Predigten à la carte

Wie kommt der Pfarrer eigentlich zu seiner Sonntagspredigt? Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich heute ein bislang streng gehütetes Geheimnis lüften. Da gibt es nämlich diverse Lokalitäten, wo man sich als Pfarrer bedienen kann. Die wichtigsten habe ich in einer Liste ähnlich einem Restaurantführer zusammengestellt und gebe sie hiermit erstmals der Öffentlichkeit preis:

Mc.Predigt-Burger: Der schnelle Imbiß für zwischendurch; garantiert nicht länger als fünf Minuten; soll allerdings nicht sehr gesund sein und nicht lange anhalten.

Predigt-Pizzeria: Flott und pfiffig; soll bei Jugendpfarrern sehr beliebt sein; allerdings kaum mehr als eine Handvoll Zutaten, die immer neu variiert werden; daher auf die Dauer etwas eintönig.

Predigt-Eintopf-Küche: Zahlreiche Zutaten, die wahllos eingeworfen werden, ohne zwischen ihnen eine Verbindung zu schaffen. Beim Endverbraucher – sprich: Hörer der Predigt – ist sie nicht sehr beliebt.

Exotic-Predigt-Food: Das Lokal, für solche, die die Abwechslung lieben. Hier werden außergewöhnliche Zutaten verwendet, mitunter auch aus fernöstlichen Religionen.

Fertig-Predigten „to go“: Jede Vorbereitungszeit entfällt. Das fertige Gericht kann sofort serviert werden. Das Lokal wird von vielbeschäftigten Pfarrern sehr geschätzt.

Wellness-Predigt-Lounge: Das Wohlfühllokal; sehr zeitgemäße, leichte Kost; Jürgen Fliege und Anselm Grün sind hier Stammgäste.

Hausmacher-Predigt-Stube: Hier kocht der Chef noch selbst; nicht gerade „haute cuisine“, doch ehrliche, bodenständige, manchmal auch etwas deftige Kost.

Gasthof „Zur Drohbotschaft“: Sagenumwobenes Lokal, das jedoch seit den sechziger Jahren geschlossen ist. Immer wieder tauchen allerdings Gerüchte auf, es hätte irgendwo wieder neu eröffnet.

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