Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Limburg, Halle und „Extinction Rebellion“

Kaisers royaler Wochenrückblick

Die Woche war überschattet von gleich zwei in deutschen Städten begangenen Wahnsinnstaten. Im hessischen Limburg hat ein 32jähriger, polizeibekannter Syrer einen Lastwagen gekapert und ist damit ungebremst auf mehrere Fahrzeuge gefahren.

In Halle hat ein durchgeknallter Neonazi versucht, mit selbstgebastelten Schußwaffen in eine Synagoge einzudringen und hat, nachdem dieser Versuch gescheitert war, völlig wahllos zwei Menschen erschossen. Anders als im Fall des 2015 nach Deutschland gekommen Syrers ist die Öffentlichkeit über die Motive und die Geisteshaltung des Rechtsextremisten von Halle bereits bestens informiert.

Wirre Verschwörungstheorien und dumpfer Haß

Dies liegt unter anderem auch daran, daß der Neonazi Stephan B. seine Tat nicht nur live im Internet gestreamt, sondern auch ein vor Dummheit und Verblendung strotzendes „Manifest“ verfaßt hat. Seine Forderungen und Aussagen offenbaren eine völlig verrückte Gedankenwelt ohne eigene Gedanken. Wirre Verschwörungstheorien, zu ernst genommene Internet-Memes und jede Menge dumpfer Haß. Der charakterlose, selbsternannte Videospielcharakter war wütend auf alle, die smarter, erfolgreicher und cooler waren als er. Auch deshalb hätte es wohl wirklich jeden treffen können.

Berlin war in dieser Woche noch lahmgelegter als sonst. Schuld war eine ziemlich radikale Klimaschutz-Gruppe. „Extinction Rebellion“ nennen sich die Aktivisten, die offenbar endlich mal mit dem Vorurteil aufräumen wollten, daß es sich bei den Mitgliedern der neuen Umweltbewegung in aller Regel um junge, hippe, zumindest äußerlich aufgeräumt und gepflegt wirkende Mädels aus gutem Hause handeln würde.

Ideale Witzvorlage für Comedians

Was da die ganze Woche auf den Straßen der Hauptstadt klebte, hatte doch schon wieder sehr viel von den guten alten Zottel-Ökos der achtziger Jahre. Die Demos sahen aus, wie Demos von Leuten ebenso aussehen, die die ganze Woche Zeit zum demonstrieren haben. Freakige Klamotten, in denen immer der passende Aktivist steckte, bizarre Regentänze und jede Menge Fahnen. In früheren Zeiten wären solche Bilder die ideale Witzvorlage für Comedians und Kabarettisten gewesen. Heute traut sich fast nu(h)r noch einer, sich darüber lustig zu machen.

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr nicht an Donald Trump – aber immerhin auch nicht an Greta Thunberg. Stattdessen wird Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed für die Aussöhnung mit dem langjährigen Erzfeind Eritrea geehrt. Der Gewinner hat in Afrika das gemacht, worum sich Donald Trump mit Nordkorea bemüht. Die Annäherung der beiden über Jahrzehnte verfeindeten Atommächte. Und wäre Donald Trump nicht Donald Trump und das Nobelpreiskomitee kein politisch korrekter Preisverleihungsverein, wäre dieses Bemühen sicherlich auch angemessenen gewürdigt worden.

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