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Die Ohnmacht des Westens: Putin und die Pussy-Staaten

Die Ohnmacht des Westens: Putin und die Pussy-Staaten

Die Ohnmacht des Westens: Putin und die Pussy-Staaten

Putin
Putin
Wladimir Putin beim Besuch von Kanzler Olaf Scholz (SPD) Foto: picture alliance / EPA | SERGEY GUNEEV/KREMLIN POOL/SPUTNIK / POOL
Die Ohnmacht des Westens
 

Putin und die Pussy-Staaten

„Don’t be such a pussy“, sagt im englischen Sprachraum jemand, der seinen Gesprächspartner für total verweichlicht hält. Man könnte mit der Vokabel auch das Bild umreißen, das der russische Präsident von den westlichen Gesellschaften hat. In den vergangenen Wochen wurde angesichts des kriegsvorbereitenden Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ukraine in deutschen Medien oft die Frage gestellt: „Was will Putin? Warum tut er das?“ Die Antwort ist ganz einfach: Er will den Westen düpieren. Und er tut es, weil er es kann.

„Macht verdirbt, absolute Macht verdirbt absolut“, wußte bereits Baron Acton. Das kann so weit gehen, daß ein Autokrat die eigene Macht und Unverletzlichkeit nach Jahren unumschränkter Herrschaft so grotesk irrational überschätzt, wie es bei Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi zu diagnostizieren war.

Beobachter sind sich einig, daß der Präsident, seit der von ihm betriebenen Verfassungsreform de facto Herrscher der Russen auf Lebenszeit, heute ein anderer ist als der, der 2000 Boris Jelzin beerbte und einen denkwürdigen, sehr versöhnlichen Auftritt im deutschen Bundestag hatte.

Realistische Einschätzung Putins

Fatal erinnert sein Umgang mit der Ukraine an den des Hitler-Regimes mit der „Rest-Tschechei“ (wie die Ukraine vormals Teil eines Großreiches, als dessen Erbe der Hegemon sich verstand), bis hinein in feine sprachliche Details. Das „Protektorat Böhmen und Mähren“ war selbstverständlich keine schnöde Annexion, sondern die Deklaration eines Schutzgebiets. Auch Putin geht es nach eigenem Bekunden nur darum, die ethnischen Russen in der Ukraine zu schützen.

Man muß freilich nicht wie Gaddafi und Saddam an Realitätsverlust leiden, um wie ein Hegemon zu agieren. Es spricht vielmehr einiges dafür, daß Putins Angriff auf die Ukraine eine sehr realistische Einschätzung der Reaktion seitens EU und Nato vorausging.

Im Rückblick sehen die Besuche der deutschen Außenministerin von den pazifistischen Grünen, des französischen Wahlkämpfers Emmanuel Macron, der bezeichnenderweise in Mali gerade russischen Söldnern das Feld überläßt, und des schlafmützig auftretenden neuen deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz aus, als habe sich Putin lediglich einen letzten Rest an Überzeugung verschaffen wollen, daß von ihnen keine Gefahr droht, jedenfalls keine militärische.

Baerbock hatte mit der sowohl rhetorisch als auch fachlich bemerkenswerten Aussage: „Der härteste Knüppel wird am Ende nicht immer das intelligenteste Schwert sein!“ bereits im Januar deutlich gemacht, was von der neuen Bundesregierung im Konfliktfall zu erwarten ist. Statt harter Waffen gibt es harte Worte und gegen die harten Waffen der Russen Schutzhelme.

Fundamentale Verachtung für den Westen

Schon in der Syrienkrise hatte der Westen jegliche Entschlossenheit vermissen lassen, massive Menschenrechtsverletzungen durch eine militärische Intervention zu unterbinden. Warum sollte das jetzt anders sein? Trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse während der Trump-Ära hängt die EU verteidigungsstrategisch nach wie vor am Tropf der USA. Aber für die ist die Ukraine weit weg.

Putin dagegen gleicht einem sibirischen Tiger: Wenn er die Schwäche eines Beutetiers wittert und die Herde, in der es Schutz genießen könnte, nur ein wenig herumblökt, setzt er, seinen natürlichen Instinkten gemäß, zum Sprung an. Wenn man aus der Geschichte eines lernen kann, dann, daß schwache Gesellschaften irgendwann von starken übernommen werden. Schwäche ist immer eine Einladung an starke Potentaten, sich an ihnen zu vergreifen.

Doch es ist nicht nur berechnende Machtpolitik, die aus Putins die Invasion begleitender Rhetorik spricht, es ist auch eine fundamentale Verachtung für den Westen, dessen Zivilisation man beim Degenerieren zusehen kann wie einem Moribunden im Sterbebett. Putin weiß, daß er es in der EU mit Pussy-Staaten zu tun hat, mit dekadenten, debilen, ihrer selbst nicht mehr gewissen Kulturen im Niedergang. Ihre national-kulturelle Identität opfern sie praktisch kampflos vordringenden vitalen Einwanderern, die Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, verqueren Ideologen.

Multiple Neurose

Die eigene Nachkommenschaft huldigt einem ad absurdum geführten „Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung“ auf dem Altar einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Frauenbewegung, und in den Kreisen der Gebildeten wird allen Ernstes die Frage erörtert, ob man mit einem Geschlecht geboren wird oder sich dieses selbst aussuchen kann. Als hätte es noch eines allerletzten Beweises für die multiple Neurose bedurft, an der der Westen (einschließlich der USA) kollektiv erkrankt ist, konnte der russische Präsident in den vergangenen zwei Jahren mitansehen, wie eine universelle Angststörung die gesamte westliche Hemisphäre lähmte.

Natürlich werden die Sanktionen, die jetzt kommen – die einzige Waffe, die der Westen benutzen kann – schmerzhaft werden, für Rußland, aber auch für die EU. Am Iran läßt sich ablesen, wen harte Sanktionen wirklich treffen. Ausbaden wird es wieder mal der kleine Mann. Steigende Rohstoffpreise und eine immer deutlicher sich abzeichnende Geldentwertung plagen ihn schon jetzt. Die Aussichten für einen großen wirtschaftlichen Zusammenbruch, der wegen der katastrophalen EU-Finanzpolitik schon länger prognostizierbar ist, verbessern sich im gleichen Maße, wie Putins Muskelspiele sich ausweiten.

Wladimir Putin beim Besuch von Kanzler Olaf Scholz (SPD) Foto: picture alliance / EPA | SERGEY GUNEEV/KREMLIN POOL/SPUTNIK / POOL
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