgruppe gehörte zu den im letzten Wehrmachtsbericht vom 9. Mai 1945 erwähnten Verbänden, die in Ostpreußen „noch gestern die Weichselmündung und den Westteil der Frischen Nehrung tapfer verteidigt“ hatten.

Ist das nun der ominöse „braune Fleck“ in Jürgen Trittins „Biographie“, kann man ihm, dem einstigen Splittergruppen-Kommunisten und ideologischen Paten von Dosenpfand und EEG-Subventionswahnsinn, die „weltanschaulich gefestigte Haltung“ seines Vaters zum Vorwurf machen? Natürlich nicht – jedenfalls nicht so platt, wie ein Linker solch ein „biographisches Detail“ bei seinen Gegnern ausschlachten würde: Sippenhaft ist was für Sympathisanten totalitärer Ideologien. Erst einmal ist jeder für sich selbst und seine Taten verantwortlich, nicht für die seiner Väter und Großväter.

Archetypische Vertreter ihrer Generationen

Und dennoch: Das Schicksal des Vaters, und wie der damit umging, ist der Schlüssel, um den Sohn zu verstehen. Da ist ein begeisterter junger Mann, der bei der „coolsten“ (würde man heute sagen) Truppe mitmachen will, die es damals gab, der sich also freiwillig zur Waffen-SS meldet, überall fanatisch dabei ist, kämpft, blutet, nicht aufgibt bis zum bitteren Ende, bis seine Welt in Scherben fällt. Der dann nach fünf Jahren in der Gulag-Hölle nach Hause kommt, den Zusammenbruch noch nach Jahrzehnten nicht verkraftet hat; der sich andere Schultern sucht, um seine Enttäuschung mitzutragen, und – Achtundsechzig ging gerade los – den eigenen Ballast seinen Jungs aufbürdet: „Als Jürgen Trittin 15 Jahre alt war, nahm der Vater seine beiden Söhne mit ins ehemalige KZ Bergen-Belsen und sagte zu ihnen: ‚Guckt euch das an, das haben wir verbrochen. So etwas dürft ihr nie wieder zulassen.‘“

„Wir“? Doch wohl kaum Vater Trittin persönlich, sondern einige der Lumpen, denen er den Eid geschworen hatte. Das klassische Kollektivschuldtrauma zur Selbstrechtfertigung nach dem Zusammenbruch. Und „ihr“? Jürgen Trittin hat sich Papas Trauma brav aufgeladen, wurde K-Gruppen-Maoist beim „Kommunistischen Bund“, ein bißchen klammheimlicher Linksterror-Sympathisant und Mitbegründer der Grünen, verkündete, wie „großartig“ es doch sei, daß „Deutschland jeden Tag ein Stückchen mehr“ verschwinde, bis er sich schließlich seinen heutigen „staatsmännischen Habitus“ zulegte und ein guter transatlantischer „Bilderberger“  wurde.

Beide Trittins, Vater und Sohn, sind geradezu archetypische Vertreter ihrer Generationen: Der junge Kriegsteilnehmer, der den Frust über seinen gescheiterten Traum in Kollektivschuldkomplexen sublimierte und der nächsten Generation auflud; – und sein gelehriger Sohn, der diese Schuldkomplexe wiederum nicht für sich behielt, sondern fleißig auf Kosten der ganzen Nation bewältigte, „immer etwas zwanghaft die Nazikeule schwang“ (findet sogar der „Stern“) – und damit auch noch Karriere machte.

Wundert sich da noch einer über das sich fortzeugende Nationalneurotikertum der Deutschen, wenn die Generation Trittin immer weiter wie eine Betonplatte auf ihnen lastet?

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