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Mini-Drohne, mit der der Internet-Händler Amazon Waren ausliefern will Foto: picture alliance/dpa

Technischer Fortschritt
 

Wollen wir nicht mehr oder können wir nicht mehr?

Terror, Überfremdung, Identitäts- und Kontrollverlust – die Bedrohungen unseres Alltags, die Themen der öffentlichen Diskussion sind so konkret diffus. Die Menschen sind verunsichert, man fühlt sich nicht mehr wohl in seiner Zeit, unwohler jedenfalls als vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Überzeugung, einer besseren Zukunft entgegenzugehen, ist verschwunden.

Dabei war gerade sie ein prägendes Merkmal der technischen und wirtschaftlichen Fortschrittsepoche vom 19. Jahrhundert bis weit in das 20. hinein. Krieg und Gefahr regierten damals ungleich härter in das Leben hinein. Infektionskrankheiten verliefen oft tödlich, die Kindersterblichkeit war hoch.

Technologische Quantensprünge

Was die Menschen bewegte, war dennoch der Fortschritt, nicht die Angst vor dem, was jederzeit kommen mochte. Endzeitstimmungen, wie etwa vor der ersten Jahrtausendwende, die auch heute wieder unterschwellig eine Rolle spielen, waren in den Jahrzehnten um 1900 unbekannt.

Dennoch, Fakt ist, daß der Fortschritt heute kaum noch euphorisierend wirkt. Selbst die Landung des spektakulären Solarfliegers „Solar Impulse“ diese Woche in der Wüstenstadt Abu Dhabi nach einer Weltumrundung ohne einen Tropfen Kerosin schafft es kaum in die Schlagzeilen.

Dabei steht die Welt an der Schwelle technologischer Quantensprünge. Elektrische und selbstfahrende Autos werden schon bald das Straßenbild beherrschen. In Amerika kehren die ersten Raketen, nachdem sie ihre Nutzlast ins Weltall befördert haben, sanft auf den Erdboden zurück. Fliegende Roboter, Drohnen genannt, werden die Logistik revolutionieren, neue Leittechnik und dreidimensionale Drucker die Produktion.

Außenseiter befeuern Entwicklung

Bei der Übertragung und Speicherung von Elektrizität stehen enorme Fortschritte an, ebenso bei der Kernspaltung, wo noch in diesem Jahrhundert das annähernd unerschöpfliche Element Thorium zum Einsatz kommen wird. Geht es nach dem Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk, findet der Hochgeschwindigkeits-Schienenverkehr künftig in Vakuumröhren statt. Ein Pilotprojekt in Rußland ist in Vorbereitung.

Bezeichnend ist, daß Außenseiter die Entwicklung befeuern. Superreiche wie Elon Musk oder der Amazon-Gründer Jeff Bezos mischen in der Raumfahrt mit, Google und Apple steigen in den Automobilbau ein. Ihr Innovationsgeist überwindet die Grenzen der Informations- und Internettechnologie und macht sich in den klassischen Industrien breit.

Angst vor der eigenen Courage

Es sind Amerikaner und Chinesen, die mit Biß und eisernem Willen entwickeln, kaufen, klauen und kopieren – Hauptsache auf zu neuen Ufern. Die gleiche Rolle spielten vor gut einem Jahrhundert deutsche Unternehmer, Ingenieure und Wissenschaftler. Heute geht es der deutschen Industrie blendend, doch an der Gestaltung der Zukunft hat sie nur marginalen Anteil. Die Marktführer und „hidden champions“ im Mittelstand werden noch lange dominieren, die großen Namen hingegen verlieren an Glanz. Die Deutsche Bank macht es vor.

Wollen wir nicht mehr oder können wir nicht mehr? Ist es beides? Das Desaster um den Flughafen Berlin-Brandenburg ist ein Fanal, das Desinteresse an der „Solar Impulse“ ein Symptom. Seit dem ersten Bericht des Club of Rome in den siebziger Jahren haben die Deutschen Angst vor der eigenen Courage.

Die Grünen trugen diese Angst zuerst auf die Straße, später in die Parlamente und Redaktionen, als letztes Zeichen ihres Aufstiegs mitten ins Bürgertum. Seit das Unwort Technikfolgenabschätzung existiert, kehren junge Menschen, die auch hierzulande mit dem Kopf durch die Wand zu neuen Ufern wollen, Deutschland den Rücken. Werner Siemens, der 1866 den Generator erfand, hätte es nicht anders gemacht.

 

Mini-Drohne, mit der der Internet-Händler Amazon Waren ausliefern will Foto: picture alliance/dpa
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