Der Siegeszug des „schlanken Fußballs“

Das Auf und Ab des FC Bayern, der mit massiven finanziellen Mitteln und immer neuen, vermeintlich namhaften Trainern krampfhaft versucht, an frühere Dominanz anzuknüpfen, steht für eine generelle Entwicklung im Fußball: Immer größere Betreuer- und Beraterstäbe mit krawattentragenden, „weltläufigen“ Trainern an der Spitze und immer teurere Spieler aus aller Herren Länder, ausgestattet mit astronomisch hohen Gehältern, sollen den Erfolg erzwingen.

Fußball muß sich heute „rechnen“, das frühe Ausscheiden aus einem Wettbewerb kann sich ruinös auf die Bilanz auswirken. Im Falle eines Mißerfolgs werden dann schnell einmal ein Trainer und dessen Entourage ausgetauscht – nicht selten mit ernüchterndem Ergebnis. Immerhin werden in einem derartigen Fall die für die Vermarktung des Fußballs unabdingbaren Massenmedien gut bedient; so zum Beispiel beim Abgang des „Motivators“ Jürgen Klinsmann, dessen vermeintliches Erfolgskonzept wohl nicht einmal er selbst verstanden hat.

Die neue „Einfachheit“ im Fußball

Diese Art von „modernem“ Fußball, wie er in Deutschland unter anderem durch den FC Bayern verkörpert wird, steht nun seit einiger Zeit ein neues, im Grunde aber altes Konzept gegenüber, das als „schlanker Fußball“ mehr und mehr Anhänger findet.

Ein bekannter Vertreter der neuen „Einfachheit“ ist der Trainer des Zweitligisten DJK Neckarau, Herbert („Hörbi“) Honnegiggl, dessen Verein gerade einen Sieg nach dem anderen feiert. Im folgenden sind, zur Verdeutlichung des Konzepts „schlanker Fußball“, einige Auszüge aus einem Interview zusammengestellt, das Sport-Blitz (SB) im Anschluß an das Spiel gegen den 1. FC Stahl Hülsdonk mit Honnegiggl geführt hat:

SB: Hörbi, die DJK Neckarau wird ihren Gegnern langsam unheimlich. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Honnegiggl: Des isch‘ halt die Sach im Spiel. Sie kenne des aach. Nur äner kann g’winne. Und des sin halt‘ immer öfta mir. Des isch‘ die Mieh, wo man sich gibt bei de Await.

Was machen Sie anders als andere?

Honnegiggl: Ha jo, des möscht isch so saache. Des is net aasgerechn’t. De Jungs sin halt uptimal modiviert. Sie träniere escht fleisisch und sind dawegge escht subba, so daß se mit vulle Pauer spielen und bei de andere so rischtisch reinschteige. Was ma ja wohl sieht!

Physisch voll auf Draht sein

Inwieweit ist Ihr Erfolg auf die „neue Einfachheit“ im Fußball, auch als „schlanker Fußball“ bezeichnet, zurückzuführen?

Honnegiggl: Wisse se, des läscht misch todal kalt, wie se des sehe wolle. Des isch nebesäschlich. Mir habbe kräftische Jungs, die phiesisch vull uff Draht sin‘. Des sin‘ net so pomadige Schlappekicker, sondern die Kerle könne sich vull reihänge. Wenn das „schlanker Fußball“ sei soll, soll es mer rescht sei.

Was muß ein Spieler mitbringen, wenn er bei Ihnen eingesetzt werden will?

Honnegiggl: Da isch sicher bin, daß der Ball aach weiterhin rund bleiwe wärd, halt isch die Fieß vun meine Leit praktisch immar noch ver das Wertvullschte an ihne. Und deshalb misse se aach weiterhin laafe, laafe, laafe!

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