Kommentar

Wir schaffen das – nicht

Über eine Million Asylsuchende werden in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Allein im Monat September durften täglich rund 10.000 Einwanderer einreisen. Das hat auch für die deutsche Sprache Folgen. Ein oft gehörter Satz lautet: „Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Das ist richtig.

Doch wer die Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließt, dem muß klar sein, daß Deutschland einen Großteil der Einwanderer nicht wird integrieren können; denn es wird nicht gelingen, allen gut Deutsch beizubringen. „Wir schaffen das“, ist leicht gesagt. Höchstwahrscheinlich schaffen wir es aber nur zum Teil. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

(1) Viele Einwanderer sind Analphabeten, man schätzt den Anteil vorsichtig auf 15 bis 20 Prozent. Möglicherweise ist er noch höher. Bei den 14- bis 24jährigen Afghanen liegt er laut Weltbank sogar bei 53 Prozent. Häufig haben diese Menschen bereits ihre Muttersprache nicht richtig gelernt. Das sind schlechte Voraussetzungen für das Erlernen von Deutsch als Fremdsprache.

Änderungen im Asylrecht greifen zu kurz

(2) Es gibt nicht genug Deutschlehrer. Qualifiziertes Personal ist nicht in ausreichender Menge vorhanden. Deutschhelfer in Asyleinrichtungen sind meist unbezahlte, ehrenamtliche Kräfte, die ihre Freizeit opfern. Mangelnde Fachkompetenz wird, so gut es geht, durch Erfahrung und guten Willen ausgeglichen. Doch auch diese Hilfsbereitschaft kann nicht endlos ausgebeutet werden.

(3) Die staatlichen Integrations- und Sprachkurse wiederum erreichen nur einen Teil der Einwanderer. Die Änderungen im Asylrecht, die nach dem Willen der Bundesregierung ab 1. November dieses Jahres gelten sollen, sollen diesen Mangel beheben, greifen jedoch zu kurz.

Asylbewerber mit guten Aussichten auf ein Bleiberecht sollen es zwar einfacher haben, in Integrationskurse zu kommen. Außerdem will die Bundesregierung die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge besser mit den berufsbezogenen Sprachkursen der Bundesagentur für Arbeit vernetzen. Dennoch werden viele Einwanderer nicht in den Genuß dieser Kurse kommen.

Unmotivierte Einwanderer

(4) Hinzu kommt die mangelnde Motivation einiger Einwanderer. Viele sind nicht bereit, Deutsch zu lernen. In der F.A.Z. erschien kürzlich der Leserbrief eines enttäuschten freiwilligen Deutschhelfers aus Frankfurt am Main. Nachdem fast alle Schüler seine Deutschstunden für minderjährige Flüchtlinge boykottiert hatten, klärten ihn die Sozialarbeiter auf, die Jungen seien wegen des Ramadans eben „schlapp und unmotiviert“.

Er schreibt: „Nicht die Flüchtlinge wurden gebeten, doch zukünftig (halbwegs) pünktlich zu erscheinen. Sondern ich wurde gebeten, nicht mehr zu unterrichten. Denn ich sei offenbar nicht bereit, mich den kulturellen Gepflogenheiten dieser Menschen anzupassen.“ Neben mangelnder Lernbereitschaft erhöhen eben auch kulturelle Unterschiede in Gebräuchen und Religion die Hürden für sprachliche Integration zusätzlich.

(5) Der Anpassungsdruck ist also – wie gesehen – oftmals zu gering. Dabei spielt es auch eine Rolle, daß zahlreiche Zuwanderer aus denselben Herkunftsländern kommen. In Deutschland entwickeln sich rasch wachsende neue Kommunen, die kulturell homogen sind und in denen nicht Deutsch gesprochen wird. Viele Ankömmlinge tauchen bald bei Verwandten und Bekannten aus demselben Heimatland unter, so daß für sie kein Druck besteht, Deutsch zu lernen, weil sie gut ohne die Landessprache zurechtkommen.

Ausweichen auf Englisch

(6) Die Hinwendung zu Englisch schwächt zusätzlich den Druck, Deutsch zu lernen. An immer mehr Stellen in Deutschland genügen auch einfache Englischkenntnisse. Politiker (zum Beispiel aus der FDP) und Lobbyisten aus der Wirtschaft (zum Beispiel in der FDP) fordern sogar Englisch als zusätzliche Verwaltungssprache. In Düsseldorf etwa haben sie sich schon damit durchgesetzt. Wer auch nur rudimentäre Englischkenntnisse hat, wird erst versuchen, diese zu nutzen. Die Deutschen sprechen ja selbst mit ihm Englisch.

Auch die Erwartung, daß die meisten Flüchtlinge wieder in ihre Heimatländer zurückkehren werden, sobald diese sicher sind, kann nur enttäuscht werden. Sicherlich werden unser Land auch nicht alle Einwanderer wieder verlassen, die sich illegal hier aufhalten. Ganz gleich, ob nun die Einwanderer berechtigt oder unberechtigt hier sind: „Nun sind sie halt da“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. September flapsig vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion feststellte. Und wir tragen die Folgen, daß die Bundesregierung die Kontrolle aus der Hand gab und nun mühsam wiederzugewinnen versucht.

Die Kosten müssen anderswo eingespart werden

Das Ifo-Institut schreibt: „Die Erfahrung mit früheren Flüchtlingswellen in Deutschland … zeigen …, daß ein hoher prozentualer Anteil der aus humanitären Gründen aufgenommenen Menschen zumindest mittelfristig in Deutschland bleibt und hier auch eine Arbeit aufnimmt.“ (ifo-Schnelldienst 18/2015, 24.09.2015) Wie groß der Anteil derer ist, die kein Deutsch lernen werden und auch langfristig Bezieher von Sozialleistungen bleiben, wissen wir noch nicht. Es steht nur eins fest: Es werden sehr viele Menschen sein, mit allen unangenehmen Folgen für das soziale Zusammenleben.

Und hinter allem steht dann schließlich noch die Frage: Für welche Dinge soll weniger Geld ausgegeben werden, damit die Integration bezahlt werden kann? Das Münchner Ifo-Institut und die deutsche Bundesregierung rechnen mit Mehrkosten von zehn Milliarden Euro, gerechnet auf 800.000 Einwanderer. Die Kosten für Familiennachzug, berufliche Bildung und Deutschkurse sind da noch gar nicht eingerechnet …

Deutschkurs: Sprache als vermeintlicher Schlüssel zur Integration Foto: picture alliance

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