Die Ungläubigen und die Kirche

Ich höre genau hin und lese sehr aufmerksam, wenn Ungläubige sich über die Kirche äußern. Die Wahrnehmung eines Außenstehenden kann auf Sachverhalte aufmerksam machen, die man sonst leicht übersieht. Immer wieder bin ich auch überrascht, wenn ich sehe welch große Sympathie der Kirche entgegen gebracht wird von Menschen, die sich selbst als „nicht gläubig“ bezeichnen.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift eigentümlich frei findet sich ein sehr lesenswerter Beitrag von Michael Klonovsky mit dem Titel „Liebenswerte Religion – Sympathiebekundung eines Ungläubigen“. Der Schriftsteller und Journalist stellt fest, daß er mit fortschreitendem Alter immer katholischer wird – „aber nicht christlich“.

Was ihm an der Religion gefällt, ist einmal das Ästhetische. In der Architektur, der Malerei, der Literatur, der Musik hat sich gerade durch das Christentum eine hohe Kultur herausgebildet. Hohe Wertschätzung bringt Klonovsky auch den kirchlichen Riten gegenüber zum Ausdruck. Das Knien hält er für „eine sinnvolle Beschäftigung“ und dessen Abschaffung durch die Gedanken der Aufklärung für einen „Verlust“.

Glaubensüberzeugungen und Gebote

Weiter schätzt Klonovsky an der Religion, daß sie dem Menschen in schwierigen Zeiten Kraft gibt und daß sie durch ihre Moralvorstellungen Wegweisung bietet. Am interessantesten ist Klonovskys Kolumne da, wo er aufweist, daß die Menschen, die sich von der Religion losgesagt haben, meist Ersatzreligionen anhangen. Dies kann der Humanismus sein, die Ökologie, der Amerikanismus oder auch der Antiamerikanismus. Überall dort gibt es Glaubensüberzeugungen und Gebote.

Klonovsky gipfelt in der Schlussfolgerung: „Allerdings sind die Ersatzreligionen ziemlich lächerlich, weil deren Anhänger nicht zu glauben, sondern zu wissen meinen. Obendrein (und folglich) tendiert ihr Vermögen, Trost zu spenden gegen Null, ihre Verheißungen sind dürftig, ihre Riten ohne Glanz, ihre Tempel geheimnislos und bar jeden Zaubers.“

Ich bin Herrn Klonovsky dankbar für diese erhellende Darlegung. Bei der Suche nach der Wahrheit hat er einen guten Weg eingeschlagen und viel Richtiges erkannt. Mir fällt bei Konservativen oftmals auf, daß sie zunächst den ästhetischen und sozialen Aspekt der Kirche zu würdigen wissen und daher zumindest ein Kulturchristentum verteidigen.

Ernst Jünger, Gerd-Klaus Kaltenbrunner oder auch Caspar von Schrenck-Notzing sind von dort aus letztlich im Schoß der heiligen Kirche gelandet. Herr Klonovsky, gehen Sie auf dem eingeschlagenen Weg weiter, bitten Sie Gott um seinen Heiligen Geist und lassen Sie sich von diesem führen!

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