Joachim Kuhs

 

Unfähig zur sachlichen Diskussion

Meine Kolumne „Die Hartz-IV-Schmarotzer“ hatte zahlreiche Kommentare, die ich für bemerkenswert, erfreulich und auch als wertvoll erachte. Doch teilweise ging es auch drunter und drüber. Daher die Frage: Warum verlaufen Diskussionen im Fernsehen, im Freundes- und Familienkreis oder in Form von Leserkommentaren meist wenig zufriedenstellend? Weil die Teilnehmer der Diskussion nicht bei dem vorgegebenen Thema bleiben oder etwas Unterschiedliches unter dem Thema verstehen.

1.) Wenn man etwas sinnvoll diskutieren möchte, ist es notwendig, zunächst beim Thema zu bleiben und erst, wenn dieses abgeschlossen ist, zum nächsten überzugehen.

Ein Beispiel: Wenn man über Hartz IV diskutieren möchte, entweder über die Höhe, über die Ungerechtigkeiten oder über Politiker mit Krokodilstränen, dann hat bei dieser Diskussion ein anderes Thema – wie zum Beispiel, daß Manager nicht so hohe Boni bekommen dürften – (eigentlich) nichts zu suchen. Denn diese beiden Themen sind zwei unterschiedliche. Wenn man sie miteinander in einen Topf wirft, wird man zu keiner zufriedenstellenden Lösung kommen. Denn man vermengt etwas, das nichts miteinander zu tun hat.

„Unterstes Stammtischnivau“

2.) Eventuell sollte man zudem den Diskussionsgegenstand vorab definieren. Wenn man über ein abstraktes und vielschichtiges Thema wie Hartz IV diskutieren möchte, werden viele Personen ganz Unterschiedliches darunter verstehen. Dann ist natürlich auch vorprogrammiert, daß man aneinander vorbeiredet.

Ein Beispiel: Der Leserkommentar „Hartz VI-Empfänger pauschal als Schmarotzer zu beschimpfen, ist eine Sauerei“ ist zwar vollkommen richtig. Aber dieser Leserkommentar trifft nicht das Thema, denn das Thema meines Artikels war zusammengefaßt folgendes: „Die schlimmsten Schmarotzer sind die Menschen, die jetzt Betroffenheit für die Sorgen von Hartz-IV-Empfängern heucheln und dies doch nur deswegen machen, weil sie entweder dadurch auf Stimmenfang gehen oder an dieser Lobbyarbeit mitverdienen.“ Niemand hat an dieser Stelle Hartz-VI-Empfänger pauschal als Schmarotzer beschimpft, auch wenn die Überschrift eventuell den Eindruck erweckt. Wer aufmerksam gelesen hat, konnte aber nicht zu dieser Meinung gelangen. Es ging hier im übrigen auch nicht um „ältere“ Arbeitssuchende oder Arbeitsscheue oder Ausländer.

3.) Man sollte seine Kommentare oder Diskussionsbeiträge begründen. Der Kommentar „Ein niveauloser Artikel, Herr Westphal! … das ist ein ‘unwürdiges Schmierentheater’, was SIE hier bieten!“ ist deswegen bemerkenswert, weil er Ausdruck tiefem Empfindens ist. Aber er beinhaltet gar keine begründete und damit konstruktive Kritik. Was ist niveaulos? Warum ist das unwürdig?

Auch die Formulierung in einem Leserkommentar einer anderen Kolumne hilft nicht weiter. Dort heißt es: „Was mich an den Artikeln von Herrn Westphal … stört, ist dieses völlig undifferenzierte, marktschreierische Herausposaunen von Halbwissen und Halbwahrheiten. Dieses Herumgeätze, welches unzulässig verallgemeinert und vereinfacht. Das ist unterstes Stammtischnivau.“

Begründung nachvollziehen

Gut, wenn jemand zornig ist! Nur wer sich über etwas aufregen kann, wird das Wort ergreifen. Entweder, man lag als Autor völlig daneben oder hat genau ins Schwarze getroffen. Aber es wird wiederum nur eine Meinung vorgetragen und keine Begründung vorgetragen. Zielführend in einer Diskussion und einem Kommentar ist es, wenn man eine These aufstellt oder eine Meinung voranstellt und diese dann auch begründet.

Zum Beispiel: „Ich finde diesen Artikel niveaulos, weil es nicht stimmt, daß Politiker sich nur wegen der Wählerstimmen für Hartz IV engagieren! Herr Trittin hat sich schon seit 10 Jahren für die Armen im Verein XY engagiert und ist dort Vorsitzender.“ Dies wäre ein guter Kommentar, denn jeder kann die Begründung nachvollziehen.

Mein Appell: Schimpfen Sie, wenn Ihnen etwas nicht gefällt! Leserkommentare sind Ausdruck der Meinungsfreiheit, sie sind wichtig, immer willkommen und auch hilfreich! Machen Sie weiter so und vor allem aus Ihrem Herzen keine Mördergrube. Und wenn Sie mich jetzt als Oberlehrer kritisieren, haben Sie allen Grund dazu!

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