Kein Opfer zu groß

Blubberfrei zur Klimarettung

Da soll noch einmal einer sagen, Politiker predigen Wasser, saufen aber selbst Wein. Weit gefehlt! In Zeiten des grassierenden Klimahypes ist man offenbar auch in Teilen der Bundesregierung zu der Erkenntnis gelangt, daß für den Endsieg über den Klimawandel kein Opfer zu groß und keine Entbehrung zu hart ist.

Während einige Ministerien nach wie vor in ihren Fuhrparks auf Dienstwägen mit rußenden Verbrennungsmotoren setzen, Behörden mit Kopiergeräten und Druckern die Umwelt mit Feinstaub verpesten und manche Minister nicht mal vor dem Klimakiller Flugzeug zurückschrecken, geht man im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) künftig völlig neue Wege.

Stolz verkündete die „Projektgruppe Klimaneutrales BMZ 2020“ Ende Juli hausintern über den großen Emailverteiler, daß man sich auf eine „neue klimafreundliche Bewirtungsrichtlinie“ verständigt habe. Demnach soll es künftig bei Veranstaltungen und Besprechungen nur noch Leitungswasser gaben, statt wie bisher Wasser aus Flaschen.

Schlimmer als VW

Die Klima-Task-Force des BMZ habe den jeweiligen CO2-Fußabdruck ermittelt, den sowohl Leitungswasser als auch Flaschenwasser hinterließen. Das Ergebnis: „Ein Liter Flaschenwasser verursacht ca. 211g CO2 mehr als ein Liter Leitungswasser! Das ist ungefähr doppelt so viel wie ein VW Golf pro Kilometer ausstößt!“

In den Dienstsitzen in Bonn und Berlin seien 2017 jeweils rund 5.000 Liter Mineralwasser vom Saaldienst bereitgestellt worden, also rund 10.000 Liter insgesamt. Das mache pro Jahr etwa 10.000 Flaschen, die abgefüllt und von Husum nach Bonn beziehungsweise Berlin transportiert werden müßten, heißt es in der Nachricht, die der JUNGEN FREIHEIT als klimafreundliche und ressourcenschonende Email vorliegt.

Hinzu komme, daß Einwegflaschen entsorgt und Mehrwegflaschen wieder zu Abfüllanlagen zurückgebracht werden müßten. „Damit verursachen wir jährlich ca. 2.000 kg CO2. Das ist ungefähr die Menge, die ein Mittelklassewagen während eines ganzen Jahres verursacht (bei durchschnittlicher Fahrleistung von ca. 15.000 km)“, bekennt sich das BMZ schuldig. Was liege also näher, als auf Leitungswasser umzusteigen?!

Per Karaffe zum Glück

Gesagt, getan. Damit der Wasserwechsel auch reibungslos über die Bühne gehen kann, hat das Projekt Klimaneutrales BMZ 2020 in Zusammenarbeit mit dem Inneren Dienst und dem Stab Protokoll mehrere Regelungen entworfen, die von der Hausleitung abgesegnet wurden. Demnach soll die Trinkwasserqualität in regelmäßigen Abständen geprüft werden.

Zudem werde „bei Besprechungen und Veranstaltungen mit externen Teilnehmern (inkl. Besuchergruppen) künftig ausschließlich frisches Leitungswasser bereitgestellt“, und zwar „in hochwertigen und leicht zu reinigenden Karaffen“. Bei so viel QVC-mäßiger Werbung erscheint es den Verfassern der Richtlinie allerdings notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Gefäße „unbedingt im Verwendungsbereich der Besprechungs- und Veranstaltungsräume zu belassen“ seien.

Der Verantwortlichen sei bewußt, daß die Maßnahme nur „ein kleiner Schritt auf dem langen Weg zur Klimaneutralität des BMZ“ sei, aber bekanntlich führten auch kleine Schritte zum Ziel. Und was ist schon der Verzicht auf den Genuß prickelnd-frischen Wassers im Vergleich zum guten Gefühl, Teil der Weltenrettung zu sein.

Für hartgesottene Blubberjunckies bietet die neue Bewirtungsrichtlinie jedoch ein letztes Schlupfloch: „Abgefülltes Mineralwasser mit Kohlensäure kann für sehr hochrangige Veranstaltungen der Leitung angefordert werden.“

Zisch, zosch, weg! Flaschenwasser gehört im BMZ der Vergangenheit an Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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