Theater um Lifeline

Kinder an der Macht

Sie schreien, sie weinen, liegen brüllend am Boden vor dem Regal mit den Süßigkeiten. Oder dem Spielzeug. Oder, oder. Die Rede ist von Kindern. Ungezogenen Kindern. Verstand irgendwo im Weltenraum, Affektkontrolle nicht vorhanden, Freude daran, neue Wörter für Körperausscheidungen zu lernen und zu verwenden. Was Kinder aber sehr gut können, ist Macht über Erwachsene zu gewinnen. Mit Geschrei, Gebrüll und ständigen Versuchen moralischer Erpressung.

Dem Erwachsenen, der diesem Terror nachgibt, werden Kinder das Leben zur Hölle machen. Fünf Minuten Ruhe werden mit einem verzogenen Balg und noch mehr Forderungen aus einer phantasiebunten Kinderwelt vergolten. Jüngstes Beispiel: die Tränen um das Schlepperschiff Lifeline. An der Rettungsleine halten sich fest: 17 weiße Menschenkinder (die abenteuerlustige Crew), 230 schwarze Menschenkinder (das neue Spielzeug) und viele, viele gute Taten, Wünsche und Krätzmilben.

Soviel Spannung, Spaß und Abenteuer, da wollen auch andere Kinder mitmachen. Und was machen verzogene Kinder vor dem Regal mit dem neuen Spielzeug? Wenn ihnen der Onkel nicht gibt, was sie haben wollen? Dann ist er ganz, ganz böse. „So kraß: Im Alltag würde man sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen: ‚Wer bei … Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies … ihm zuzumuten … ist, wird mit Freiheitsstrafe … bestraft.‘ Herr Seehofer halten Sie sich endlich an die Gesetze in unserem Land.“

Richtig wie ein kleiner Staatsmann

Süß, wie die kleine Annalena versucht, mit Gesetzen zu argumentieren. Aus dem Kindchen wird später sicher mal eine Juristin. Vielleicht Menschenrechtsaktivistin oder so.

Aber erst der Jürgen, schon richtig wie ein kleiner Staatsmann: „Soeben hat Horst Seehofer verkündet, daß Deutschland keine Geflüchteten von der Lifeline aufnehmen wird. ‘Humanität und Ordnung’ nennt er das. Es ist inhuman und es zerstört das internationale Recht.“ Soeben, ach wie ist das niedlich! Soeben sind wir aufgeregt und empört.

Und wo Kinder spielen und lustig sind, da gibt es immer das eine stille Kind. Das Kind, das von den anderen als Fremdkörper ignoriert wird und das sich insgeheim so sehr wünscht, dabeizusein. So sucht sich dieses Kind einen anderen, dessen Status noch prekärer ist als der eigene. Wenn es diesen vor den anderen erniedrigt, so seine stille Hoffnung, dann gehört es dazu. In unserem Fall ist der kleine Wolfgang dieses Kind. „Jeder Mensch, der jetzt stirbt, geht auf das Konto von Horst Seehofer.“

Kinder können schon gemein und bösartig sein, wenn es niemanden gibt, der ihnen Grenzen setzt, ihnen die Illusion läßt, man könne einfach ohne leben. Er wird ganze Generationen von lebensuntüchtigen Kindern heranziehen, deren Körper zwar von der Natur weiterentwickelt wird, der auch irgendwann einmal alt wird und zerfällt, die aber innerlich zu keiner selbsttätigen Entwicklung fähig sind, die einfach auf der Stufe des Kindes stehenbleiben. Greise, grauhaarige Kinder.

Rückwirkende Erziehung wäre denkbar einfach

„Kinder an die Macht“, so lautete die Einlauf-Hymne der Grünen bei ihrem „Marsch durch die Institutionen“. Das Lied aus den 80ern ist nun Wirklichkeit geworden. „Gebt den Kindern das Kommando / Sie berechnen nicht, was sie tun.“ Eben genau das ist das Problem. Darum gibt es normalerweise einen Erziehungsberechtigten, der durch seine Autorität das Kind mit dem Ziel beschränkt, in ihm das zur Entfaltung zu bringen, was den Menschen erst zu echter Freiheit führt und nicht zur Sklaverei der Affekte.

Übrigens ist die rückwirkende Erziehung jener Kinder denkbar einfach. Für jedes schwarze Menschenkind, das zu uns will und das wir nach Wünschen jener Kinder aufnehmen sollen, muß uns eines jener Kinder Richtung Afrika verlassen. Dort wird es entweder zugrunde gehen oder in der harten Schule des Lebens das in Windeseile lernen, was wir ihm beizubringen versäumt haben. Aber das wird wohl kaum nötig sein – so dumm wie sie immer tun, sind diese Kinder nämlich gar nicht.

Denn Kinder sind von Natur aus Egoisten. Wie Grüne auch.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock Foto: picture alliance/Sven Simon

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