Abschied von Manfred Brunner

Ein großer Idealist

Vor zwei Jahren besuchte ich mit meiner Frau Rom. Manfred Brunner hatte ich zuvor um Tips gebeten. Er hatte mir vorgeschwärmt, wie er Goethes „Italienische Reise“ zehn Jahre zuvor mit einem alten VW-Käfer etappenweise nachvollzogen und sich besonders in Rom verliebt habe.

Als wir nun dort waren, kam plötzlich eine SMS: „Lieber Herr Stein, ich komme für einen gemeinsamen Abendspaziergang nach Rom. Schlage vor, daß wir uns um 19.30 Uhr am Petersplatz treffen.“ Für eine Nacht flog er spontan von München nach Rom, nur um uns zu sehen und seine Lieblingsecken zu zeigen. Das entsprach seinem Wesen.

Seine Karriere opferte er seinen Überzeugungen

Seit seinem endgültigen Ausstieg aus der Politik 1999 spielte Manfred Brunner in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr. Er war über 20 Jahre in verschiedenen Funktionen für die FDP tätig gewesen, von 1983 bis 1989 als bayerischer FDP-Landesvorsitzender. Als Kabinettschef des deutschen EU-Kommissars Martin Bangemann in Brüssel tätig, wurde er 1992 nach seiner massiven öffentlichen Kritik am Experiment einer europäischen Einheitswährung kaltgestellt. Seine Karriere opferte er seinen Überzeugungen.

In einer Laudatio anläßlich der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises 2017 an Bruno Bandulet hatte Brunner hervorgehoben, diesem sei es nie um das „Gesehenwerdenwollen“ gegangen, auch nicht nur um die Sache oder nur um eine Idee. Vielmehr sei es diesem um Ideale gegangen. Ein Urteil, das auf ihn selbst zutraf. Er war ein großer Idealist.

In mehreren Phasen hat er mir und der JUNGEN FREIHEIT selbstlos geholfen. Als diese Zeitung 1995 widerrechtlich in den Verfassungsschutzberichten des Landes NRW erwähnt wurde, eröffnete Brunner einen jahrelangen Prozeß, der ab 2002 von Alexander von Stahl erfolgreich zu Ende geführt wurde. Mit seinem 1993 erstrittenen Maastricht-Urteil legte er den Euro-Plänen enge Fesseln an. Sein Bund freier Bürger kam 1994 zu früh, schlug aber mutig eine Bresche für eine notwendige politische Alternative, die 20 Jahre später in anderer Gestalt zum Erfolg führen sollte.

Humorvoller und belesener Geist

Brunner, ein mitreißender bayerischer Nationalliberaler im Geiste Thomas Dehlers, hat für seinen Idealismus einen erheblichen persönlichen Preis gezahlt. Dies verbitterte ihn nicht. Er blieb ein heiterer, humorvoller, unglaublich belesener Geist, dem Engstirnigkeit fremd war. Er mahnte, auch beim politischen Gegner die Person als Ganzes zu sehen und ihn auch in dessen mißglückten Aktionen noch „als ein Gegenüber, als einen Gesprächspartner“ anzuerkennen.

Im römischen Pantheon erzählte uns Brunner mit leuchtenden Augen, wie immer am Pfingstsonntag, im Anschluß an das Hochamt, Feuerwehrmänner Tausende Rosenblätter durch die große Öffnung in der Kuppel fallen lassen – als Symbol des Heiligen Geistes. Ihm ist er nun näher.

JF 27/18

Manfred Brunner (1947 – 2018) Foto: JF

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