Konferenz in Oxford

Der Westen im Umbruch

Welche Rolle spielen Konservative noch in der Zukunft? Auf einer Konferenz im englischen Oxford trafen sich am vergangenen Wochenende 150 Politiker, Journalisten und Wissenschaftler aus Nordamerika und Europa, um an mehreren Tagen über die „Zukunft der westlichen Ideale“ zu diskutieren.

Die Britischen Inseln sind besonders geeignet, um über die politische Lage zu sprechen, denn das Land steht mit dem Drama des sich endlos hinziehenden Brexits im Zentrum der Krise der Europäischen Union. Auch ist die Kraft neuer „populistischer“ Bewegungen hier besonders gut zu beobachten. Die zwei traditionsreichen Volksparteien, Labour und Torys, sind schwer angeschlagen. Ihnen setzte in den vergangenen Jahren vor allem Nigel Farage zunächst mit seiner UKIP und seiner kürzlich neugegründeten und extrem erfolgreichen Brexit-Partei zu. Daß Boris Johnson Premierminister ist, verdanken die Torys nicht zuletzt dem Konkurrenzdruck der Brexit-Befürworter um Farage.

Keine deutsche Sondersituation

Ist das eine Erfahrung, die nun auch der CDU blüht? Auf der Konferenz in Oxford wurden deutsche Teilnehmer jedenfalls neugierig nach den Veränderungen in ihrer Heimat gefragt. Deutschland sei ein Schlüssel zur europäischen Krise. Werden wir uns irgendwann wieder wie ein normaler Staat verhalten? Und wir wurden gefragt: Haben die Christdemokraten in Deutschland noch eine Zukunft und sind sie überhaupt noch Adressat einer bürgerlich-konservativen Politik?

Undurchschaubar scheint Amerikanern das Selbstverständnis dieser Senkrechtstarter von der AfD: Ist das eine anti-christliche Partei? Wie weit radikalisiert sie sich und gibt es Optionen für konservative Regierungsbündnisse? Gute Frage.
Ein namhafter altgedienter britischer Journalist echauffierte sich bei einem Medien-Treffen nach der Konferenz, was sich die Deutschen da beschwerten über Linksdrift in den Redaktionen. Dann müsse eben ein neuer Rudolf Augstein oder Axel Springer ran!

Und was das mit dieser AfD solle! Könne man nicht einfach schlicht die CDU wieder auf einen richtigen Kurs bringen? Nach einem kleinen Schlagabtausch wuchs die Erkenntnis, daß die Misere einer linksdominierten Öffentlichen Meinung Konservative fast aller westlichen Länder gleichermaßen vereint und es hier keine deutsche Sondersituation gibt.

Können viel voneinander lernen

Wohl gibt es aber in Amerika eine tiefer verankerte Kultur der Philanthropie, eine Fülle an privaten Stiftungen, die den Boden für politische Projekte und Ausbildung von akademischem Nachwuchs bereitet. Im Gegenzug mußte mancher mit Überraschung registrieren, daß es eine vergleichbare, allein mit „Crowdfunding“ und ohne Großsponsoren organisierte Wochenzeitung wie die JUNGE FREIHEIT in anderen westlichen Staaten nicht gibt. Wir können viel voneinander lernen.

JF 38/19

Demonstration der AfD gegen eine Wahlkampfveranstaltung von Angela Merkel 2017 in Quedlinburg Foto: picture alliance/ dpa

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