Der Gründer des "Zentrums für politische Schönheit", Philipp Ruch, hat in den Bundestagswahlkampf gegen die AfD eingegriffen (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa | Michael Reichel
Der Gründer des „Zentrums für politische Schönheit“, Philipp Ruch, hat in den Bundestagswahlkampf gegen die AfD eingegriffen (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa | Michael Reichel

„Zentrum für politische Schönheit“
 

Pyromanen der Demokratie

„Was haben wir gelacht!“ So oder ähnlich müssen sie geklungen haben, die Reaktionen in den antirechten Redaktionsstuben der Republik, als der „Coup“ des selbsternannten „Zentrums für politische Schönheit“ (ZPS) gegen die AfD im Bundestagswahlkampf bekannt geworden ist. Die Mitglieder des politischen Aktionskollektivs hatten ein Scheinunternehmen gegründet und mit diesem im großen Umfang Aufträge der AfD zur Verteilung von Flugblättern angenommen, die für die Wahl der Partei werben sollten. Wirklich geplant, diese zu verteilen, hatten die Scheinunternehmer und Möchtegernkünstler um den Linksradikalen Philipp Ruch nie.

Angenommen haben sie das Werbe-Material in Millionen-Auflage dennoch. Nur wenige Tage vor der Bundestagswahl hat die Gruppe den betreffenden Kreisverbänden und Bundestagskandidaten der AfD dann per E-Mail mitgeteilt, daß die Flyer aus „organisatorischen Gründen“ nicht verteilt werden „können“.

„Betrug“ könnte man sowas nennen oder auch einen Eingriff in die Wahl. Es wäre auch nicht übertrieben, von einer Attacke auf die Grundprinzipien der parlamentarischen Demokratie zu sprechen. All das würde wohl auch so angeprangert werden; handele es sich bei dem Opfer der „Performance“ nicht um die AfD.

Medien feiern das „Zentrum für politische Schönheit“

Alles, was die Rechtspopulisten so klein wie irgendwie möglich hält, scheint erlaubt. So feixt die Frankfurter Rundschau: „Fünf Millionen Flyer der AfD für die Tonne“. Auch bei der Rheinischen Post können die Redakteure ihre klammheimliche Freude darüber, daß die doofe AfD dem ZPS „auf den Leim“ gegangen ist, kaum verhehlen.

Viele Medien lassen die „Künstlergruppe“ ausführlich zu Wort kommen. Auch die „Tagesschau“ zitiert auf ihrer Internetseite genüßlich die süffisanten Ausführungen der Wahlkampfverhinderer: „Wir waren faul wie die Waschbären und taten absolut gar nichts“, erklärte das ZPS und verwies dabei flachwitzig auf die „Besondere Helden“-Werbespots, die die Bundesregierung zur Corona-Krise ausstrahlen ließ, um die Bürger dazu aufzurufen, zuhause zu bleiben.

Der Bericht der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmacher liest sich wie eine Presseerklärung des ZPS, in der sie genüßlich darauf hinweisen, daß die AfD das Material an eine „windige Firma ohne Handelsregistereintrag“ und mit der „Geschäftsadresse Zentrum für politische Schönheit“ geliefert habe. Die AGBs ihrer Fake-Firma, so führen die Verantwortlichen aus, hätten die Verteilung von „Propaganda und Falschaussagen“ sowie die – von ihnen selbst angebotene – Verbreitung von Werbematerialien „politischer Parteien“ ausdrücklich ausgeschlossen. Das ist in etwa die geistig-moralische Grundlage, auf der auch Drücker-Kolonnen und Anbieter von Kaffeefahrten, ihr Handeln juristisch aufbauen.

„Zentrum für politische Schönheit“ bittet um Spenden

Daß die Freude über den „gelungenen Streich“ auch in ARD-Redaktionen geteilt wird, läßt ein Tweet des „Investigativjournalisten“ Daniel Laufer durchblicken. Der Redakteur der Sendung „Kontraste“ teilt auf seinem Twitter-Account ganz offen und offensichtlich gerne das Bild, das derzeit auch die Homepage des Zentrums für politische Manipulation „schmückt“. Darauf zu sehen: Ein Feuerwehrmann, der symbolisch die AfD abfackelt.

Das ZPS bittet derweil um Spenden, mit der sich die Bürger an der Finanzierung ihres nun drohenden Rechtsstreits mit der AfD beteiligen sollen. Der ein oder andere Euro von den Demokratie-Pyromanen in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dürfte ihnen sicher sein. Das ZPS darf sich bereits jetzt für ihre Gebühren bedanken.

Der Gründer des „Zentrums für politische Schönheit“, Philipp Ruch, hat in den Bundestagswahlkampf gegen die AfD eingegriffen (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa | Michael Reichel
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