Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Pisa, Greta und die SPD

Kaisers royaler Wochenrückblick

In dieser Woche wurden wieder einmal die schlechter gewordenen Ergebnisse deutscher Schüler bei der aktuellen Pisa-Studie diskutiert. Über den großen rosa Elefanten der Migration im Klassenzimmer wollte aber kaum jemand sprechen. Stattdessen suchte man nach Ausreden, warum all die Länder, die keine oder zumindest deutlich weniger bildungsferne Migranten und deren Nachwuchs bei sich aufnehmen, so viel besser bei dem internationalen Schul- und Bildungsvergleich abgeschnitten haben als Deutschland.

Schnell hatte man eine sehr bequeme Erklärung für das mysteriöse Phänomen gefunden: „Wir sind einfach zu ehrlich und die anderen haben geschummelt.“ Das dürfte wohl die Mutter aller Ausreden sein. In welchem Verwandtschaftsverhältnis diese zur Mutter aller Probleme steht, muß durch einen entsprechenden Gentest erst noch abschließend geklärt werden.

Echte Familienliebe hat in dieser Woche die Linksartei gezeigt. We love Antifa, bekannte die Bundestagspartei offenherzig bei Twitter. Größere Empörung über die Liebeserklärung an die gewaltbereite und extremistische Organisation blieb weitgehend aus. In den meisten deutschen Zeitungsredaktionen war man wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, die neusten Enthüllungsgeschichten über die AfD zu konstruieren; oder hat schon wieder eigene Lobeshymnen auf die eigenen Lieblings-Politkriminellen verfaßt.

Austieg aus dem GroKo-Ausstieg

Vor allem war es aber mal wieder die Woche der SPD. Nicht im Sinne großer Erfolge, irgendwelcher positiver Signale oder gar mutiger Entscheidungen auf dem Parteitag – das erwartet aber wohl auch keiner mehr von den Sozialdemokraten. Die Sozen sind inzwischen so etwas wie der Boris Becker der politischen Landschaft. Moralisch bankrott, die besten Zeiten lange hinter sich, aber immer noch gut für die ein oder andere große Schlagzeile und allerlei unterhaltsame Peinlichkeiten.

So gab es dieser Tage, ein eigentlich unwürdiges, aber damit eben auch zum Zustand der Partei perfekt passendes Hin und Her in Sachen Großer Koalition. Eigentlich wollte das frischgewählte Power-Paar an der Parteispitze, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, ja raus aus der GroKo. Dachte man zumindest. Schließlich gehörten sie, als sie noch keine eigene Verantwortung hatten, zu den größten innerparteilichen Kritikern der Regierungsarbeit ihrer Genossen in Berlin.

Die Angst vor dem nächsten Wahlergebnis scheint nun aber doch deutlich größer zu sein, als jegliches Unbehagen über den Regierungskurs. Als überzeugte Linkssozialisten wollen die beiden natürlich auch niemanden arbeitslos machen. Schon gar nicht sich selbst oder die eigenen Kollegen im Bundestag. Vor allem nicht, wenn die lukrativen Abgeordnetenposten, die bei Neuwahlen massenhaft verloren gingen, nahezu restlos an die AfD gehen würden.

Stegner beweist Ego

Das Umfallen beim Thema GroKo ist also eigentlich ein sozialdemokratisches Aufstehen gegen Rechts. So wird das wohl auch Kevin Kühnert sehen. Der neue Partei-Vize und leidenschaftlich Käsefuß-Sockenexperte hat diese Woche in der Debatte über Verbleiben oder Nichtverbleiben im Kabinett schon einmal die politische Flexibilität bewiesen, die man in so einer Position nötig zu haben scheint.

Wenn alle Stricke reißen, steht immer noch Ralf Stegner bereit. Das Gesicht zur Lage der SPD traut sich sogar zu, Vizekanzler zu werden. Auch hätte es keine größeren Skrupel, dafür seinen Parteifreund Olaf Scholz dafür zu stürzen. Dies machte ein in dieser Woche veröffentlichtes Telefonat deutlich.

Der YouTuber Klemens Kilic, der sich mit seinen Streichen immer mehr zum Politikerschreck entwickelt, hatte den sozialdemokratischen Twitter-Virtuosen angerufen und sich dabei als Norbert Walter-Borjans ausgegeben. Er und Saskia Esken, so teilte der Fake-Anrufer Stegner mit, seien sich einig, daß ein Ausstieg aus der Großen Koalition der falsche Weg sei. Um dennoch ein Signal für einen symbolischen Neustart zu setzen, würden sie, in Absprache mit Kevin Kühnert, gern den Vizekanzler austauschen.

Dalai Lama outet sich als Greta-Fan

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte man das ganze Tatsächlich für die neuste Runde im in der SPD gerade sehr beliebten Spiel „Hau den Olaf“ halten können. Aber spätestens als „Borjans“ behauptete, Stegner sei der geeignete Mann für den Posten, hätte diesem klar sein müssen, daß es sich bei dem Anruf nur um einen Telefonstreich handeln kann.

Ralles Ego scheint allerdings noch größer zu sein als seine schlechte Laune. Er müsse darüber zwar erst nachdenken und es mit seiner Frau besprechen, aber vorstellen könne er sich das, sagte der hörbar geschmeichelte ehemalige Oppositionsführer und verwies dabei auf sein Erfahrung als Finanzminister. An Selbstbewußtsein und Vorstellungskraft mangelt es Stegner also ganz offensichtlich nicht. Diese Eigenschaften, gepaart mit einer ausgeprägten Neigung zu Twitter-Pöbeleien, haben schon ganz andere sehr hoch hinaus gebracht.

Greta Thunberg ist beim Klimagipfel in Madrid angekommen. Ganz ohne Esel, den ihr ein religiöser Nachbarschaftsverein für die Reise angeboten hatte. Die Nummer will sie sich aber für den Einritt in Jerusalem aufheben. Immerhin: Der Dalai Lama, also der Greta Thunberg des tibetischen Buddhismus, hat sich, so konnte man lesen, bereits jetzt als Fan der kleinen Klimaschützerin geoutet. Bis Weihnachten dürfte ihre Heiligsprechung also endgültig über die Bühne sein.

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