Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Die Simpsons trennen, Coca-Cola und Disney belehren, der ESC zeigt Mut
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Es war eine gute Woche für die Toleranz. So dürfte es wohl zumindest das vermeintlich besonders progressive Klientel in der sogenannten „Woke Bubble“ sehen. Jener politischen Blase, in der man, im Namen der Abschaffung jeglicher Diskriminierung, alles erneuern will und dabei, ohne es zu bemerken, der allgemeinen Ignoranz und Rassisten jeglicher Couleur ein ungeahntes Comeback verschafft.

In der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ wird es künftig strenge Rassentrennung geben. Zumindest, was die amerikanischen Synchronsprecher angeht. Weiße sollen dort in Zukunft keine dunkelhäutigen Charaktere mehr sprechen. Nachdem der weiße Schauspieler Hank Azaria nach einem vorwurfsvollen Dokumentarfilm und Protesten aus dem Internet bereits im letzten Jahr erklärt hatte, künftig auf die Synchronisation des indischen Ladenbesitzers Apu verzichten zu wollen, wurden nach und nach auch die Sprecher der anderen gezeichneten Charaktere rassengemäß ersetzt.

Zuletzt traf es nun die englische Stimme des Arztes Doktor Hibbert. Dessen bisheriger Sprecher, Harry Shearer, wird durch den schwarzen Schauspieler Kevin Michael Richardson ersetzt. Ab wann schwarze und weiße Kinder im legendären Schulbus der Serie getrennt sitzen werden, haben die Simpsons-Macher noch nicht bekanntgegeben. Ich fürchte, wir werden es noch erleben.

Cola-Leitfaden: „Brich mit weißer Solidarität“

Anders als in der Zeichentrickwelt von Springfield sollen Weiße im echten Leben natürlich nicht allzu weiß sein. Das machte jetzt ein „Antirassismus-Training“ des amerikanischen Großkonzerns Coca-Cola deutlich. Dort wurde den Mitarbeiter des wohl erfolgreichsten Getränkeherstellers der Welt geraten, „weniger weiß“ zu sein.

Einen Leitfaden, wie das geht, gab das Sensibilitätsseminar den Angestellten auch gleich an die Hand: „Sei weniger unterdrückend, sei weniger arrogant, sei weniger sicher, sei weniger defensiv, sei weniger ignorant, sei bescheidener, höre zu, glaube, breche mit der Gleichgültigkeit, brich mit der weißen Solidarität“, hieß es in der entsprechenden Video-Schulung, deren Entwickler im Weißsein offenbar so viel Schlechtes sehen, daß ihr Seminar fast schon einem Exorzismus gleicht, bei dem den Teilnehmern das abgrundtief böse Weißsein ausgetrieben werden soll.

Seit dieser Woche wissen wir aber auch: Auch Grüne können rassistisch sein! Gemeint sind natürlich nicht politisch Grüne. Von denen wußte man es, je nach eigener politischer Ausrichtung, entweder sowieso schon immer oder wird es, was da auch komme, niemals glauben. Gemeint ist der froschgrüne Puppen-Entertainer Kermit. Nach „Peter Pan“, dem „Dschungelbuch“, „Dumbo“ und „Aristocats“ bekommen jetzt auch die „Muppets“ einen politisch korrekten Warnhinweis vom neuerdings so superaufgeweckten Disney-Konzern verpaßt. Gewarnt wird vor gar schrecklichen Dingen wie nach Öl bohrenden Arabern und Gemüse, das von einem Mexikaner dirigiert wird.

Wer woke ist, kann sich entspannt zurücklehnen

„Dieses Programm enthält negative Darstellungen und/oder Mißhandlungen von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotypen waren damals falsch und sind auch heute falsch“, belehrt der Familiensender, gegen den selbst Netflix noch eine rechte und reaktionäre Plattform des Hasses ist, seine Zuschauer, die sich all das vermeintlich rassistische Zeug aus den Zeiten, als alle Menschen dumm waren, heute tatsächlich noch ansehen wollen. Bei dem zukünftig zu erwartenden Programm möchte man fragen: Bis du „woke“ oder schläfst du schon?

Wer noch „woke“ ist, der kann sich entspannt zurücklehnen und den Eurovision Song Contest genießen. Dort tritt für Deutschland in diesem Jahr der homosexuelle Sänger Jendrik mit Ukulele und dem Song „I Don’t Feel Hate“ an, einem Lied gegen Rassismus, „Homophobie“ und Haßrede. Ein Thema, das beim ESC sicherlich ganz schön provozieren wird!

Man fragt sich: Auf welche mutigen und innovativen künstlerischen Performances dürfen wir uns wohl als nächstes freuen? Einen bekennenden Apfelweinliebhaber, der beim Frühlingsfest der Volksmusik ein fröhliches Schunkellied anstimmt? Einen schwarzen US-Rapper, der beim „Splash Festival“ über den eigenen kommerziellen Erfolg rappt? Einen blassen dünnen Jungen, der bei einem Open-Mic-Comedy-Wettbewerb vor überwiegend studentischem Publikum antikapitalistische Witze über die katholische Kirche reißt? Eines ist in jedem Fall sicher: Die Zeiten für Gratismut sind und bleiben sehr, sehr günstig.

 

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