Neues zur Rechtschreibreform

Welche Änderungen bringt die nächste Rechtschreibreform? Allmählich zeichnet sich ab, wie sie aussehen werden. Ausnahmsweise ist nämlich die Öffentlichkeit in der vergangenen Woche über die Arbeit des Rechtschreibrates ein wenig unterrichtet worden. Allerdings berichtete so gut wie keine deutsche Zeitung darüber. Am 23. April tagte der Rechtschreibrat in Bern. Bundeskanzlerin Corina Casanova eröffnete sogar höchstpersönlich die Sitzung.

Aus diesem Grunde gab es eine Medienmitteilung der Bundeskanzlei. Die Kultusministerkonferenz, die den Rat eingesetzt hat, hüllt sich hingegen seit Jahren schon in Schweigen. Auf Pressekonferenzen verzichtet der Rat meistens. Das hänge „mit der Langfristigkeit der Aufgabe zusammen, die der Rat wahrnimmt“, heißt es auf Nachfrage. Ohne die Beobachtung durch die Öffentlichkeit und ohne lästige kritische Fragen läßt es sich wohl auch angenehmer arbeiten.

Daß die bundesdeutsche Öffentlichkeit die Sitzungen des Rechtschreibrats nicht wahrnimmt, mag möglicherweise auch damit zusammenhängen, daß diese seit einiger Zeit meist in anderen Staaten stattfinden: 2007 war man in Österreich (Wien), 2008 in Belgien (Eupen), im Oktober 2009 in Südtirol (Bozen), jetzt in der Schweiz (Bern), und im Sommer dieses Jahres geht der Rat nach Liechtenstein (Vaduz).
 
Die vierte Rechtschreibreform seit 1996
 
Weitgehend unbeachtet bereitet der Rat also die vierte Rechtschreibreform nach 1996, 2004 und 2006 vor. Obwohl es erst im Juli 2009 Neuauflagen der Rechtschreibwörterbücher Duden und Wahrig gab, werden diese schon bald wieder veraltet sein.

Denn nach seinem Statut muß der Rechtschreibrat mindestens alle fünf Jahre der Kultusministerkonferenz einen Bericht mit „Vorschlägen zur Anpassung des Regelwerks“ vorlegen. Die nächsten Wörterbücher gibt es also allerspätestens Mitte 2011.

Spannend ist dabei die Frage, ob Duden und Wahrig, die sich in ihren Empfehlungen widersprechen, aber seit einem Jahr beide unter dem Dach der Schulbuchverlagsgruppe Cornelsen sind, zu einem Einheitswörterbuch zusammengefaßt werden.
 
„Streichung bestehender und Zulassung neuer Varianten“
 
Ende dieses Jahres läuft die Amtszeit des gegenwärtigen Rechtschreibrates ab. Dann übergibt der Rat seine Vorschläge für die nächste Reform. Grundlage dafür sind die Textsammlungen von Duden, Wahrig und dem Institut für deutsche Sprache, wie die Bundeskanzlei mitteilt.

Ob sich in diesen Sammlungen auch genügend Texte in traditioneller Rechtschreibung – so wie etwa dieser hier – befinden, ist zu bezweifeln. Die 2006er-Reform hatte zahlreiche bewährte Schreibungen wieder zugelassen, die reformierten Schreibweisen allerdings daneben weitergelten lassen.

Dies ermöglichte den Wörterbuchmachern, unterschiedliche und willkürliche Empfehlungen zu geben. Von dieser Möglichkeit machten Duden und Wahrig reichlich Gebrauch, was jedoch zu weiterer Verwirrung führte. Zur Zeit beschäftigt sich der Rat also damit, die „Streichung bestehender Varianten und die Zulassung neuer Varianten“ vorzubereiten, wie es heißt.
 
Keine „Spagetti“ mehr?
 
Gestrichen werden soll eine Reihe von Fremdwortschreibungen, die die Reformer erfunden hatten: „Die Beobachtung des Schreibgebrauchs hat ergeben, dass verschiedene stark eingedeutschte Schreibungen wie Fassette zu Facette zumindest von den professionell Schreibenden kaum oder gar nicht verwendet werden.“ Es ist anzunehmen, daß diesem weiteren Rückbau der Reform auch die „Spagetti“ und der „Tunfisch“ zum Opfer fallen.
 
Der Rat stellt außerdem in Aussicht, weitere traditionelle Schreibungen wieder zuzulassen: „In anderen Fällen … werden Schreibungen verwendet, die das amtliche Regelwerk nicht bzw. nicht mehr zuläßt. Hier gilt es zu entscheiden, ob diese gebräuchlichen Schreibungen als Varianten zugelassen werden sollen oder nicht.“ Der Retter der Rechtschreibreform, Peter Eisenberg, hat zudem für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die im Rechtschreibrat vertreten ist, Teile des Regelwerks umformuliert. Das betrifft zum Beispiel die Großschreibung von Hauptwörtern. Eisenberg brachte einen Text ein, „der einige unhaltbare Fehlschreibungen ausschließt“, wie er meint.
 
Außerdem schlägt Eisenberg vor, den Rat von derzeit fast vierzig auf höchstens neun Mitglieder zu verkleinern, um das mangelhafte Regelwerk schneller weiterreparieren zu können. Daß es ihm glückt, damit die Nutznießer der Dauerreform aus dem Rat zu drängen, dürfen wir bezweifeln. Im Schneckentempo nähert sich die Schulrechtschreibung jedenfalls wieder den traditionellen Schreibweisen an. Wer schlau ist, macht diesen Reformzirkus gar nicht erst mit und wartet, bis die Reform endgültig auf der Müllkippe der Sprachgeschichte angekommen ist.

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