Maxl Morlock braucht keinen „Easycredit“

Auf Maxl Morlock (1925 bis 1994) ist ganz Fußballfranken stolz. Von 1940 bis 1964 spielte der gebürtige Nürnberger für den 1. FC Nürnberg, wurde zweimal mit ihm Deutscher Meister. Über Franken hinaus wurde Morlock als einer der Helden von Bern berühmt.

1954 schoß er im Endspiel gegen Ungarn den 1:2-Anschlußtreffer und leitete damit das Wunder von Bern ein. Wenn es nach den Anhängern des „Clubs“ ginge, müßte das Stadion des Bundesligisten, der in der Tabelle derzeit einen Platz vor Bayern München liegt, „Max-Morlock-Stadion“ heißen.

Doch die fränkischen Fußballfreunde werden nicht gefragt. Der allgemeinen Kommerzialisierung folgend hat die Stadt Nürnberg, der das Stadion gehört, die Namensrechte an die Norisbank, die heute „Teambank“ heißt, verkauft. So wurde am 15. März 2006 aus dem Frankenstadion das „easyCredit-Stadion“.

Von „Victory“ zu „Easycredit“

Seitdem protestieren nicht nur Deutsche Sprachwelt und „Verein Deutsche Sprache“ gegen diesen Namen, sondern auch zahllose Nürnberger und FCN-Anhänger. Niemand kann sich mit dieser Bezeichnung identifizieren, zumal sie für die fränkische Zunge schier unaussprechlich ist: „Ihsigreddid oder wäi?“ Doch nun scheint wieder ein besserer Name möglich zu sein.

Schon einmal trug das Sportfeld einen englischen Namen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten amerikanische Besatzungssoldaten den Platz und nannten ihn „Victory Stadium“. Sie spielten natürlich nicht Fuß-, sondern Baseball. Die Amis waren gekommen, weil sie nicht mehr wollten, daß die NSDAP dort ihre Reichsparteitage abhalten konnte. 1935 hatte Adolf Hitler noch auf demselben Platz die Hitlerjugend aufgefordert, „flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ zu sein.

Der Nürnberger „Reichsparteitag“ der SPD von 1947 (der hieß tatsächlich so) mußte dann in einer anderen Lokalität stattfinden. Das zähe Fußballeder rollte im Städtischen Stadion erst wieder ab 1962 für den FCN.

Easycredit-Gegner sind zäh wie Fußballeder

Die Nürnberger Lokalzeitungen boykottieren in der Regel den Namen „easyCredit-Stadion“. Sie haben dem Widerstand gegen diesen unbeliebten Namen immer wieder breiten Raum gegeben. In jüngster Zeit veröffentlichten Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung häufiger kritische Stimmen.

Im Augenblick verhandelt nämlich die Teambank mit der Betreibergesellschaft darüber, ob der Vertrag zur Namensgebung über Mitte 2011 hinaus verlängert wird. Nun reicht es den Bankern allerdings, und sie haben die Verhandlungen für vier Wochen ausgesetzt.

In einem Brief der Teambank-Unterhändler heißt es: „Die jüngste Medienberichterstattung zum easyCredit-Stadion kann den Eindruck erwecken, daß es in Nürnberg keine Befürworter für den Namen easyCredit-Stadion gibt. Uns ist es wichtig, daß unser Engagement für den Sport innerhalb der Metropolregion nicht nur geduldet, sondern möglichst breit befürwortet wird.“

„Verständnis für kapitalismuskritische Kulturpessimisten“

Nun gerät Oberbürgermeister Ulrich Maly in Panik, weil der Vertrag jährlich drei Millionen Euro einbringt, mit denen der Kredit (kein „Easycredit“) für den Stadionumbau abbezahlt wird. Daher droht man dem „Club“ mit einer höheren Stadionmiete.

Das Stadtoberhaupt äußerte zwar „Verständnis für kapitalismuskritische Kulturpessimisten“, die sich an der Vermarktung des Stadionnamens stören, der Sozialdemokrat weiß aber: „Fußball ist weltweit großer Kommerz, und aus dieser Welt können wir uns nicht verabschieden.“

„Die Legende lebt“

Erhält das achteckige Stadion nun einen würdigen Namen? „Die Legende lebt, wenn auch die Zeit vergeht“, heißt es in der Club-Hymne. Seit August 2008 steht vor der Nordkurve des Stadions eine Statue von Maxl Morlock. Finanziert wurde sie nicht mittels eines „Easycredit“ oder durch die Stadt Nürnberg, sondern ganz allein von den treuen Anhängern des FCN.

Sollten die Verhandlungen um die Fortführung des Namens „easyCredit-Stadion“ tatsächlich scheitern, wäre das für den guten alten Morlock sicherlich eines: ein innerer Reichsparteitag.

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