Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Gaddafi und die Uno

Mummar al-Gaddafi hat gehörig einen an der Waffel. Da muß man sich nichts vormachen. Jahrelang hat er den Terrorismus gefördert, sein Land ausgebeutet, die Opposition gewalttätig unterdrückt und alles getan, was rechtschaffene Menschen unterlassen sollten.

Jahrelang war das Land isoliert, bis sich Gaddafi offiziell vom Terrorismus abwandte. 1999 bekannte er sich zum Anschlag auf Lockerbie, lieferte die Mörder aus und leistete Entschädigungszahlungen an die Angehörigen.

Tony Blair und Gerhard Schröder brachen 2003 die Isolation mit Staatsbesuchen auf, nachdem sich der Diktator verpflichtete, seine Massenvernichtungswaffen zu beseitigen. Wie unberechenbar Gaddafi ist, zeigt er bei jeder Gelegenheit.

Gnadenlose Selbstdarstellung

Als sein Sohn in der Schweiz seine Dienstboten mißhandelte und kurzfristig vor Gericht mußte, lies er Schweizer Bürger ohne Grund festnehmen; diese sind heute noch nicht ausgereist. Nach dem Tod Saddam Husseins verhängte er eine dreitägige Staatstrauer, an der diesjährigen 40-Jahr-Feier seiner Machtergreifung ließ er Hinrichtungen nachstellen. So viel zur Zurechnungsfähigkeit dieses Mannes.

Und jetzt sein Auftritt vor der Uno. Zuerst dachte ich: Mal wieder ein typischer Gaddafi-Auftritt. Viel Theater, wenig Inhalt und gnadenlose Selbstdarstellung. So wie immer. Nachdem ich allerdings auf diversen Nachrichtenportalen den Inhalt seiner Rede lesen durfte, verstand ich die Aufregung nicht mehr.

Er wirft dem Sicherheitsrat vor, nicht demokratisch zu sein und mit Vetos unangenehme Entscheide zu blockieren. Resolutionen gegen Großmächte würden nicht durchgesetzt, und die 65 Kriege seit 1945 hätte die Uno auch nicht verhindert. Für die Afrikanische Union forderte er einen Sitz im Sicherheitsrat, und das Vetorecht gehöre abgeschafft.

Seit Chruschtschow bizarre Auftritte gewohnt

Vor allem solle die Vollversammlung mehr Rechte haben, und das Demokratiedefizit sei zu beseitigen. Am Schluß lobte der Revolutionsführer auch noch Barack Obama, als Kind seines Kontinents.

Ob sein Graffiti auf dem Mobiliar „Wir sind hier“ und das Zerreißen der Uno-Charta sinnstiftend war, läßt sich bezweifeln. So schlimm ist das aber auch nicht, schließlich sind die Vereinten Nationen seit Chruschtschow bizarre Auftritte gewohnt. Inhaltlich läßt sich an der Rede nichts bemängeln. Das scheint bisher nur noch niemandem aufgefallen zu sein. Oder gilt auch hier das ungeschriebene Gesetz, daß die Wahrheit nicht von jedem gesagt werden darf?

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