Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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SPD

Kaisers royaler Wochenrückblick

Es war die Woche der SPD. Zumindest irgendwie. Für einen Moment lang sprach ganz Deutschland über den frischgebackenen, wenn auch nicht mehr ganz taufrischen, Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten. Mitunter fast so als hätte Vizekanzler Olaf Scholz tatsächlich eine reale Chance der nächste Regierungschef zu werden und sich gegen, wen auch immer die CDU/CSU für diesen Posten bei der nächsten Wahl aufstellen wird, durchzusetzen. Die Parteilinke ist entsetzt über den Start des Scholz-Zugs. Manch einer wäre vermutlich sogar bereit, erstmals einen Verstoß gegen die Maskenpflicht zu riskieren, nur um achtkantig aus dem sozialliberalen Geisterzug verbannt zu werden. Auch wenn dieser diesmal eigentlich ein „Hamborger Veermaster“ ist.

Daß es bei den progressiven Sozialisten mit kapitalistischem Antlitz auch diesmal wieder keine Kanzlerkandidatin wurde, könnte ein wenig am Selbstbewußtsein der SPD-Frauen nagen. Wären da nicht so strahlende, weibliche, rote Lichtgestalten wie Andrea Nahles und Sawsan Chebli. Die eine ist jetzt Professorin an der Uni Duisburg. Zumindest kurzzeitig. Die ehemalige Partei- und Fraktionschefin der SPD wird im kommenden Wintersemester als Gastprofessorin für Politikmanagement der Stiftung Mercator an der nordrhein-westfälischcen School of Governance oder, frei nach einer Geistesgröße von ähnlichem Format wie Nahles: Der Winter wird das schlaue Halbjahr der Pippi Langstrumpf vom Rhein.

Die Frau, die den Luxus fast so sehr liebt wie das Opfersein

Die zweite Frau aus den Reihen der SPD, die dieser Tage zu einem neuen Höhenflug angesetzt hat, ist die Frau, die den Luxus fast so sehr liebt wie das Opfersein. Sawsan Chebli macht den Kevin Kühnert und will für den Bundestag kandidieren. Daß es zumindest dem fleischgewordenen Einwanderungsdrama mit Staatskanzlei-Hintergrund nun wirklich nicht an Selbstbewußtsein mangelt, zeigt, gegen welchen parteiinternen Widersacher Chebli anzutreten gedenkt.

Die leidenschaftliche Schminkerin hat sich mal ebenso nebenbei für eine Kampfkandidatur gegen den amtierenden Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, entschieden. Der guckt jetzt ganz schön dumm aus der Wäsche und vermutlich noch nicht einmal aus einer besonders teuren. Die Luxuslinke Chebli freut sich derweil schon auf ihre erste Rede im Bundestag und darauf, diese anschließend ihrer kompletten Familie zu übersetzen.

Saskia Esken wird privat

Teil der neuen SPD-Troika sind aber sowohl Sandalen-Sawsan wie auch Andrea Nahles noch nicht. Aber immerhin eine Frau ist dort „oben“ immer noch dabei. Saskia Esken, die sozialdemokratische Antwort auf eine Frage, die kein Mensch gestellt hat, hat diese Woche nicht nur Widerstand gegen Horst Seehofers Polizeigesetz signalisiert, sie sprach auch unerwartet offen über ihr Privatleben.

Unerwartet vor allem deshalb, weil viele überrascht waren, daß sie ein solches hat. Das naturalistische Gesicht der derzeitigen Sozialdemokratie verriet unter anderem, daß sie früher gekifft hat und daß ihr heutiger Ehemann früher einmal ihr Chef war. Fraglich, ob sie sich mit dieser Ehrlichkeit einen Gefallen getan hat. Das Narrativ von der Ungefährlichkeit sogenannter weicher Drogen und der angeblich privilegierten Stellung, die Männer in Machtpositionen haben, dürfte von nun an zumindest deutlich schwieriger aufrecht zu erhalten sein.

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