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Rassismus kennt keine Hautfarbe: Warum Südafrika dringend Menschen wie Desmond Tutu braucht

Rassismus kennt keine Hautfarbe: Warum Südafrika dringend Menschen wie Desmond Tutu braucht

Rassismus kennt keine Hautfarbe: Warum Südafrika dringend Menschen wie Desmond Tutu braucht

Beerdigung des früheren Erzbischofs Desmond Tutu am ersten Januar in Kapstadt
Beerdigung des früheren Erzbischofs Desmond Tutu am ersten Januar in Kapstadt
Beerdigung des früheren Erzbischofs Desmond Tutu am ersten Januar in Kapstadt Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jaco Marais
Rassismus kennt keine Hautfarbe
 

Warum Südafrika dringend Menschen wie Desmond Tutu braucht

Ist das Leben eines Menschen mit weißer Hautfarbe mehr wert als das Leben eines schwarzen Menschen? Nein! Und ist das Leben eines Menschen mit schwarzer Hautfarbe mehr wert als ein weißer Mensch? Auch nein! Vor Gott sind alle Menschen gleich, sagt die Bibel und in Artikel 3 im Grundgesetz steht: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“.

Der Weg hierher war ein langer und vor allem ein blutiger. In den Vereinigten Staaten wurde erst 1964 mit dem „Civil Rights Act“ die Rassentrennung in den öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern, Bussen oder Restaurants aufgehoben. In Südafrika wurde die Apartheid sogar erst im Jahr 1991 vollständig abgeschafft.

Zuvor hatte der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk (National Party) die Weichen für das Ende der rassistischen Segregation gestellt. Er hob das Verbot des African National Congress (ANC) auf und ließ alle politischen Gefangenen frei. Damit kam auch Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft frei. Nach langen Verhandlungen zwischen De Klerk und Mandela über die Zukunft Südafrikas, trat am 27. Mai 1994 die neue Verfassung in Kraft, es fanden die ersten freien Wahlen für alle Südafrikaner statt und Nelson Mandela wurde zum ersten Präsidenten mit schwarzer Hautfarbe gewählt. Ein Jahr zuvor hatte er für seinen Kampf gegen die Rassentrennung den Friedensnobelpreis erhalten.

Morde an der weißen Bevölkerung

Südafrika feierte den Sieg über die Apartheid und die ganze Welt feierte mit. Doch was ist heute vom Geist der einstigen „Rainbow Nation“ übrig? Wie steht es um den Zusammenhalt der Bevölkerung und dem Traum von einer friedlichen kulturellen Vielfalt? Nelson Mandela ist seit 2013 tot und mit ihm verblaßt in Südafrika die Erinnerung an die Einheit der Menschen und der Überwindung von Haß.

Seit dem Ende der Apartheid sind tausende weiße Farmer ermordet worden. Das Motiv ist oft Haß auf Weiße. Nelson Mandelas Ausspruch „Ich verachte Rassismus, weil ich ihn für barbarisch halte, egal ob er nun von einem schwarzen oder weißen Menschen kommt“ gerät immer mehr in Vergessenheit. Vor allem an der europäischstämmigen Volksgruppe der Buren entlädt sich die Wut. Bei den Überfällen auf die Farmen werden die Menschen nicht einfach getötet, oft werden sie zuvor brutal gefoltert. Die Farmen werden gebrandschatzt und geplündert. Kritische Beobachter sprechen gar von einen „Genozid“ an den Buren.

Wie Haß gegen Weiße geschürt wird

Bei einer Dokumentation des Schweizerischen Runfunks mit dem Titel „Albtraum Südafrika – Hohe Kriminalität zwingt weiße Farmer zur Flucht“ aus dem Jahr 2020 wird die dramatische Situation der weißen Südafrikaner ungeschminkt beschrieben. Dabei wird klar, daß es sich nicht einfach um Kriminalität handelt, sondern um rassistisch motivierte Gewaltakte.

In einem Interview sagt Julius Malema, der Präsidenten der linkspopulistischen Economic Freedom Figthers (EFF), der drittstärksten Partei in Südafrika: „Wir haben nicht dazu aufgerufen, Weiße zu töten. Jedenfalls noch nicht. Ich kann nichts garantieren, für die Zukunft.“ Vom SRF-Reporter darauf angesprochen, ob dies denn kein Aufruf zum Genozid sei, entgegnet er: „Heulsusen! Ich rufe nicht dazu auf, Weiße abzuschlachten – noch nicht.“

Nach der Wahl Nelson Mandelas zum Präsidenten und der Abschaffung der Apartheid hätte es für einen Bürgerkrieg nicht viel gebraucht. Beide Seiten waren angespannt und zu allem bereit. Es war ein Wunder, daß es friedlich geblieben ist. Ein Wunder nannte es auch der damalige Erzbischof und Menschenrechtsaktivist Desmond Tutu.

Das Parlament in Kapstadt in Flammen

Der Weggefährte Mandelas und ebenfalls Friedensnobelpreisträger hat sich für die Versöhnung der Menschen und Gerechtigkeit unter ihnen eingesetzt. In den vergangenen Jahren hatte er sich vom ANC abgewendet. Ein Grund dafür war der Umgang der südafrikanischen Regierung mit dem Dalai Lama, dem geistigen Oberhaupt der Tibeter. Tutu entrüstete sich: „Der ANC hat nun eine große Mehrheit. Aber die hatten Mubarak und Gaddafi auch. Ich warne euch: Seid vorsichtig (…) Es wird der Tag kommen, da werden wir für das Ende des ANC beten.“

Nun ist auch Desmond Tutu gegangen und mit ihm eine wichtige Stimme der Vernunft. Südafrika braucht dringend Menschen wie ihn, Versöhner und keine Demagogen. Ausgerechnet am Tag seiner Bestattung, dem Neujahrstag, brach ein Feuer im Parlament aus.

Seit Tagen loderte das Feuer im Hause der südafrikanischen Demokratie. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, jetzt soll er vor Gericht kommen. Details sind noch nicht bekannt. Ob es nun ein technischer Fehler war, der zum Ausbruch des Feuers führte oder Brandstiftung, muß noch ermittelt werden. Das Feuer steht jedenfalls symbolisch für die Stimmung in Südafrika und es wird einem gewahr, daß Rassismus und Haß keine Hautfarbe kennen.

Beerdigung des früheren Erzbischofs Desmond Tutu am ersten Januar in Kapstadt Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jaco Marais
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