Zeit für die Reaktion

Brutale Gewalt gegen Studentenverbindungen ist mittlerweile die Regel, nicht die Ausnahme. Über das tatsächliche Aufkommen von Straftaten gegen Korporationen gibt es nun eine erste vorläufige Erhebung. Diese soll bis Jahresende fortgeführt und Anfang 2011 dann der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Da die Informationsgewinnung vor allem über Hörensagen und interne Berichte funktioniert, ist von einer noch weitaus höheren Dunkelziffer auszugehen.

Hier fängt die Misere schon an: Die wenigsten Attacken gegen Verbindungsstudenten oder ihren Besitz wird publikgemacht. Stattdessen hat sich eine Haltung des seufzenden Resignierens breitgemacht – nicht zuletzt auch als Reaktion auf die sehr seltene Aufklärung solcher Taten durch die Polizei. Unwillige Annahme von Anzeigen und mangelnde Motivation bei der Ermittlung machen sich hier bemerkbar; Forderungen nach der Aufstellung eines akademischen Selbstschutzes bleiben daher nicht aus.

Bestürzende Gewalt gegen Verbindungen

Bestürzend nehmen sich vor allem die aufgeführten Straftatbestände aus. Zwar stellt der „bloße“ Vandalismus an Verbindungshäusern – mit Aufklebern, Sprühdosen, Farbbeuteln – die Hälfte der bisher gelisteten Fälle. Ebenso finden sich jedoch gravierende Delikte wie Brandstiftung, Körperverletzung und „versuchte Tötung“ – bei letzterem handelt es sich meist um das nächtliche Feuerlegen an vollbelegte Häuser. Auf diese schweren Gewalttaten entfallen rund 25 Prozent der Fälle. Auch ein Abgleich der Universitätsstädte wurde unternommen. Hierbei steht erwartungsgemäß das „rote“ Göttingen ganz oben.

Man kann wohl davon ausgehen, daß sich das öffentliche Interesse an dieser Statistik in Grenzen halten wird. Zu sehr hat man sich inzwischen darauf eingeschossen, daß Korporationen nur kleine, geheimnisvolle Zirkel seien, die sich auf ihren Häusern versteckten, unzeitgemäße Rituale pflegten und mindestens mit Herablassung, eher noch mit Argwohn zu betrachten seien. Nicht von ungefähr äußerte der Hamburger SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Neumann im Verlauf der Diskussion um den damaligen Bürgermeisterkandidaten Christoph Ahlhaus, ehemaliger Conkneipant einer akademischen Turnerschaft, in Bezug auf schlagende Verbindungen insgesamt die verleumderischen Worte: „Das sind dumpfe Nationalisten; der Verfassungsschutz beobachtet sie.“

Wer Band und Mütze trägt, ist für sie ein Feind…

Worauf man aber hoffen kann, ist eine Veränderung in der Selbstwahrnehmung der Korporierten. Noch ergehen sich insbesondere viele „Alte Herren“, also examinierte Verbindungsmitglieder, in Wunschträumen darüber, daß mit ein bißchen mehr Distanzierung und Anbiederung den Angriffen der Linksextremisten ein Ende bereitet werden könne. Aus der Statistik geht jedoch einwandfrei hervor, daß die Gewalttäter keinen Unterschied zwischen Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps oder christlichen Verbindungen machen. Wer Band und Mütze trägt, ist für sie ein Feind und wird attackiert – bestenfalls nur verbal.

Sämtliche Verbindungstypen und alle Dachverbände werden pauschal des „Sexismus“, „Rassismus“, „Nationalismus“, „Revanchismus“ – und was das Gutmenschenvokabular noch alles an Feindbildern hergibt – geziehen. Wichtig ist vor allem, daß dies endlich eingesehen wird und die sinnlose Spalterei ein Ende hat. Gerade Zeitungsartikel mit Zitaten von Korporierten zeugen oft von einer sehr bemühten Abgrenzung gegen alles und jeden. Die Angst vor den eigenen Farben, dem „Couleur“, muß aus den Köpfen verschwinden und endlich eine grundsätzliche Geschlossenheit gegenüber dem gemeinsamen Gegner hergestellt werden. Ihr erstes Ziel, nämlich die heillose Zersplitterung des verbindungsstudentischen Milieus, haben die „roten Horden“ bereits erreicht.

Coburger Convent wehrt sich erfolgreich

Die Zeit muß endlich vorbei sein, in der akademische Verbindungen und ihre Mitglieder sich alles gefallen lassen. Die erfolgreiche Kampagne des Coburger Convents (CC) gegen die infamen Anschuldigungen Michael Neumanns hat Früchte getragen. Neumann selbst hatte aufgrund der unerwarteten Gegenwehr sogar ein paar „Krokodilstränen“ vergossen. Es zeigt sich also, daß durchaus Erfolge möglich sind, wenn alle zusammenstehen. Dieser Fall möge ein Vorbild für die Zukunft werden!

Natürlich kann man so nicht gegen die prügelnde „rote SA“ ankommen. Deren Aktionen – mit staatlichen Geldern alimentiert – rufen außer reiner Fassungslosigkeit zu oft keine Gegenwehr hervor. Geschändete Ehrenmale, per Lautsprecherwagen abgespielte Technomusik während eines Totengedenkens oder das Bedrohen von designierten Referenten auf burschenschaftlichen Veranstaltungen sind keine politischen Aktionsformen. Vielmehr handelt es sich um das Wüten eines vom bürgerlichen Leben gelangweilten Pöbels, dessen Anwalt – falls nötig – „Papa“ bezahlt oder die Rote Hilfe.

Eine Wende im Selbstverständnis kann den Verbindungsstudenten nur gut tun. Es kann nicht sein, daß man sich in alltäglichen Gesprächen ständig dafür rechtfertigen muß, einer Korporation anzugehören. Selbst diejenigen, die ursprünglich nur aufgrund der billigen Miete das Band aufgenommen haben, sollten nach einer gewissen Zeit eine derart gefestigte Bindung zu ihrem Bund haben, daß sie Anfeindungen von Kommilitonen oder Dozenten gelassen hinnehmen können. Es gibt nichts, wofür man sich als Verbindungsmitglied schämen müßte – außer der Untätigkeit im Kampf gegen den „linken Mob“.

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