Tagebuch aus dem Weltirrenhaus (1)

Donnerstag, 23.9.2010

Als hätten die Redakteure der Zeit meine Kolumne „Linksnationale Arroganz“ gelesen, werde ich nun durch eine Grafik in der Zeit eindrucksvoll bestätigt. Eine Europakarte ist zu sehen, die Länder mit Parteien von „Antimuslimen” sind farblich markiert, in der Mitte aber der weiße Fleck Deutschland. Überschrift der Grafik: „Umzingelt von Rechten“.

Vermutlich ist es besser so, daß wir nicht wissen, welche Maßnahmen die linksliberale Zeit-Redaktion nun gegen die Umzingelung Deutschlands von Feinden, vorschlagen würde… Und zum Glück ist Polen nicht farblich markiert. Denn sonst müßte die Zeit nach diesen Maßnahmen noch zugeben, daß sie durchaus der Meinung ist, daß es in der Frage des Rechtsparteien-Durchmarschs jedenfalls nicht Deutschland war, das „zuerst mobilisiert“ hat…

Walter Kempowski in seinem Tagebuch von 1990:

„Nartum / Sonntag, 23.September 1990, warm
(…) Mittags zwei Herren von einer Bielefelder Zeitung (<>), ein Interview zur Wiedervereinigung. Es erstaunt die Journalisten immer wieder, daß ich ohne weiteres sage: <>, <>. Sie denken, sie hätten sich verhört.“

Samstag, 25.9.2010

Beim Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau, anläßlich des 10jährigen Jubiläums des Museums. Dem Museums-Gründer Ehrhardt Bödecker wird von einem Journalisten, den ich als eine Mischung aus Computer-Nerd und Hip-Hop-Prolet eingestuft hätte, vorgehalten, daß Friedrich II. womöglich toleranter gewesen sei als Bödecker selbst. Die Fragen von diesem „Journalisten“ waren dann natürlich auch in ihrer Art und Weise irgendwo zwischen BUNTE und Fußballreporter. Solche Fragen wie: „Wie oft mußten sie sich anhören…“ Wie oft, meine Damen und Herren von der Medienmafia, hat man euch schon gesagt, daß ihr hoffnungslos verblödet seid?

Bödecker berichtet in seiner Rede von einem Trend aus dem Ausland, daß das Preußen-Bild zum Positiven korrigiert werde, doch die deutschen Historiker beharrten dennoch auf dem ewig-gestrigen Preußenbild:

„Vor 40 Jahren brüstete sich ein deutscher Professor damit, daß die deutschen Historiker inzwischen die Meinung der ausländischen Kollegen übernommen hätten. Heute brüstet sich damit keiner mehr. Sie beharren auf ihrer eigene Einschätzung, die sich allerdings nicht von den damals ‘angepaßten’ unterscheidet.“

Das ist auch wieder so ein Beispiel für die „linksnationale Arroganz“.

Medien-Lektüre: Tagesspiegel von Freitag, Seite 27, ,,Das islamische Wort“ von Markus Ehrenberg und Joachim Huber. Dort fordern sie mehr Ausländerbeauftragte – vor allem natürlich mit dem richtigen „Migrationshintergrund“ – in deutschen Rundfunkräten. Zitat:

„Der ZDF-Fernsehrat beispielsweise hat aber weder einen Vertreter der Muslime noch der Migranten in seinen Reihen. Das mag überraschen, schließlich werden über die 77 Mitglieder des Fernsehrates selbst die Belange des Tierschutzes, des Deutschen Landkreistages oder der Opfer des Stalinismus ad personam vertreten.“

Das muß man sich reinziehen: „selbst die Belange (…) der Opfer des Stalinismus…“. Weil das ja auch viel unwichtiger ist als die Belange der Moslems und Türken in Deutschland. Aber irgendwo hinter Tierschutz und Deutschem Landkreistag, das ist wohl tatsächlich der Ort, an dem bei west- und ostdeutschen Journalisten und Politikern der Stellenwert der Opfer des Kommunismus angesiedelt ist. Kein Aufschrei, keine Lichterketten.

Sonntag, 26.9.2010

TV: RTL – Film „Unter Linken“ von Fleischhauer. Eine „Gleichstellungsbeauftragte“ (immerhin nicht „Frauenbeauftragte“!) von der Grünen Jugend plädiert dafür, Einordnungen der „Polarität der zwei Geschlechter“ „aufzubrechen“. Deswegen unterstützt sie eine Unisex-Toilette, damit auch Jene sich erleichtern können, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen wollen. Sonst geht es Deutschland noch gut. Gruseliger Höhepunkt: eine EMMA-Redakteurin, die sich ein eigenes Mahnmal für die „Transgender“-Opfer des Holocaust wünscht.

Die Schwulen sind dagegen, daß ein spezielles Mahnmal für lesbische Opfer des nationalen Sozialismus errichtet wird. Ihr Argument: es sei kein einziger Fall bezeugt, bei dem eine Lesbe wegen ihrer sexuellen Orientierung zum Opfer des Holocausts wurde. Eine Kampflesbe findet diese Haltung der Schwulen nicht überraschend, denn auch wenn es sich um schwule Männer handle, seien es trotzdem eben immer noch Männer. Wieder einmal sehe ich den Beweis dafür, daß es auch unter den Homosexuellen und Schuldkultlern bedeutend mehr männerhassende Frauen gibt als frauenhassende Männer.

Montag, 27.9.2010

Morgens einer Frau geholfen, ihren Kinderwagen die Treppe herunterzubekommen. Sie fand das offenbar befremdlich, daß ich das freiwillig tue. Warum mache ich das? Ein Empfinden von Solidaritätsverpflichtung mit der Gesellschaft habe ich keins mehr. Wahrscheinlich rührt sich da in mir wieder unbewußt meine rebellische Ader: den vorbeilaufenden Passanten zeigen, daß es selbst unter jungen Leuten vereinzelt noch solche ewiggestrigen Schweine gibt. Meine ganz persönliche ,,Konservativ-subversive Aktion“ sozusagen.

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