Big Brother in den Alpen

Big Brother ist ein erfolgreiches TV-Konzept. Mann muss nur ein paar Vertreter des Prekariats in einem Raum isolieren, das Ganze mit ein paar Kameras rund um die Uhr überwachen und schon ist eine erfolgreiche und billig produzierte Fernsehsendung geboren. Abgerundet wird der Spaß mit ein paar B-Promis wie Verona Feldbusch, Dolly Buster oder Guido Westerwelle, die ein wenig Glamour versprühen dürfen. Das Konzept hat so durchschlagende Wirkung, daß es immer wieder zur Anwendung kommt.

Der letzte Kopist: das Schweizer Fernsehen DRS. Dort läuft seit einigen Wochen die Sendung „Alpenfestung – Leben im Réduit“. Den Hintergrund bildet der zweite Weltkrieg. 30 Personen sollen im Alpenraum in einer Artilleriefestung und auf einem Bauernhof leben und arbeiten. Die Teilnehmer sind mit den Kleidern, Waffen und Werkzeugen der damaligen Zeit ausgerüstet. Deshalb nennt das Schweizer Fernsehen sein Konzept auch in bestem Schweizerdeutsch ganz stolz „Living-History-Projekt“.

Historischer Hintergrund ist der Rückzugsraum (franz. Réduit) der Schweizer Armee, die Alpenfestung. Nachdem den Schweizern damals schnell klar war, daß sie bei einer direkten Konfrontation mit dem Deutschen Reich wenig Chancen hätten, verlegten sie einen großen Teil ihres Militärs in die Berge, das Flachland sollte preisgegeben werden. Im Falle eines Einmarsches von Deutschland wollte die Schweizer Armee die Verkehrswege durch die Alpen zerstören, so daß Italien keinen Nachschub von Deutschland erhalten hätte. Mit einem Partisanenkrieg sollte die deutsche Armee zermürbt werden. So weit kam es glücklicherweise nicht.

Auftritt der Fernshkrieger

Seit einigen Wochen sind die Fernsehkrieger nun eingerückt und wir dürfen den Alltag der heldenhaften Schweizer Armee in einer Festung bewundern. Und was wir da sehen dürfen: bei einem Marsch von vier Kilometern gibt der erste Soldat fast auf, weil er Blasen an den Füssen hat, schließlich sind die Schuhe so unbequem. Nach zwei Tagen muß der erste Soldat wegen Rückenschmerzen ins Lazarett, ausserdem glaubt er gegen Stroh allergisch zu sein. Und als ein Übungsschiessen mit scharfer Munition stattfinden soll, probt ein anderer Soldat den Aufstand, weil das zu gefährlich ist. Hinterher heult er, weil der Rückstoss des Karabiners zu stark war und jetzt die Schulter wehtut.

In Blogs und Diskussionsgruppen macht sich die halbe Schweiz über die Insassen lustig. Das Ziel der Sendung, nämlich das Leben von damals zu zeigen, wurde völlig verfehlt. Vielmehr zeigt die Sendung einen Typus Mensch, der heutzutage einen nicht zu unterschätzenden Teil der heutigen Bevölkerung ausmacht: der Heulsuse.

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