Die Toten Hosen bei ihrem Auftritt am Montag in Chemnitz Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
Chemnitz

Hirn statt Hysterie

Georg Restle, Redaktionsleiter des ARD-Magazins Monitor, twitterte kürzlich: „Noch nie habe ich so viel Haß auf Medien erlebt wie an diesem Wochenende in Chemnitz.“ Restles Tweet paßt wie die Faust aufs Auge zu mindestens einer der Bands, die beim Chemnitzer „Gegen den Haß“ -Konzert auf der Bühne standen. Beim Auftritt der Berliner Hip-Hop-Formation „K.I.Z“ dröhnte es aus den Lautsprechern: „Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse!“

Natürlich empörte sich der ARD-Journalist mit seinem Tweet nicht über die angereisten Rapper, sondern über Chemnitzer Rechtsradikale, von denen er und sein Team angegriffen worden seien. Der Tweet paßte ins Bild, das viele Medien schon Wochen vor dem Konzert von der Chemnitzer Bevölkerung zeichneten und das letztendlich überhaupt erst dazu führte, daß das Konzert stattfand. Auch im Rahmen ihrer Berichterstattung zum #WirSindMehr-Konzert hörte und las man immer wieder vom Haß der ansässigen Bevölkerung auf die Medien.

Vergewaltigungsphantasien gegen Eva Herman

An der „Messerklinge“ in der „Journalistenfresse“ störten sich all die Journalisten, die sonst schon beim Begriff „Lügenpresse“ Streßpickel bekommen, offenbar nicht. Zumindest haben die meisten davon nichts erwähnt in ihren Lobeshymnen auf das „friedliche Gratis-Konzert“. Vielleicht haben sie es auch schlicht überhört, weil sie bereits betäubt waren von dem berauschenden Gefühl, die Guten, und vor allem, in der Mehrheit zu sein.

Sollte dem so gewesen sein, hätten sie noch so einige andere Perlen aus dem Repertoire der selbsternannten „Kannibalen in Zivil“ verpaßt. Der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman hatten sie folgende Zeilen gewidmet:

„Eva Herman sieht mich, denkt sich: ‚Was‘n Deutscher!‘/Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer/Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus/Nich alles was man oben reinsteckt, kommt unten wieder raus.“

Dank an den „Schwarzen Block“

Die Rapper phantasierten außerdem von einem Selbstmord-Attentat gegen die Familie Sarrazin und schossen sogar gegen Linksaußenminister Heiko Maas. Mit all dem wurden sie von mehreren TV- und Radiostationen sowie etlichen Internetstreams großer Zeitungen live in die gesamte Republik und darüber hinaus übertragen. Die Zuschauer vor den Geräten störten sich offenbar weitgehend nicht daran. Genauso wenig wie die „Demokratie-Touristen“ vor Ort.

Bei einer etwas kritischeren Masse hätte sich die Hip-Hop-Combo vielleicht Gedanken machen müssen, ob das wirklich die richtige Song-Auswahl für ein Konzert ist, das ja, zumindest offiziell, als eines gegen Haß und Gewalt deklariert wurde. Beim vom eigenen Gutsein besoffenen Publikum des Konzerts in Chemnitz konnten sie sich das Denken sparen. Sie wären sonst vermutlich doch nur unangenehm aufgefallen.

Daß K.I.Z bei ihrem Auftritt auch noch dem „Schwarzen Block“ dankten und es „schön“ fanden, daß „nirgendwo Deutschlandfahnen“ wehten, fällt da auch nicht mehr weiter ins Gewicht. Das hätte so schließlich auch auf Spiegel Online stehen können.

Große Inszeniereung der „Menschlichkeit“

Die ebenfalls auf der Bühne vertretenen Staatspunks von den „Toten Hosen“ sangen einst: „Wer so deutsch wie der Sascha ist, der ist sonst gar nichts mehr.“ Heute müßte es wohl heißen: „Wer so gut ist wie #wirsindmehr, der ist sonst gar nichts mehr.“

Propagandatechnisch war die große Inszenierung der „Menschlichkeit“ ein voller Erfolg. #Wirsindmehr hat den Toten von Chemnitz in den Hintergrund treten lassen. Genau wie all die anderen Opfer von Migrantengewalt in den letzten Jahren. Die für die herrschende Klasse bedrohlich angewachsene Gruppe der Asylkritiker ist erst einmal wieder zurückgestutzt worden. #Wirsindmehr war die Idealdosis „Opium fürs Volk“ und als großes Ablenkungsmanöver der perfekte Ersatz für die dem Establishment viel zu früh zu Ende gegangene Fußball-WM-Teilnahme der Deutschen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey regte nach ihrem Besuch in Chemnitz ein „Gesetz zur Förderung der Demokratie“ an. Das Gesetz soll den „Staat bei der demokratischen Bildung junger Menschen in die Pflicht nehmen“. Sollte die Regierung bei der Formulierung des Gesetzestextes Hilfe brauchen, stünden die Texter des Chemnitzer-Haß-Konzerts gegen den Haß sicherlich gerne federführend bereit. An linksgrünen „Demokratielehrern“ dürfte bereits jetzt kein Mangel herrschen.

Berechtigte Ängste ernst nehmen

Es gäbe aber noch eine Alternativlösung, wie der Staat und die Regierung das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen könnten: Man könnte die berechtigten Ängste der Menschen endlich wirklich einmal ernst nehmen. Man könnte die, einen mittlerweile an jeder Straßenecke anspringenden, Probleme in der Asylpolitik tatsächlich angehen, statt sie zu relativieren, indem man rechte Hetzjagden erfindet. Wie wäre es, wenn wir es nach „Herz statt Hetze“ einmal gemeinsam mit „Hirn statt Hysterie“ versuchen würden? Vielleicht ein zu verrückter Gedanke für diese Zeit..

Die Toten Hosen bei ihrem Auftritt am Montag in Chemnitz Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

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