Anzeige
Anzeige

Politische Negativauslese: Habeck ist ein toxisches Minister-Soufflé

Politische Negativauslese: Habeck ist ein toxisches Minister-Soufflé

Politische Negativauslese: Habeck ist ein toxisches Minister-Soufflé

Robert Habeck: Überfordert auf allen Ebenen Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
Robert Habeck: Überfordert auf allen Ebenen Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
Robert Habeck: Überfordert auf allen Ebenen Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
Politische Negativauslese
 

Habeck ist ein toxisches Minister-Soufflé

Nein, auf den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck trifft das Bild des abstürzenden Ikarus nicht zu, denn der lebte seine Tollkühnheit auf eigenes Risiko aus und trug am Ende die Konsequenzen seines Tuns. Habeck gleicht vielmehr einem Soufflé, das nun in sich zusammenfällt. Seine aufgeblähte Form, belehren uns die Kochbücher, erhält die Eiweißmasse durch die vielen kleinen, heißen Luftbläschen im Teig, die sich beim Backen ausdehnen. Kühlt die Masse ab, schrumpfen diese wieder, und die ganze Pracht fällt in sich zusammen.

Habecks Erklärung bei Maischberger: „Ich weise darauf hin, daß es nicht automatisch eine Insolvenzwelle geben muß, aber es kann sein, dass sich bestimmte Geschäfte nicht mehr rentieren und eingestellt werden“, ist die Empfehlung an den deutschen Mittelstand, dem ökonomischen Tod durch den Selbstmord vorzubeugen. Für das Image des Ministers dürfte das der definitive Kälteschock sein.

Die Medien haben beim Aufblasen dieses Eierauflaufs – der Kunstfigur des visionären Superministers und Kanzlers in spe – aktiv mitgewirkt. Gerade erschien ein kluger Artikel in der Welt, der die hintergründigen Botschaften der zahlreichen Titelbilder unter anderem in Zeit, Stern und Spiegel analysiert, auf denen Habeck als Cover-Boy posiert. Der Betrachter sieht einen Mann, der ernst, konzentriert, aber auch entrückt und ein wenig verletzlich zum Betrachter und zugleich an diesem vorbei blickt.

Schmierentheater ohne Substanz

Habeck wird präsentiert „als tiefsinniger Einzelgänger mit grübelndem Bürgersinn“. Andere Bilder zeigen ihn als zupackenden, vitalen Handwerker und entschlossenen Steuermann: „Unser nächster Kanzler?“ Was für eine überflüssige Frage! – Nachdem es nicht mehr so gut für ihn läuft, wird er zu „Leidfigur“ (Spiegel) stilisiert, der unser aller energiepolitischen Sünden auf seine Schultern lädt und für sie büßt. „Wenn er schwere Zeiten durchlebt, wird der existenzpolitische Ringkämpfer nicht zum Wutbolzen, sondern zum Melancholiker: Er sucht Trost in der Natur, der allein er sich in seinem Mandat verpflichtet weiß, zieht sich zurück und geht mit sich selbst ins Gericht, bevor er sich mit anderen berät, die sich zuvor einer ähnlichen inneren Wesensschau unterworfen haben.“

Man könne ihm „beim Denken zusehen“, heißt es in den journalistischen Habeck-Hagiographien. Wir wissen nun, daß es ein Schmierentheater ohne Substanz ist. Leider verzichtet der Welt-Artikel darauf, dessen politische Dimension herauszuarbeiten. Deutlicher wurde vor gut einem Jahr der Theaterdramaturg Bernd Stegemann in seinem Buch „Die Öffentlichkeit und ihre Feinde“. Stegemann hatte 2018 zusammen mit Sahra Wagenknecht die – erfolglos gebliebene – soziale Protestbewegung „Aufstehen“ ins Leben gerufen.

Habeck ein Neoliberaler?

In dem dezent verwuschelten Blondschopf erkannte er den professionellen Roßtäuscher: „Er kann in der künstlichen Situation der Bühne die differenzierten Gefühlsregungen absichtlich herstellen, und zugleich sollen diese hergestellten Gefühle wirken, als wären sie spontan entstanden und daher echt.“ Er bewege sich „scheinbar mühelos im Chaos der Zielkonflikte, reflektiert offensiv die Komplexität und wirkt bei alledem souverän und unideologisch“. Deshalb sei er der „Traumprinz der deliberativen Öffentlichkeit“ und die „Sehnsuchtsfigur der neuen Mittelschicht“ geworden. Diese „neue Mittelschicht“, das muß eingefügt werden, ist nicht wertschöpfend tätig, sondern schmarotzt am Beutewert des Staates. Die politische Dimension der Habeck-Inszenierung sah Stegemann darin, daß sie „nicht als Ausdruck der herrschenden Ideologie“ wirke. In Wahrheit verkörpere er den Neoliberalismus, dessen „Nicht-Ideologie“ darin bestehe, „als natürlicher Ausdruck von Intelligenz im Umgang mit Widersprüchen zu erscheinen“.

An dem Punkt verstellen die linken Scheuklappen dem Autor ein wenig den Blick. Der Neoliberalismus wird mit Deregulierung, Privatisierung, Zurückdrängung des Staates assoziiert. Habeck will das genaue Gegenteil. Recht hat Stegemann aber, wenn er insinuiert, daß Habeck nicht nur ein Schaumschläger, sondern auch ein knallharter Ideologe ist. Ohne Rücksicht auf Verluste will er die Realität in das Korsett seiner kruden Ideen pressen. Kenntnisse der Ökonomie sind da nur störend.

Ein Beispiel für Negativauslese

Zudem ist er ein eitler Egozentriker. Wie sonst könnte ein in Wirtschaftsfragen unbelecktes Nichts es wagen, ein Amt zu beanspruchen, das von Männern wie Ludwig Erhard (CDU) und Karl Schiller (SPD) ausgefüllt wurde? Otto Graf Lambsdorff (FDP), der schneidige „Marktgraf“, hatte zahlreiche Gegner – Stichwort „soziale Kälte“ –, doch auch bei denen war der Sachverstand des Ministers unstrittig. Kanzler Helmut Schmidt (SPD) wurde halb anerkennend, halb spöttisch als „Weltökonom“ tituliert. Der CSU-Chef und Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, der das Agrarland Bayern zu einer der leistungsfähigsten und wohlhabendsten Regionen Europas machte, hatte sich nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister 1962 (in Folge der Spiegel-Affäre) in das Studium der Wirtschaftswissenschaften gestürzt und verblüffte 1964 den Bundestag mit einem Debattenbeitrag über ökonomischen „Input“ und „Output“, der als „Put-Put-Rede“ in die Annalen des Parlaments einging.

Nein, nicht alles war früher besser, aber vieles schon, und man muß daran erinnern, daß der Wohlstand, wenn nicht für alle, aber für viele, kein Geschenk des Himmels war, sondern auch auf kompetenter Wirtschaftspolitik beruhte. Robert Habeck dagegen ist ein Beispiel für die Negativauslese, die heute bis in das Kapillarsystem von Staat und Gesellschaft hineinwirkt. Sie betrifft auch die Medien, die sogenannte „Vierte Gewalt“, die dieses Minister-Soufflé aufgeplustert hat. Ein System, das solche Auslese generiert, befindet sich im Stadium der Fäulnis. Das Habeck-Soufflé ist toxisch.

Robert Habeck: Überfordert auf allen Ebenen Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
Anzeige
Anzeige
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen