Schachmatt für Deutsch?

Entstehen solche Einfälle beim Schachspielen? Dann muß das Schachbrett von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück wohl wieder einmal falschherum gestanden haben. Beide warben nämlich vor kurzem in Berlin für Englisch. Verrückt wie seinerzeit das Schachbrett ist Schmidts jüngster Vorschlag zur Zwangsverenglischung einer ganzen Generation hin zur europäischen Einheitssprache. Steinbrück, der von Schmidt geförderte Kanzlerkandidat der SPD, richtet sich bereits nach Schmidts Vorstellungen.

Den EU-Ratspräsidenten direkt wählen zu lassen, sei nicht notwendig, meinte Schmidt Ende Oktober auf der „Townhall-Konferenz“ des Nicolas Berggruen Institute on Governance. Wichtiger sei es statt dessen, daß alle Einwohner Europas in einer Art Umerziehungsverfahren Englisch lernten: „Das muß im Kindergarten beginnen, in den Grundschulen. Dann haben wir es in 20 Jahren geschafft, daß alle Europäer die gleiche Sprache sprechen ein Vorteil, den uns gegenüber die USA und China haben.“

Die deutsche Sprache als Bauernopfer? Das klingt doch stark nach Günther Oettinger, der 2005 in einem Film des SWR sagte: „Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber Englisch wird die Arbeitssprache. Ich glaube, daß jeder, egal ob er Facharbeiter einer Werkzeugmaschine ist, ob er Geschäftsführer ist, ob er Zahlen oder Anleitungen lesen muß, daß jeder Englisch verstehen und Englisch sprechen können muß; das wird die entscheidende kommunikative Aufgabe des nächsten Jahres sein. Deswegen haben wir in Baden-Württemberg, ab der Grundschule, 1. Klasse, Englisch eingeführt.“

Kein einziges deutsches Wort

Vortragskönig und Kanzlerkandidat Steinbrück kann freilich wesentlich besser Englisch als Oettinger. Er sprach kürzlich auf einer Podiumsdiskussion des Auswärtigen Amtes in Berlin ausschließlich Englisch. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete: „In der einstündigen Podiumsdiskussion, die von der unabhängigen Körber-Stiftung gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt veranstaltet wurde, sprach der frühere Bundesfinanzminister kein einziges deutsches Wort.“

Sollte Steinbrück an die Macht kommen, dürfen wir also von ihm erwarten, daß Deutsch auch auf Regierungsebene noch schneller durch Englisch ersetzt wird. In einer Großen Koalition dürfte er Vizekanzler und Außenminister werden. Das sind keine guten Aussichten, da wir jetzt seine Vorstellungen kennen. Nur ein wendiger Springer oder ein schlauer Bauer kann die deutsche Sprache dann noch vor dem sprachpolitischen Schachmatt bewahren.

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