Jan ‚Monchi‘ Gorkow von Feine Sahne Fischfilet und Campino von den Toten Hosen bei der Pressekonferenz zum #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
Feine Sahne Fischfilet im „Polizeiruf“

Soundtrack zur politisch korrekten Propaganda

Zu DDR-Zeiten gehörte der „Polizeiruf 110“ zu den Flaggschiffen sozialistischer Fernsehunterhaltung. Mord und Totschlag gab es in der Krimireihe nur selten. Dies hätte nicht zur offiziellen Staatsdoktrin gepaßt, wonach solche Delikte vor allem als gesellschaftliche Erscheinungsformen des dekadenten und degenerierten Westens galten.

Die Ermittler hatten es vor allem mit „kleinen Ganoven“ zu tun, die auf dem Weg zum Kommunismus ein wenig ins Straucheln geraten waren und von den grundsoliden Kommissaren der Volkspolizei auf den Pfad der sozialistischen Tugend zurückgeführt werden mußten. Mitarbeiter vom Ministerium des Innern wachten bereits während der Produktion über die Inhalte einer jeden Folge und stellten sicher, daß diese der Linie der Partei entsprachen.

Nur selten kriminelle Ausländer

Trotz oder gerade wegen seiner propagandistischen Vergangenheit im Sozialismus der DDR fand der „Polizeiruf“ nach der Wiedervereinigung nahezu nahtlos Anschlußverwertung im öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem der Bundesrepublik. Heute ist der einstige „DDR-Tatort“ längst fester Bestandteil der Armada politisch korrekter Krimi-Reihen, die das Staatsfernsehen Woche für Woche in die bundesrepublikanischen Wohnzimmer aussendet.

Vor allem die „Flüchtlingskrimis“, die inzwischen im deutschen Fernsehen schon fast so etwas wie ein eigenes Genre darstellen, erlauben es dem „Polizeiruf“, zu alter linkssozialistischer Propaganda-Höchstform aufzulaufen. So wie es einst kaum Mörder unter den Bürgern der DDR gab, gibt es heute, in der Erzählwelt der gebührenfinanzierten Fernsehspiele, nur selten kriminelle Ausländer. Die Bösen sind fast immer empathielose, weiße deutsche Männer. Am liebsten Reiche, um das Bild vom rassistischen, kapitalistisch enthemmten Kaltland vollends abzurunden.

Falls es doch einmal ein krimineller Migrant in ein öffentlich rechtliches Drehbuch schafft, stellt sich in der Regel spätestens am Ende des Films heraus, daß dieser vom bösen Deutschen ausgebeutet und/oder rassistisch drangsaliert wurde, er somit also quasi zwangsläufig in die Kriminalität abrutschen mußte.

„Alles auf Rausch“

Den Soundtrack zu dieser linken Propaganda liefert im „Polizeiruf“ auch gerne mal die linksradikale Band „Feine Sahne Fischfilet“. Die ostdeutschen Punkrocker gehören nicht erst seit ihrer Teilnahme am #Wirsindmehr -Konzert in Chemnitz zu den musikalischen Lieblingen vieler Medienmacher.

Klaas Heufer-Umlauf empfing Sänger „Monchi“ in seiner Late Night Show. Der „Faktenfinder“ der ARD, Patrick Gensing, besuchte bereits mehrfach Konzerte der Band und postete die Bilder davon stolz auf seinem Twitter-Account. Sogar bei „Tagesschau 24“ waren „Feine Sahne“ schon zu Gast und durften ihr Album „Sturm und Dreck“ bewerben. O-Ton des ARD-Nachrichten-Moderators, der sich vor allem darum sorgte, ob die Punker inzwischen zu sehr Mainstream geworden seien: „Gestern standet Ihr noch im Verfassungsschutzbericht, heute seid Ihr im Tagesschau-Studio. Müssen wir uns Gedanken machen oder Ihr?“

Zum jüngsten „Polizeiruf“ durfte die Band ihren Song „Alles auf Rausch“ beisteuern. Bei dieser Wahl dürfte es sich um einen besonders gezielten Griff in die Plattenkiste gehandelt haben. Der Schauspieler Charly Hübner, der in den NDR-Folgen der Krimiserie den Kommissar Bukow spielt, hat „Feine Sahne Fischfilet“ 2017 nämlich bereits gleich einen ganzen Dokumentarfilm gewidmet.

Konkurrenz für die „Toten Hosen“

Die 90-minütige Doku „Wildes Herz“, die im Frühjahr 2018 in die deutschen Kinos kam, erhielt beim „Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm“ 2017 gleich vier Preise und damit die meisten Auszeichnungen des Festivals. „Das hier ist unsere Zeit“ singen die Jungs von „Feine Sahne Fischfilet“ im Song „Alles auf Rausch“ selbstbewußt.

Sie haben damit offensichtlich Recht. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, wann die „Toten Hosen“ endlich in die wohlverdiente Staatspunker-Rente gehen und die Bommerlunder-Flasche auch offiziell an die neuen Lieblingsrebellen des Establishments weitergeben.

Jan ‚Monchi‘ Gorkow von Feine Sahne Fischfilet und Campino von den Toten Hosen bei der Pressekonferenz zum #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

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