LMV Diagnose PANikDEMIE
Der neue "TV total"-Moderator Sebastian Pufpaff wird schon für die richtige Haltung sorgen Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
Der neue „TV total“-Moderator Sebastian Pufpaff wird schon für die richtige Haltung sorgen Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

ProSieben
 

Haltung total

Gerade erst hat die große Revival-Show von „Wetten, dass..?“ für großen Erfolg bei den Zuschauern und für viel Unmut und Haß bei Vertretern der Social Justice Warriors auf Twitter und im deutschen Kulturjournalismus gesorgt. Nun soll eine Fernsehsendung wiederbelebt werden, die, obgleich ihre letzte Ausstrahlung gerade mal rund sechs Jahre her ist, zu denen gehört, bei denen man sich eine Rückkehr unter den strengen Augen der Privatzensoren eigentlich kaum vorstellen konnte.

Das Late-Night-Format „TV total“, mit dem der Entertainer Stefan Raab einst seinen großen Durchbruch schaffte, war eine der letzten großen Comedy-Shows, in der sich noch ganz demokratisch über alles und jeden lustig gemacht wurde. Alle Parteien des politischen Spektrums blieben von den oft derben Witzen des Kölner Metzgergesellen genauso wenig verschont wie sämtliche Randgruppen, die heute unter besonderem Artenschutz der Wachhabenden der Woke-Bubble stehen.

Diejenigen, die hoffen, diese Demokratie ein für alle Mal überwunden zu haben, scheinen deshalb schon in Sorge zu sein, daß der Geist der „alten, weißen Männer“ nun doch noch einmal aufersteht. Der Journalist Stefan Niggemeier, Gründer und Herausgeber des „Bildblog“ und von „Übermedien“ sowie moralischer Oberwachhund der deutschen Medienszene, hat nach der offiziellen Verkündung des „TV total“-Comebacks hastig einen 22 Jahre alten Ausschnitt der ersten Folge der Show herausgesucht, den er als besonders empörend empfand.

Raab blieb seinem pubertären Humor treu

„Ein Blick in die ersten Folgen `TV total` von vor 22 Jahren ist auch ein Blick in eine hoffentlich vergangene Fernsehzeit“, schrieb die verkniffene Chef-Spaßbremse der politisch-korrekten Medienkultur in seinem Tweet zu dem Video, in dem ein zumindest für die damalige Zeit völlig harmloser Witz über Patrick Lindner gemacht wird. Der Schlagerstar nahm damals an der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. Daß der Sänger bei dem Wettbewerb nur den sechsten Platz belegte, kommentierte Raab mit den Worten: „Die Leute, die ihn kennen wissen, er rollt das Feld ja viel lieber von hinten auf.“

Daß der Moderator mit seinem zugegeben etwas lauen Scherz ganz offen auf die Homosexualität des Schlagerkünstlers anspielte – und dies auch noch durch eine besondere Aussprache betonte, ist für Niggemeier natürlich etwas, was gar nicht geht. Heute nicht und eigentlich auch schon nicht vor 22 Jahren.

Dabei hätte der Medienwächter gar nicht soweit in der Zeit zurückgehen müssen, um sich so richtig schön empören zu können. Raab ist sich und seinem zotigen – mitunter pubertären – Humor schließlich bis zuletzt treu geblieben. Ein Running-Gag, den der Erfolgsproduzent in all den Jahren fast immer raushaute, wenn eine Zeitungsmeldung oder ein TV-Ausschnitt ihn auf das Thema Homosexualität brachten, war: „Ich war früher auch mal schwul, bis die Ärzte mir geholfen haben.“

Früher zählte noch Talent in der Showbranche

Aufgeregt hat sich damals keiner. Oder kaum einer. Auch der Großteil der Betroffenen hat sich damals noch nicht deswegen ins Designerhemd gemacht und konnte oft sogar selbst darüber lachen. Viele könnten es wohl auch heute noch, sofern sie nicht zur medialen Kaste von Stefan Niggemeier gehörten und auf dem professionellen Beleidigtsein ihr gesamtes Einkommensmodell aufgebaut hätten.

Schwule und Lesben aus jener Generation, in der man es in der deutschen Showbranche noch mit Talent und nicht mit besonders lautem und intensivem Rumgeopfere zu Ruhm und kommerziellem Erfolg brachte, gaben sich bei der Original-Version von „TV total“ die Klinke in die Hand und schienen sich neben dem „homophobe“ Witze reißenden Raab sichtlich wohlzufühlen. Dirk Bach, der „Lindenstraßen“-Star Georg Uecker oder Komikerin Hella von Sinnen gehörten fast schon zum Inventar der Show.

Bei Witzen über Randgruppen galt damals noch das Prinzip, das der Publizist Henryk M. Broder in Gesprächen gerne etwa wie folgt zusammenfaßt: Man kann über alles Witze machen, solange hinter dem Witz kein Vernichtungswille steht. Wenn jemand tatsächlich einen solchen Vernichtungswillen hinter seinen Witzen verbirgt, so sagt er, würde man es eigentlich immer sehr schnell merken.

Ein Linksideologe wird neuer „TV total“-Showmaster

Wir wären gut bedient – und hätten vor allem wieder deutlich mehr miteinander zu lachen –, wenn wir es schaffen würden, zu diesem Prinzip zurückzukehren. Wobei man das natürlich nur noch mit Einschränkung sagen kann. Denn die paranoide PoC-Aktivisten-Blase und all die anderen Berufsopfer auf Twitter und Co. würden sicherlich jedem, der einen Witz über ihre „Community“ macht, jenen Willen zur Vernichtung des Gegenübers diagnostizieren, den sie in den meisten Fällen eigentlich ausschließlich selbst haben.

Der Übermedien-Mensch Niggemeier muß sich allerdings keine Sorgen machen, daß das Comeback von „TV total“ tatsächlich die vergangene Fernsehzeit zurückbringen wird. Moderiert wird die Neuauflage nicht von Stefan Raab, sondern von dem Kabarettisten Sebastian Pufpaff. Der tritt sonst in Sendungen wie der „Die Anstalt“ oder der ZDF-„heute-show“ auf und gehört zu den führenden Linksideologen auf den deutschen Kleinkunstbühnen.

Mit dem erfrischend politisch absolut unkorrekten Comedy-Dadaismus, den Stefan Raab einst jeden Abend seinen Zuschauern präsentierte, dürfte die Pufpaff-Variante also nur noch wenig bis gar nichts mehr zu tun haben. Das würde der Sender mit der inzwischen auch politisch ziemlich rot eingefärbten sieben heute vermutlich auch nicht mehr zulassen. Bei einem Auftritt bei „Late Night Berlin“ verriet der neue Moderator seinem Gastgeber Klaas Heufer-Umlauf zwar, daß sich die Neuauflage auf die Grundsteine von „TV Total“ zurückbesinnen wolle.

Comedy soll Haltung zeigen

Spätestens der Zusatz, daß er und sein Team sich dabei nicht mehr nur auf TV-Ausschnitte beschränken wollen, sondern auch auf Social Media zurückgreifen werden, läßt aber bereits erahnen, wer da „zur Abwechslung mal“ so richtig durch den Kakao gezogen werden wird. Auch ein „Außeneinsatz“ Pufpaffs, bei dem der Moderator Linken-Politiker Gregor Gysi interviewen wird, wurde bereits angekündigt.

Das dürfte doch alles schon deutlich mehr nach dem Geschmack von Genosse Niggemeier und den Seinen sein. Auch Comedy muß heute schließlich nicht mehr in erster Linie lustig sein, sondern vor allem Haltung zeigen.

Der neue „TV total“-Moderator Sebastian Pufpaff wird schon für die richtige Haltung sorgen Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
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