„Entschuldigung, ich bin Hausfrau!“

Die Zeit macht diese Woche mit dem Titel auf: „Entschuldigung, ich bin Hausfrau!“ Und hinterfragt angeblich, „wie es Frauen ergeht, die beschließen, sich ganz Familie und Haushalt zu widmen – sei es nur auf Zeit“. Die Titeloptik sieht so aus, als würde die linksliberale Wochenzeitung tatsächlich etwas hinterfragen – auch die eigenen festgefahrenen Vorurteile über einen so unmodischen Lebensentwurf. In einer Überschrift werden Hausfrauen sogar als Rebellinnen bezeichnet. Spätestens da hatten sie mich. Schön, dachte ich, und kaufte mir die Ausgabe.

Ich hätte es natürlich besser wissen müssen, anstatt vier Euro und zwanzig Cent für nichts und wieder nichts auszugeben. Die Ausgabe hielt nicht, was sie versprach –statt dessen Klischees und typisch feministische Propaganda. Es gab keine neuen Gedanken, nur dieselben alten Argumente und die gleiche unterschwellige Feindseligkeit allen anderen Lebensmodellen gegenüber, als dem eigenen zeitgeistgemäßen.

Und trotzdem hoffte ich, vom anderen Lager ein paar frische Gedanken zur Diskussion über das Hausfrauendasein, ja vielleicht auch zum „Herdgeld“, zu bekommen. Denn in den eigenen konservativen Kreisen wird leider immer noch zu häufig damit argumentiert, daß Frauen nun mal „von Natur aus“ nach Hause gehörten. Was einer selbstbestimmten Hausfrau, links oder rechts, nun wirklich gegen den Strich geht.

Hausfrauendasein als Luxusproblem

Gewünscht hätte ich mir ein Reportage über den ganz normalen Hausfrauenalltag. Darüber, welche Überlebensstrategien sich moderne Frauen entwickelt haben, um Freude und Glück an ihrer Arbeit im Haushalt und vor allem mit den Kindern zu empfinden – in einer Zeit, in der das, was sie machen, gar nicht als Arbeit angesehen wird. Wie halten es gut ausgebildete Frauen zuhause überhaupt aus, wie gehen sie mit dem Unverständnis der Gesellschaft um, warum knicken sie nicht ein und gehen wieder arbeiten? Ich wollte Heldengeschichten über Rebellinnen eben.

Statt dessen bekam ich Berichte darüber, wie das Hausfrauendasein heute eher ein Luxusproblem der oberen Schichten ist. Eine schöne ruhige Abwechslung von der stressigen Arbeitswelt, oder eine Auszeit für Frauen, die sich selbst als „Lebenskünstler“ bezeichnen.

Es gab die Geschichte einer frustrierten Anwältin, die ihre teuer erworbene Zulassung bloß wegen ihrer Kinder zurückgegeben hätte, um sich dann schließlich, als die Kinder schon aus dem Haus waren, zu langweilen und die ersehnten Erschöpfungsgefühle im Marathontraining zu suchen. Und es durfte natürlich auch nicht die Geschichte über das selbstlose Dummchen fehlen, das veraltete Frauenideale verkörpert, weil es zuhause bleibt und sich um die Kinder des verwitweten Ehemanns kümmert. Ganz schlimm, weil sie sich nicht mehr in ihrem Beruf als Kindergärtnerin verwirklichen kann und in ihrer kaum vorhandenen Freizeit nur noch Hochzeitsschmuck für die Frauen aus dem Dorf bastelt. Ob sie glücklich ist? Das interessierte Die Zeit nicht.

Warnung vor hochrisikoreichem Lebensentwurf

Statt dessen wurde die Wahl, Hausfrau zu sein, als hochrisikoreicher Lebensentwurf dargestellt, der eigentlich nur eins bedeuten kann: den seelischen, geistigen und finanziellen Untergang. Hausfrau zu werden sei ungefähr so gefährlich wie Krebs und könnte überall lauern, wenn man nicht aufpaßte – wie ein Unfalltod. Schließlich könne die Beziehung oder Ehe ja jederzeit scheitern, und dann stehe die Hausfrau, vor allem in finanzieller Hinsicht, vor dem nichts.

Aber so gesehen ist es ein Risiko, sich auf überhaupt irgend etwas im Leben einzulassen. Natürlich lassen sich Schicksalsschläge wie eine Scheidung vermeiden, indem man erst gar nicht heiratet. Und natürlich steht die Hausfrau doof da, wenn die Ehe vorbei ist. Doch gegen das Hausfrauendasein zu sein, nur, weil es ein finanzielles Risiko darstellt, ist ungefähr so dämlich, wie zu entscheiden, gar nicht arbeiten zu gehen, weil man ja irgendwann durch einen Unfall arbeitsunfähig werden und schließlich verarmen könnte.

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