Twitter-Blase
Die linke Twitter-Blase ist leicht in Erregungszustand zu versetzen Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/M. Gann
#WirFrauengegenMerz

Die menschenfreundliche Meute

Der Ruf nach mehr jungen, engagierten Frauen in der Politik gehört zu den meistbeschworenen Mantras unserer Zeit. Vor allem in linken Kreisen gilt mehr weibliche Teilhabe als zentral wichtig auf dem Weg in eine bessere, menschlichere und in jeder Hinsicht weniger toxische Zukunft. Es gibt allerdings eine kleine Einschränkung: Wirklich erwünscht ist das Engagement von starken, selbstbewußten Frauen oftmals nur dann, wenn diese auch die gewünschte (linksgrüne) Meinung vertreten.

Anderenfalls werden sie mit sämtlichen Mitteln fertig gemacht, die der „progressive“ Mob dem alten, männlich geprägten System sonst vorwirft. Das mußte zuletzt die Bielefelder Wirtschaftswissenschaftsstudentin Katharina Schwarz feststellen. Die 20jährige ist nicht nur in der CDU aktiv – statt „alters- und geschlechtsgemäß“ in der Linken, der SPD oder bei den Grünen –, sondern gehört auch noch zu den Frauen in der Union, die sich für Friedrich Merz als neuen Vorsitzenden einsetzen. Als ob all das noch nicht genug wäre, um sich gänzlich unbeliebt zu machen, trat sie auch noch in einem Talk-Format der Bild-Zeitung auf, um dort für den Kandidaten ihrer Wahl zu werben.

Natürlich ist nüchtern betrachtet eigentlich nichts von dem irgendwie verwerflich. Nüchtern ist aber nun mal nicht gerade der Normalzustand in der linken Blase. So brachte spätestens der Auftritt beim verhaßten Springer-Medium für viele das Faß zum überlaufen. Vor allem auf Twitter kannten Häme und Verachtung gegenüber Schwarz keine Grenzen mehr. Die Seite „UnionWatch“ (ja, so eine Seite gibt es tatsächlich), der die konservative CDU-Nachwuchskraft schon lange ein Dorn im Auge ist, feuerte noch am selben Tag eine ganze Salven von Tweets gegen das Mitglied des Social-Media-Teams der Union.

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Wesentlich mitlosgetreten hatte den Shitstorm eine junge Grüne. Diese hatte auf ihrem privaten Account und offenbar in der Annahme, man sei dort ja sowieso nur unter Gleichgesinnten, über Schwarz’ äußere Erscheinung abgeledert. Das ist vor allem auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Betreiberin dieses privaten Twitter-Accounts ausdrücklich als Feministin bezeichnet und sich sonst gerne ausgiebig darüber ausläßt, wie schwer es Frauen in der Politik auf Grund der sexistischen Angriffe toxischer Männer doch hätten.

Alles ist erlaubt, solange es nur die Richtigen trifft

Fairerweise sollte man erwähnen, daß sich die Verfasserin des Tweets inzwischen ausführlich bei Katharina Schwarz entschuldigt hat. Da jedoch war das Kind allerdings schon in den Brunnen gefallen. Nachdem der beleidigende Tweet bekannt wurde und etliche, vor allem liberalkonservative Nutzer, sich mit der CDU-Frau solidarisierten, legte sich bei vielen im linksgrünen Lager endgültig ein Schalter um. Nicht wenige waren offenbar der Meinung, daß der Ursprungstweet noch nicht beleidigend genug gewesen sei. UnionWatch behauptete zwischenzeitlich sogar, der sich im Umlauf befindende Screenshot sei gefälscht.

Von „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ wechselte die Bubble dann auch schnell zu: Alles ist erlaubt, solange es nur die Richtigen trifft. Dort, wo sonst jeder noch so harmlose Witz über Äußerlichkeiten einer Frau als „Bodyshaming“ und damit als eine der unzähligen „Spielarten des neuen Faschismus“ verurteilt wird, tut man das Herziehen über die Haare und das Gesicht der politischen Gegnerin im Bild-Gespräch als Kritik an ihrer politischen Haltung und dem Medium, in dem sie auftrat, ab. Denn diese seien schließlich „menschenfeindlich“ findet unter anderem der Menschenfreund Miguel Robitzky.

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Auch die verifizierte Quarantäne Quattromilf twittert: „Wußtet ihr, daß wenn ihr der menschenfeindlichen Bild ein Interview gebt, weil ihr Team Merz seid, ihr nicht dafür kritisiert werden dürft, weil das dann victim blaming ist? Recht haben sie ja, wer Team Merz ist, ist schon auch ein Opfer!“

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„Was für ein glückliches und bequemes Leben muß man bisher geführt haben, um Spot als Hatespeech zu vermarkten und dafür sogar in Kauf zu nehmen, einen wichtigen politischen Begriff zur Bedeutungslosigkeit zu verdammen?“ schreibt die feministische Autorin, Sibel Schick, die sonst selbst jeden Spot(t) gegen die eigene Person als „Hatespeech“ vermarktet und  sich offenbar um die eigene Markt- und Deutungshoheit in diesem Bereich sorgt.

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Die Äußerungen reihen sich niveaumäßig nahtlos ein in die geistigen Ergüsse, die man auf Twitter derzeit unter dem aktuellen Trend-Hashtag #WirFrauengegenMerz findet, wo der „menschenfreundlichen“ Meute keine Beleidigung zu verletzend und keine dunkle Prophezeiung zu hysterisch ist, wenn es darum geht, die ultimative „Katastrophe für alle Frauen in Deutschland“ zu verhindern.

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