Tunnelblick

Man hätte es sich fast denken können: Die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ sei den Eltern besonders wichtig, erfahren wir aus dem „Familienmonitor 2009,den das Allensbach-Institut im Auftrag des Familienministeriums zusammengetragen hat. Nur: Was heißt das?

Eine Antwort gibt zum Beispiel Tabelle Nr. 21: Berufstätige Eltern wünschen sich generell kürzere Arbeitszeiten. Die meisten Väter, 58 Prozent, möchten lieber innerhalb des regulären Rahmens von 36 bis 40 Wochenstunden arbeiten. Tatsächlich aber arbeiten 57 Prozent der Väter 40 Stunden und mehr in der Woche, fast ein Fünftel sogar mehr als 50 Stunden. Den Wunsch zum Workaholic-Dasein haben dagegen nur drei Prozent der befragten Familienväter.

Noch aufschlußreicher sind die Arbeitszeitwünsche von Frauen mit Kindern. 37 Prozent der Mütter sind derzeit in Vollzeit berufstätig, also mit 36 und mehr Wochenstunden. Nur zehn Prozent der Mütter aber wünschen sich das auch. Dagegen hätten 60 Prozent der Mütter gerne Arbeitszeiten zwischen 20 und 35 Wochenstunden – also Teilzeitarbeitsplätze, die gut mit den Schul- und Kindergartenzeiten zu vereinbaren sind. Mehr als 40 Stunden pro Woche möchte gerade mal ein Prozent der Frauen mit Kindern gerne arbeiten, dennoch ist das für 13 Prozent der Mütter Realität.

Krippenwahn und emotionale Verarmung

Es erstaunt nicht, daß Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) diese Statistik in ihrer Präsentation des „Familienmonitors“ nicht groß hervorgehoben hat. Die Zahlen stehen nämlich in direktem Widerspruch zu der von ihr forcierten wirtschaftshörigen Pseudo-Familienpolitik, die unter „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ die flächendeckende Ganztags-Fremdbetreuung möglichst vom ersten Lebensjahr an versteht, damit die Mamas Vollzeit arbeiten, Steuern und Sozialabgaben zahlen können und ihre dabei nur störenden Kinder den vom Staat bezahlten „Profis“ überlassen können. Der Ausbau der Krippenplätze für unter Dreijährige, der Frau von der Leyen so sehr am Herzen liegt, steht in der langen Prioritätenliste der Eltern an vorletzter Stelle.

Wohin der Krippenwahn führt – zum gehäuften Auftreten von emotionaler Verarmung, Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen bei ganzen Generationen nämlich – hätte Frau von der Leyen auf einer Tagung des „Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.“ (IDAF) von einem großen Aufgebot internationaler Fachleute erfahren können. IDAF-Geschäftsführer Jürgen Liminski hatte die Familienministerin und ihren Kollegen vom Wirtschaftsressort eingeladen und nicht einmal ein Grußwort erhalten; von 350 angeschriebenen Bundestagsabgeordneten hatten zwei abgesagt, der Rest nicht einmal geantwortet. Man will sich ja die schönen ideologischen Vorurteile nicht kaputtmachen lassen.

In Krisenzeiten sei die Familie geradezu ein „zweites soziales Netz“, kommentierte Frau von der Leyen ein weiteres Resultat der Umfrage, das wohl nur „Familienpolitiker“ überraschen konnte: Daß Familie vor allem Gemeinsamkeit und Füreinandereinstehen gerade in schweren Zeiten bedeutet. Wer nicht mit Tunnelblick vor dem Familienmonitor sitzt, zieht daraus den Schluß: Laßt die Familien einfach mehr in Ruhe, statt sie mit Abgaben und Zwangsbeglückungen zu überlasten.

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