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Der Kampf gegen Rassismus hat sich für einige Akteure zum lukrativen Geschäftsmodell entwickelt (Symbolbild) Foto: picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini
Der Kampf gegen Rassismus hat sich für einige Akteure zum lukrativen Geschäftsmodell entwickelt (Symbolbild) Foto: picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini

Antirassismus und soziale Medien
 

Angst um die ultimative Einnahmequelle

Ein Text des Tagesspiegels sorgt seit Tagen für große Aufregung in der politisch korrekten Online-Blase. In ihrem Meinungsstück „Wenn Weiß-Sein zum Makel gemacht wird“ schreibt die Autorin Fatina Keilani über den vermeintlichen „Kampf gegen Rassismus“ und darüber, wie dieser von einigen zu einem lukrativen „privaten Geschäftsmodel“ gemacht wird.

Als Paradebeispiel dafür nennt sie eine „twitternde Vierfachmutter“. Gemeint ist Jasmina Kuhnke. Die afrodeutsche Serbokroatin behauptet von sich selbst, „Stand-Up-Comedian“ und Comedy-Autorin zu sein. Auf einer Bühne oder im TV sieht man sie allerdings eher selten.

Was sie schreibt, ist recht häufig aber tatsächlich komisch, manchmal sogar unfreiwillig witzig. „Von Lehrerinnen hat sie die Prognose bekommen: Aus dir wird nie etwas“, heißt es auf der Homepage ihrer Künstleragentur. Nun, ihre Lehrer haben offenbar nicht mit Twitter gerechnet.

„Jasmina Kuhnke twittert gegen rechts“

Dort nennt sie sich selbst „Quattromilf“. Der Name ist eine Abkürzung, die laut Eigenangabe bedeutet: „Mom I’d like to follow.“ Alles andere wäre für eine Mutter von vier Kindern ja auch viel zu porno. Mehr als 72.000 Nutzer folgen Kuhnke auf Twitter. Was durchaus beachtlich ist für eine Person des öffentlichen Lebens, die am Großteil der Öffentlichkeit bislang weitgehend vorbeigegangen sein dürfen. Wobei sie selbst betont, daß die Anzahl der Follower einen nicht besser mache. Hitler hätte schließlich Millionen Gefolgsleute gehabt und Jesus nur zwölf.

Die Selbstbeschreibung gibt einem – bei aller ebenhölzernen Ironie – schon einen ganz guten Einblick in die Gedankenwelt der Identitären von links, die sich den ganzen Tag mit nichts anderem als ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft zu beschäftigen scheint. „Jasmina Kuhnke twittert gegen rechts“ titelte einst der Spiegel. 

In Wirklichkeit twittert sie aber einfach gegen jeden, der eine andere Meinung hat, über den angeblich allgegenwärtigen Alltagsrassismus und vor allem ganz viel über sich selbst. Kuhnke ist der Twitter-Account gewordene Mensch, der voller Stolz und hysterisch lachend im Minutentakt die eigene geistige Schlichtheit in die Welt hinausposaunt und alles als clownesk empfindet, was den eigenen Horizont übersteigt.

Eigene Meinungen werden vom linken Meinungskollektiv bestraft

Ein Blick in ihre Tweets zeigt schnell, daß sie sich – da unterscheiden sich Realität und Twitterbio – natürlich schon für besser als andere hält. Jedenfalls dann, wenn diese anderen weiß, älter und männlich sind. Mit dem konservativen Kolumnisten Don Alphonso befindet sich die 24/7-Twitter-Milf in einem nicht enden wollenden Dauer-Clinch, in dem sie natürlich das Opfer ist. Schließlich entspricht nicht nur das Pseudonym des Bloggers Rainer Meyer jedem identitätspolitischen Klischee mit dem Kuhnke und ihre Bubble „das Böse“ identifizieren.

Bei Fatina Keilani sieht die Sache eigentlich anders aus. Sie ist offenkundig kein alter weißer Mann mit Domizil am Tegernsee. Auch schreibt sie für den Tagesspiegel und nicht für die böse FAZ oder die noch bösere Welt. Sie hätte vielleicht ganz gute Chancen gehabt, auch mal mit einer eigenen Meinung durchzukommen, ohne vom linken Meinungskollektiv allzu dolle dafür bestraft zu werden. Hätte sie da nicht zwei entscheidende Fehler gemacht.

Zum einen hat sie sich ausgerechnet mit der vierfachen Mutter des selbstgerechten Opferkults angelegt. Kuhnke ist eine Person, die jede Kritik als Kriegserklärung empfindet und schier unendlich viel Zeit zu haben scheint, nachtragend zu sein. Deswegen hat sie die Journalistin vom Tagesspiegel auch unter Dauerfeuer genommen. Übrigens nicht nur auf Twitter.

Die Pöbel-Tweets sollen Argumente sein

Die Onlineplattform „Volksverpetzer“, eine dieser ideologisch motivierten „Faktenprüfer“-Seiten, die im Netz umherschwirrende Informationen nehmen und sie im Namen der eigenen Wahrheit auf links drehen, hat der Vierfachmutter die Möglichkeit zu einer ausführlichen Gegenrede gegeben. Allerdings wollte die ihre Chancen nur sehr bedingt nutzen, woran sicherlich irgendwie der Kolonialismus schuld sein wird.

In ihrem Antwort-Text schreibt die Comedy-Autorin: „Ich könnte mir jetzt die Mühe machen und zurück bis zu unserer kolonialen Vergangenheit gehen, um die schlampige Arbeitsweise der Autorin, die diese Antirassismus-Kritik verfaßt hat, argumentativ zu zerlegen, aber dafür zahlt mir der Tagesspiegel zu wenig.“

Das ist nun tatsächlich wirklich richtig lustig. Weil jeder, der ihre Pöbel-Tweets auf Twitter kennt, weiß, daß die „Quattromilf“ noch nicht einmal Den Wendler oder Lukas Podolski „argumentativ zerlegen“ könnte. Geschweige denn eine ihr überlegene Journalistin wie Fatina Keilani.

Die geistige Auseinandersetzung bleibt aus

Deshalb konzentriert sich unsere Gagen-Anti-Rassistin in ihrem angeblich so schlecht bezahlten „Volksverpetzer“-Artikel und auf Twitter vor allem darauf, sich über die vielen neuen Follower ihrer Gegnerin auszulassen. Natürlich nicht, ohne in die unterste Schublade der billigen Argumente zu greifen und daraus eine Kontaktschuld zu jedem rechten Account zu basteln. Das hat einfach viel mehr Shitstorm-Wirkung als echte Argumente.

Rechts fängt für die „Volksverpetzer“-Gastautorin natürlich traditionell schon ziemlich mittig an. Genauer gesagt: spätestens bei Ulf Poschardt.

 Auch sonst ist eigentlich alles beim Alten bei der Milf. Screenshots von Tweets, in denen sich unter anderem der liberal-konservative NZZ-Journalist Marc Felix Serrao und der Jungliberale Benedikt Brechtken hinter die Tagesspiegel-Kollegin und ihren Text stellen, teilt sie mit der Bemerkung: „Der übliche Altherren-Stammtisch“. Was vermutlich das ist, was sie und ihre Fans unter „argumentativ zerlegen“ verstehen.

Auf Twitter gibt sich die "Quattromilf" angriffslustig Foto: Screenshot Twitter
Auf Twitter gibt sich die „Quattromilf“ angriffslustig Foto: Screenshot Twitter

Mitleid gibt es nur in der eigenen Blase

Wobei hier natürlich keine Kontaktschuld zwischen der geistigen Bodybuilding Quattromilf und ihren Anhängern hergestellt, sondern allenfalls auf gemeinsame „Denkmuster“ hingewiesen werden soll.

Zum Glück für Mama Kuhnke springen ihr aber auch etliche Medienschaffende zur Seite, die ihre Kritik an der Kritik teilen. Wenig überraschend fast ausschließlich Leute, die „das Anprangern von Rassismus als Fulltimejob“ ausüben, wie es in Keilanis Artikel heißt. Als hätten diese Berufsopfer Angst, daß ihnen ausgerechnet jetzt im Langzeit-Lockdown, den sie natürlich fast durch die Bank befürworten, ihre ultimative und höchst Home Office-taugliche Einnahmequelle Wegbrechen könnte.

Einige ihrer Verteidiger können allerdings heilfroh sein, daß die sonst so hypersensible Blase der „Quattromilf“ mit den eignen Angehörigen etwas nachsichtiger ist als mit ideologischen Außenseitern. Einem konservativen weißen Mann würde sie es sicherlich nicht durchgehen lassen, wenn er sich in toxisch-maskuliner Art und Weise darüber ausläßt, das eine „Frau jenseits der 45“ in manchen Kreisen als „junge Kollegin“ gelte.

Bei dem Aktivisten, Journalisten und Unternehmensberater Stephan Anpalagan sind solche Aussagen kein Problem. Deshalb darf er auch in der Berliner Zeitung ausführlich zitiert werden und genau beschreiben, warum die Behauptung „grotesk“ sei, daß Weißsein ein Makel und Antirassismus ein lukratives Geschäft sein könnten.

 „Denkt man sich das Thema Rassismus weg, etwa in der Annahme, daß diese Menschen hauptberuflich einem Tagesgeschäft nachgehen, dann bleibt nichts übrig“, schreibt Keilani in ihrem Skandal-Text. Nun kann jeder selbst diese Behauptung einem eigenen Faktencheck unterziehen, indem er sich im Netz einen Überblick über die Arbeit von Kuhnke, Anpalagan und Konsorten verschafft. Man braucht dazu noch nicht einmal ein Volksverpetzer zu sein.

Der Kampf gegen Rassismus hat sich für einige Akteure zum lukrativen Geschäftsmodell entwickelt (Symbolbild) Foto: picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini
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