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Streiflicht
 

Nachruf auf eine Ehrenpflicht

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Einige der vorerst letzten Rekruten des 5. Panzergrenadierbataillons 371 Foto: Bundeswehr/Bienert

Noch nicht ausreichend gewürdigt sehen wir den historischen Einschnitt, den der Abschied unseres Landes von der Wehrpflicht darstellt. Im Dezember letzten Jahres beschloß die Bundesregierung die „Aussetzung“ der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011. Zum letzten Mal traten am 1. Januar Wehrpflichtige ihren Dienst an, im thüringischen Bad Salzungen wurde am 17. März das letzte feierliche Gelöbnis von Wehrpflichtigen gefeiert. Jetzt sucht die Bundeswehr händeringend Freiwillige für den Dienst an der Waffe, um den Bedarf der „Armee im Einsatz“ künftig decken zu können.

Begründet wird die Aufgabe der Wehrpflicht mit rationalen Erwägungen. Unter anderem auch damit, daß in den vergangenen Jahren ein immer geringer werdender Anteil eines Jahrgangs überhaupt gezogen wurde. Auch werden finanzielle Gründe angeführt. Ob sich diese erhofften Einspareffekte angesichts ausbleibender Freiwilligenmeldungen einlösen lassen, darf bezweifelt werden. 

Will sich die Bundeswehr mit dem „freien Markt“ messen, dann werden die Personalkosten explodieren. Die Wehrpflicht hat jedoch nationalgeschichtlich weniger eine rationale, vielmehr eine große emotionale Bedeutung. Geschaffen wurde sie in Deutschland im Zuge der preußischen Reformen 1813 und steht symbolisch für die Mobilisierung der Wehrbereitschaft und des politischen Willens der ganzen Nation. Der Soldat war nun kein Söldner mehr, sondern ein Bürger in Waffen – unabhängig seiner Klassenzugehörigkeit.

Abschied von der Wehrpflicht ist ein politischer und kultureller Verlust

Dieser prinzipielle Appell des Staates, der jeden heranwachsenden Mann betrifft, hat eminenten Einfluß auf das politische Bewußtsein eines Volkes; übrigens auch für das Rollenverständnis der Geschlechter. Daß jeder Mann nicht nur sein individuelles Schicksal in der Hand hält, sondern sich auch für einige Monate seines Lebens in den Dienst seiner Nation stellt, wobei sogar die grundsätzliche Erwartung formuliert wird, daß er im Ernstfall sein Leben dafür einsetzt, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ – das gehört nun offiziell der Vergangenheit an.

Der Abschied von der Wehrpflicht ist ein politischer und kultureller Verlust, ein Menetekel: Es geschieht just in dem Moment, in dem das Land über seine Selbstabschaffung diskutiert! Wir verzichten darauf, jedem abzuverlangen, daß er sich wenigstens einmal in seinem Leben in den Dienst der Gemeinschaft stellt. Wir riskieren das Ende der Wehrbereitschaft und -fähigkeit des Volkes. Wir begeben uns der Aktivierung edelster patriotischer Gesinnung, des selbstverständlichen Dienstes am Vaterland, und setzen an Stelle dessen den profanen „Job“ von Sicherheitsdienstleistern in Uniform.

Die JUNGE FREIHEIT startet in der aktuellen Ausgabe eine Serie, in der JF-Redakteure sich an ihre Dienstzeit erinnern.

JF 17/11

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