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Google-Startseite auf dem Smartphone (Symbolbild) Foto: picture alliance / Sven Simon

Debatte um Facebook
 

Datenkrake Google

Der Datenskandal um Facebook und Cambrigde Analytica weitet sich aus. Das soziale Netzwerk teilte nun mit, daß sich das britische Unternehmen Cambridge Analytica Informationen von bis zu 87 Millionen seiner Mitglieder verschafft haben könnte. Bisher war von 50 Millionen Datensätzen die Rede gewesen. Die meisten der betroffenen Nutzer seien US-Amerikaner.

Daß gerade US-Präsident Donald Trump von Mark Zuckerbergs Datensammelwut profitiert hat, ärgert vielleicht niemanden mehr als Zuckerberg selbst. Angesichts der politischen Ausrichtung von Facebook scheint es unwahrscheinlich, daß ein Wahlsieg Trumps beabsichtigt war. Im Jahr 2016 beispielsweise wurde Sheryl Sandberg, „Chief Operating Officer“ des Unternehmens, ins Schattenkabinett von Hillary Clinton berufen.

Doppelte Standards

Cambridge Analyticas Datenschatz allerdings wurde erst möglich durch die Open Graph API. Zwischen 2010 und 2014 konnten mit dieser Schnittstelle Drittanbieter, die einen Facebook-Nutzer davon überzeugt hatten, ihre Apps zu installieren, eine enorme Menge an Informationen sammeln. Dabei ging es nicht nur um den Namen, das Geburtsdatum, die politische und religiöse Einstellung. Auch der Nachrichtenaustausch und Daten von Freunden wurden abgefischt.

Als Barack Obamas Wahlkampfmanager 2012 ebenfalls diese Open Graph API nutzten, um Informationen von zig Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Wissen und Zustimmung herauszufiltern, gab es noch keinen Aufschrei. Erst Cambridge Analytica und Donald Trump wurde die völlig legale Anwendung zum Vorwurf gemacht. Technisch gesehen war und ist Open Graph API kein Datenleck. Die Benutzer gaben per Mausklick ihre Einwilligung. 2014 schloß Facebook die Schnittstelle und ersetzte sie durch anwendungsspezifische Identifikationsmöglichkeiten. Doch die Hoffnung darauf, daß die Datenkraken aus dem Silicon Valley nun harmloser vorgehen, ist unbegründet.

Auch um den sehr auf Zuckerberg fokussierten Skandal ins rechte Licht zu rücken, ist ein ernsthafter Blick auf all das, was Konkurrent Google über seine Nutzer speichert, hilfreich. Bei Google eingeloggte Nutzer können unter den folgenden Links genau sehen, welche ihrer Daten ganz aktuell gespeichert sind.

Google weiß alles über uns

Da wären zum einen die Bewegungsdaten: https://www.google.com/maps/timeline

In dieser Grafik sind alle Orte verzeichnet, an denen Sie seit Ihrer Erstanmeldung bei Google jemals waren – vorausgesetzt, Sie hatten zu der jeweiligen Zeit auch Ihr Smartphone angeschaltet.

Desweiteren sehen Sie hier Ihren gesamten Suchverlauf: https://myactivity.google.com/myactivity

Diesen speichert Google über alle Ihre Geräte hinweg in einer separaten Datenbank. Selbst wenn Sie den Suchverlauf auf Ihrem Gerät löschen, besitzt das Unternehmen weiterhin alle entsprechenden Informationen.

Sogar Gewicht und Einkommen sind Teil des Profils

Auf dieser Seite finden Sie unter anderem Ihr von Google berechnetes Werbeprofil: https://adssettings.google.com/authenticated

Es basiert auf Daten wie Standort, Geschlecht, Alter, Hobbys, Karriere, Interessen, Beziehungsstatus, mögliches Gewicht und Einkommen.

Google speichert auch Daten zu jeder App, die Sie verwenden: Wie oft? Wo? Mit wem? Hier finden Sie Ihre individuelle Liste: https://myaccount.google.com/permissions?pli=1

Selbstverständlich speichert Google auch Ihren gesamten Suchverlauf bei YouTube: https://www.youtube.com/feed/history/search_history

Wollen Sie einen genaueren Einblick in Ihre von Google gespeicherten Daten? Auf dieser Seite haben Sie die Option, die (vermutlich) gesamte Datenbank herunterzuladen: https://takeout.google.com/settings/takeout?pli=1

680.000 Seiten Text

Doch Vorsicht. Die Datenmenge kann bei eifrigen Internetsurfern durchaus 5 Gigabyte oder mehr betragen – umgerechnet rund 680.000 Seiten Text. Zuckerberg darf sich darüber wundern, warum es acht Jahre gedauert hat, bis Politiker die Existenz eines Features entdeckt haben, das seit seiner Gründung öffentlich dokumentiert und vor vier Jahren eingestellt wurde. Und wir Nutzer sollten uns fragen, zu welchem Preis wir unsere persönlichsten Daten ins Silicon Valley schicken. Auch Googles Dienste sind nicht kostenlos.

Google-Startseite auf dem Smartphone (Symbolbild) Foto: picture alliance / Sven Simon
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