Die Notwendigkeit richtig gebildeter Begriffe

Immer und immer wieder wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß nichts so dringend notwendig ist, als sich richtige Begriffe zu bilden. Diese Forderung mag ganz nett klingen, aber ist sie nicht doch eher nachrangig? Wir müssen der wenig erfreulichen Tatsache ins Auge blicken, daß unser volkswirtschaftliches Vermögen verschleudert wurde, unser Volk in das Durcheinander eines Bürgerkriegs gedrängt wird und wir selbst mitsamt unserer Kultur ausgerottet werden sollen. Was sollen wir uns da noch um Begriffe scheren?

Nun, man sollte schon die Ursache kennen, wieso es dazu kommen konnte. Und die Ursache wird man in nichts anderem finden, als darin, daß versäumt wurde, sich richtige Begriffe zu bilden. Alle chaotischen Zustände, die uns in der jüngeren Zeit erwachsen sind, lassen sich darauf zurückführen. Und wir werden sie nicht bewältigen, sie werden uns vernichten, wenn wir nicht lernen, uns richtige Begriffe zu bilden. Mahnend weist Georg Wilhelm Friedrich Hegel auf diese Tatsache hin:

„Sei keine Schlafmütze, sondern immer wach! Denn wenn du eine Schlafmütze bist, so bist du blind und stumm. Bist du aber wach, so siehst du Alles, und sagst zu Allem, was es ist. Dieses aber ist die Vernunft und das Beherrschen der Welt.“ Die deutsche Schlafmütze muß sich schon entscheiden. Entweder, sie befreit und bildet dasjenige aus, was in ihr als Denkkraft verborgen ruht. Und das kann nicht anders geschehen, als durch harte, sehr harte Arbeit. Oder aber sie verzichtet auf diese entbehrungsreiche Mühseligkeit.

Dann plappert sie so weiter wie bisher: weiß alles, weiß alles besser und gibt zu allem und jedem seine Meinung kund. Das aber sind keine richtigen Begriffe, sondern nur eine subjektive Mischung erahnter Gedanken, Bequemlichkeiten und irgendeinem überwältigenden Gefühl, gerade etwas furchtbar Bedeutsames der Welt mitgeteilt zu haben. Dann aber ist man nicht Herr der Begriffe, sondern ihr Knecht. Diese Begriffe aber, die Macht über einem erlangt haben, das sind unsere Ideologien.

Ideologien sind unbewältigte Begriffe

Die Ideologien, durch welche sich Menschen zu Taten hinreißen lassen, die sie ohne diese als völlig verrückt bezeichnen würden, sie sind nichts anderes als unsere nicht bewältigten Begriffe. So sich selbst überlassen wuchsen sie auf wie wilde Tiere, wurden stärker und kräftiger, bis sie irgendwann die Grenze zwischen Unterbewußtsein und Bewußtsein durchschlugen und die Menschen rasend machten. Gerade diejenigen, die sich gegen Ideologien gefeit wähnen, merken nicht, wie sie in Wirklichkeit Besessene sind.

Nichts kann diesen Bestien Einhalt gebieten, nichts wird ihr Wüten beenden, als richtig gebildete Begriffe. Ohne diese wird es nur zu einer periodischen Erschlaffung der Kräfte kommen, zu ideologieärmeren Zeiten, in denen die Menschen erschreckt über ihre Untaten sich gegenseitig versichern, auf bestimmte Gedanken zu verzichten. Bis der Druck wieder zu groß geworden ist, über verborgene Kanäle und Schächte sich doch dasjenige Bahn bricht, was in die Freiheit will und muß.

Daher – entweder wir beginnen zu lernen, wie man richtige Begriffe bildet. Wir, so durchaus als Nation und Deutsche, wie uns Johann Gottlieb Fichte anspricht: „Wenn recht viele einzelne so denken, so wird bald ein grosses Ganzes dastehen, das in eine einige engverbundene Kraft zusammenfliesse.“ Oder aber, wir gehen ganz einfach unter. Und der ganze Dreck und Kot einer verwesenden Menschheit wird uns nachstürzen. Etwas Drittes wird es nicht geben.

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