Grüne Energiepolitik ist teuer (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa-tmn | Catherine Waibel
Grüne Energiepolitik ist teuer (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa-tmn | Catherine Waibel

Strom- und Gaspreis
 

Grüne Energiepolitik: Serviert, wie bestellt

Ob die ersten Grünen-Wähler schon ihre Entscheidung bei der Bundestagswahl bereuen? Schließlich muß man für Hafermilch und Tofu immer tiefer in die Tasche greifen. Und dann noch die gestiegenen Heizkosten! Die höheren CO2-Preise werden sich auch eher früher als später auf die öffentlichen Verkehrsmittel niederschlagen. Nach und nach begreift nun der letzte Grün-Romantiker, daß die Klimapolitik sich nicht mit Idealismus finanziert, sondern richtig viel Geld kosten wird.

Dabei wird offensichtlich, daß die deutsche Klimapolitik nicht sonderlich sozial ist. Denn am härtesten trifft es die Menschen mit geringem Einkommen. Die Preissteigerungen könnten für viele Menschen sogar existenziell werden. Die Frage „Kaufe ich mir ein Kilo Obst, oder will ich es heute Abend warm haben?“ wird besonders Rentner, Alleinerziehende, Arbeitssuchende oder Geringverdiener beschäftigen.

Bei den Besserverdienern oder in der Oberschicht geht es zwar nicht um die wirtschaftliche Existenz, aber sehr wohl um eine Enteignung durch die Hintertür. Wer sich jetzt vor lauter Sozialneid die Hände reibt, sollte bedenken, daß ihr Geld die Wirtschaft am Laufen hält und Arbeitsplätze schafft.

Stromanbieter stehen vor dem Bankrott

In die wirtschaftliche Bredouille bringen die explodierenden Energiepreise viele Strom- und Gasanbieter. Zum Jahreswechsel kündigten sie ihren Kunden, weil sie Strom oder Gas nicht mehr refinanzieren konnten. Die Preise auf dem Handelsmarkt waren exorbitant angestiegen. Von einem Tag auf den anderen waren Millionen Verbraucher ohne Energielieferanten. Zwar wurden der Strom und das Gas nicht abgedreht, die gekündigten Verbraucher beziehen aber jetzt ihre Energie aus der Grundversorgung; die ist um ein Vielfaches teurer als die aufgekündigten Tarife.

Inzwischen sind es 35 Billiganbieter, die wegen der 400prozentigen Teuerung ihre Verträge haben auslaufen lassen. Es könnten noch mehr werden. Manche Lieferanten mußten sogar Insolvenz anmelden, andere erhöhen massiv ihre Tarifpreise. Bei vielen laufenden Verträgen haben sich die Gaspreise sogar verdoppelt. Beim Strom könnten auf Verbraucher in einem „Musterhaushalt“ jährliche Zusatzkosten von durchschnittlich 1.000 Euro zukommen.

An dieser Stelle sollten wir innehalten und der neuen Regierung voller Demut danken. Danken dafür, daß der Einkaufspreis für Strom nur etwa ein Viertel des Endkundenpreises ausmacht. Das andere Viertel muß für Netzentgelte bezahlt werden und der Rest sind Steuern. Mit denen retten wir dann die Welt. Also, nochmals danke!

Es droht die Energiearmut

Frieren kennen die Jungen nicht mehr. Sie sind es gewohnt, die Raumtemperatur auf das Grad genau regulieren zu können. Ist es zu heiß, schaltet man Klimaanlage oder Ventilator an. Ist es zu kalt, dreht man die Heizung rauf. Die dramatische Lage am Energiemarkt wird langfristig Abertausende Haushalte in die Energiearmut treiben.

Ein Blick auf die britische Insel gibt uns einen Vorgeschmack auf die klimaneutrale Zukunft: Dort können bald Millionen Verbraucher ihre Heizrechnungen nicht mehr bezahlen. Der britische Energieversorger SSE hat seinen Kunden unlängst eine E-Mail geschickt, in der Tipps zum Heizkostensparen aufgelistet wurden. Frierende Kunden sollen mit einem Haustier und einem zweiten Frierenden kuscheln, Hula-Hoop machen oder Ingwer verzehren, um sich warm zu halten.

Zwar hat Energiewende-Minister Robert Habeck noch nicht zum Kuscheln aufgerufen. Geht die politische Verzögerung der Inbetriebnahme von Nord Stream 2 aber weiter, wird man die neue Klimagerechtigkeit auch in den deutschen Wohnzimmern spüren.

Grüne Energiepolitik ist teuer (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa-tmn | Catherine Waibel
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